Erfolgstyp: Trainer Gerald Baumgartner führte nach Pasching auch St. Pölten in das Cupfinale.

© Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski

Trainer-Porträt
05/08/2014

Gerald Baumgartner: Kompromisslos erfolgreich

Mit einem Zweitligisten nach Europa: Das Geheimnis von St. Pöltens Cup-Held.

von Alexander Huber

Die Phrase ist bei öffentlichen Auftritten ein treuer Begleiter von Gerald Baumgartner. Oft tätigt der SKN-Trainer Aussagen, die so erwartbar sind wie die Spielzüge von Cup-Gegner Sturm beim 1:0-Triumph des Zweitligisten nach 120 Minuten. Wer dem 49-jährigen Salzburger länger und genau zuhört, bekommt aber ein Gefühl dafür, warum ausgerechnet Baumgartner nach Pasching mit St. Pölten den nächsten unterklassigen Verein über den Cup auf die internationale Bühne hieven konnte.

"Mit Spielern, die keine Siegermentalität entwickeln, kann ich nichts anfangen", sagt er nach etwas Anlaufzeit. Oder: "Sturm konnte mit unserem hohen Pressing bis zum Schluss nichts anfangen." Selbst angefangen hat er seine Trainerkarriere bereits 2005 bei den Red Bull Juniors. Unter Söndergaard, Streiter, Fink, Hütter, Aigner und Kovac gab der frühere Mittelstürmer den ebenso loyalen wie wissbegierigen Co-Trainer. Erst 2011 wurde Baumgartner zum Cheftrainer befördert – und startete mit den Salzburger Talenten prompt seinen einzigartige, bis heute mit 14 Spielen anhaltende Siegesserie im Cup.

Auf die ersten drei Pokal-Erfolge mit den Juniors folgten beim Red-Bull-Ableger Pasching sieben weitere Aufstiege. In Hütteldorf (1:0), in Salzburg (2:1) und beim Finale in Wien gegen die Austria (1:0) wurden scheinbar übermächtige Gegner durchaus verdient bezwungen.

Erstmals vertrat ein Drittligist Österreich im Europacup. Das Aus gegen Estoril aus Portugal war absehbar, aber mit dem Gesamtscore von 1:4 absolut achtbar. "Das Europacup-Feeling war super geil" sagt Baumgartner und klingt dabei gar nicht wie ein 49-Jähriger, der tagelang für den richtigen Matchplan tüftelt. Und diesen meistens auch findet.

Dass Baumgartner im September 2013 (als Martin Scherbs Nachfolger) in St. Pölten gelandet ist, verdankt er eigentlich Peter Schöttel. Der Ex-Rapid-Trainer sagte als Wunschkandidat von SKN-Boss Gottfried Tröstl ab, bestärkte Tröstl aber darin, es bei Manfred Schmid und Baumgartner zu versuchen. Schmid kam nicht aus seinem Vertrag in Köln heraus, Baumgartner aus dem in Pasching hingegen schon.

Laut & lästig

Das Gefühl, nicht dorthin zu kommen, wo man hinwill, macht einen Erfolgstypen wie Baumgartner rasend. Seinen Zorn spürten erst vergangene Woche alle beim SKN, nachdem Tröstl einerseits Einsparungen angekündigt hatte, andererseits auf den noch ein Jahr laufenden Trainer-Vertrag beharrte und den geplanten Wechsel zu Grödig untersagte. Nicht mehr als ein kurzer Verbremser auf des Trainers Weg in die Bundesliga.

"Baumgartner agiert als Trainer wie ein starker Manager: Mit Ecken und Kanten, manchmal stur, aber immer total auf den Erfolg fokussiert", sagt Tröstl, der nach der Sensation von seinem Angestellten prompt erneut unter Druck gesetzt wurde: "Wir spielen jetzt europäisch. Da ist der Verein gefragt, einen Kader zu ermöglichen, mit dem wir kommende Saison auch aufsteigen können."

Baumgartner fordert die Vertragsverlängerung mit den Schlüsselspielern Jano, Dober und Holzmann sowie die Verpflichtung eines echten Goalgetters. Geschickt, wie er live im TV dafür den auf der Tribüne feiernden NÖ-Landeshauptmann um Hilfe bat. Durchaus möglich, dass Erwin Pröll seine Beziehungen spielen lassen wird, um der am Mittwoch mit 8000 Zuschauern erstmals ausverkauften NV-Arena dauerhaft Leben einzuhauchen.

Müde Grazer fahren nicht durch Europa

Im Vorjahr zitterte sich Sturm mit Glück in die Qualifikation zur Europa League. Auch dieses Mal war die Chance, sich für einen internationalen Bewerb zu qualifizieren, enorm hoch. Sturm ließ sich aber vom Zweitligisten aus St. Pölten besiegen.

Trainer Darko Milanic war überrascht vom Gegner: "Wir haben uns sehr schwergetan gegen eine sehr aggressive Mannschaft." Dass der Zweitligist den Kampf suchte – eine Sensation?

Die Grazer waren ebenso bemüht, aber: Vor allem die Spitzen waren wie schon beim 1:2 gegen Wiener Neustadt wenig spritzig, zweikampfschwach und mit wenig Durchsetzungsvermögen ausgestattet. Ließen die Steirer zuletzt einen Aufwärtstrend erkennen, wirkten sie in den jüngsten beiden Matches müde und verbraucht.

Europa ade! Damit gehen wieder Einnahmen verloren, die der Klub nach dieser Saison dringend brauchen würde. Und damit wohl auch Leistungsträger: Der Abgang von Manuel Weber (unterschrieb am Donnerstag in Wolfsberg) war ohnehin klar, nun wird auch jener der Stützen Nikola Vujadinovic (war in St. Pölten mit Abstand bester Grazer) und Michael Madl (bei der Austria im Gespräch) immer wahrscheinlicher. Vujadinovic wird wohl den Sprung nach Deutschland wagen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.