Sport | Fußball
05.12.2011

GAK: Ein teuflisches Kriminalstück

Die ehemalige Buchhalterin berichtet von versuchter Einflussnahme durch Konsul Roth und andere Ex-Funktionäre.

Es herrscht Alarmstufe Rot in der Grazer High-Society. Und zwar nicht erst, seit Peter Svetits, lange Zeit Präsident des Fußball-Traditionsklubs GAK, vorübergehend in U-Haft genommen wurde.

Seit Monaten sind hochrangige Mitglieder der oberen Zehntausend hochgradig nervös. Aus gutem Grund: Der Kriminalfall GAK ist längst nicht mehr nur auf Abgabenhinterziehung in Millionenhöhe und schweren Betrug beschränkt, auf Verbrechen also, die im Grazer Fußball zum unguten Ton gehörten.

Es geht mittlerweile um den Verdacht, wonach Aussagen beeinflusst worden sein könnten. Um mögliche Absprachen unter prominenten Beschuldigten, um streng vertrauliche Treffen bei einem österreichweit bekannten Spitzenanwalt.

Neue Dimension

Zur Erinnerung: Svetits war Ende Oktober dabei gefilmt worden, wie er der ehemaligen GAK-Buchhalterin Geld übergeben hatte. Alleine die Tatsache, dass die Dame rund um die Uhr observiert worden war, lässt die tatsächliche Dimension des Kriminalfalles erahnen. Dem KURIER liegen nun erstmals Aussagen besagter Buchhalterin vor, die als potenzielle Kronzeugin mehrere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens massiv belastet hat.

Die Schlüsselfiguren in diesem Kriminalstück: Rudi Roth, 63, Ex-GAK-Präsident, Selfmade-Millionär, Ölhändler und ungarischer Honorarkonsul. Ebenfalls mit im Spiel: Roth-Anwalt Guido Held, eingeheiratetes Mitglied des Mayr-Melnhof-Clans, Ehrenpräsident der steirischen Rechtsanwaltskammer, bundesweit besser bekannt als juristischer Leiter der CSI Hypo Alpe Adria, die im Auftrag des Finanzministeriums den Niedergang der notverstaatlichen Problembank aufklären sollte.

Nun ist Held selbst zumindest Nebendarsteller in einem Wirtschaftskrimi. Auch Held wird von der Buchhalterin Ulrike D. in den GAK-Sumpf hineingezogen, wie aus der der Vernehmung der Beschatteten Ex-Buchhalterin (5. August 2011) hervorgeht.

Damals habe sich ein enger Mitarbeiter Roths bei ihr gemeldet und sich bei ihr beschwert, dass sie Roth durch ihre Aussagen "den Boden unter den Füßen weggezogen" hätte, sie ihn "ruiniert hätte." Die Buchhalterin wartet in dieser Befragung im Hochsommer mit schwerem Geschütz auf: "Ich habe schon bei meiner ersten Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass ich zu Dr. Held, den Verteidiger von Mag. Roth gegangen bin. Ich musste einfach hingehen, Dr. Held hat mich regelrecht zu sich zitiert." Den vernehmenden Staatsanwalt interessiert vor allem die Frage, ob man sich in der Kanzlei Held abgesprochen hat, um Aussagen vor den Kriminalisten untereinander abzustimmen.

Ulrike D. fährt vor den Ermittlern fort und packt im Detail aus: "Ich bin sicher fünf Mal, wenn nicht öfter zu Dr. Held gegangen. Bei diesen Besprechungen war immer eine große Runde anwesend (...), auch mein ehemaliger Verteidiger, Dr. Held, Mag. Steinle (Roths Steuerberater, Anm.) und Dr. Rath (Anwalt, Ex-GAK-Funktionär, Anm.). Mag. Rudolf Roth war immer anwesend (...) Bei diesen Besprechungen hat man mir immer zu verstehen gegeben, wenn ich die Wahrheit sage, dann würde ich alle Anwesenden ruinieren. Man hat mir im Zusammenhang mit dem gegenständlichen Verfahren immer nahegelegt, bestimmte Formulierungen zu verwenden, dann werde mir im Verfahren nichts passieren."

Immer in der Kanzlei Held also. Immer in großer Runde. Immer in Anwesenheit von Hauptdarsteller Roth.

Und immer wieder der Hinweis darauf, dass sie nur ja nicht die Wahrheit sagen dürfe, um nicht honorige Herren am Ende zu "ruinieren" . Wenn stimmen sollte, was die langjährige GAK-Buchhalterin behauptet, dann hätten Ölbaron Roth und GAK-Konsorten neben den Vorwürfen des schweren Betrugs, der betrügerischen Krida und der Steuerhinterziehung möglicherweise ein weiteres Problem am Hals.

"Telefonterror"

Ulrike D., einst Mädchen für alle formellen Buchungen im Verein, berichtet den Kriminalisten jedenfalls an diesem 5. August 2011 von weiteren Druck-Wellen auf ihre Person. Es sei "wirklicher Telefonterror" gegen sie "ausgeübt" worden, sagte Frau D. aus. Mehr noch: Sie habe einem engen Mitarbeiter von Rudi Roth gesagt, sie hätte eine Fangschaltung installiert.

Seither seien "diese Anrufe zumindest weniger geworden. Es wird aber nach wie vor Druck ausgeübt, indem (...) mitten in der Nacht die Wohnungsklingel gedrückt wird (...) Durch diesen Telefonterror, Klingelterror und das Aufstechen meines Autoreifens fürchte ich mich, ich habe (...) große Angst, dass mir etwas passiert." Auch deshalb, weil Ulrike D. in den "letzten Tagen in der Früh immer drei Männer in der Nähe meiner Wohnungen gesehen" hat. "Ich vermute, man will auf raffinierte Weise Druck ausüben."

Diese Aussagen veranlassten die Fahnder im August offensichtlich zur Beschattung der Buchhalterin, was wiederum Ende Oktober zur Inhaftierung von Peter Svetits führte. Der fühlt sich als Bauernopfer: "Vielleicht hat man beim GAK Angst davor, die wirklich Verantwortlichen öffentlich anzusprechen. Der Einfluss dieser Personenkreise ist zu hoch."

Roth-Anwalt Guido Held weist für sich und seinen Klienten jede schiefe Optik weit von sich: "Bei den Besprechungen waren immer die Anwälte. Wie soll man als Anwalt sonst zu Informationen kommen?" Auch ein Roth-Sprecher sagte, es sei nie Druck ausgeübt worden.

Für alle genannten Personen gilt ausnahmslos die Unschuldsvermutung.

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