Sport | Fußball 10.12.2011

GAK-Affäre: Fauler Zauber mit Bilanzen

Wie der ehemalige GAK-Präsident Rudi Roth die Vereinszahlen verwandelt haben soll, um einen Millionendeal an Land zu ziehen.

"Ein nicht geschulter Bilanzleser erkennt diese bilanzielle Malversation erst auf den dritten Blick."

Gerichtsgutachter Fritz Kleiner in seiner 687-Seiten-Expertise zur Bilanzierungspraxis des GAK.

Als Konsul Rudi Roth am 31. Mai 2001 zum Präsidenten des GAK gewählt wurde, sparte der neue Mann an der Vereinsspitze nicht mit großen Tönen. Sein Vorgänger Peter Svetits und er selbst würden "den Verein mit sportlicher und wirtschaftlicher Professionalität weiterführen." Svetits werde "die Funktion des bezahlten Sportdirektors übernehmen, weil er der beste Sportmanager Österreichs ist."

Zehn Jahre später ist im Umfeld jenes Klubs, dessen Spieler sich Rote Teufel nennen, die Hölle los.

Zehn Jahre später hat Svetits, laut Roth angeblich "bester Sportmanager" des Landes, die Grenzerfahrung einer Untersuchungshaft hinter sich.

Zehn Jahre später ist auch Ölbaron und Multimillionär Rudi Roth, dessen Familie zu den reichsten Österreichs zählt, massiv in eine handfeste Betrugs- und Finanzaffäre verstrickt. Vor allem seit dem 5. August 2011. An diesem Tag goss eine ehemalige Klubangestellte, die sich mittlerweile von dunklen Kräften unter Druck gesetzt fühlt, vor dem Staatsanwalt frisches Öl ins Feuer.

In der Fantasiewelt

Die Vorwürfe der Buchhalterin: Veränderungen "über Auftrag von Rudolf Roth".
© Bild: KURIER

Tarnen und Täuschen, Geld waschen und Bilanzen frisieren: Wenn es stimmt, was Gutachter und Kriminalisten in klandestiner Kleinarbeit in den vergangenen Jahren an Millionenmalversationen zusammengetragen haben, dann hatten die o ffiziellen Bücher des Klubs mit der wirtschaftlichen Realität in etwa so viel gemein wie ein Harry-Potter-Roman mit einem Tatsachenbericht. Dann waren zahlreiche Zahlen nur das Endprodukt eines faulen Zaubers, eines bilanziellen Fantasiegebildes, mit dem der totale sportliche Größenwahn verschleiert werden sollte.

Ein schwarzer Magier in diesem Kriminalstück: Laut der ehemaligen Buchhalterin Ex-Präsident Rudi Roth. In dessen Ära (bis 2005) fällt der wirtschaftliche Doppelpass mit der internationalen Agentur IMG, die mit der Übernahme der Vermarktung das Überleben des damals bereits schwer angeschlagenen GAK über zehn Jahre sicherstellen sollte. Jährliche Garantiesumme der IMG für den Klub: fünf Millionen Euro.

Im Frisiersalon

Ein Faksimile zur GAK-Affäre.
© Bild: KURIER

Heute hegen die Ermittler einen bösen Verdacht: Die Budgetzahlen sollen frisiert worden sein, um an den großen garantierten Geldkuchen zu kommen. Dies erklärt jedenfalls die ehemalige Buchhalterin, deren Vernehmungsprotokoll vom August 2011 datiert und dem KURIER vorliegt. Darin heißt es: Sie, also die Mitarbeiterin, habe "über Auftrag von Mag. Rudolf Roth die (...) Veränderungen der Umsatzzahlen vorgenommen." Angeblich in einem beachtlichen Ausmaß: Statt der tatsächlichen 5,3 Millionen Euro sollen plötzlich – Simsalabim! – 7,7 Millionen Euro Vermarktungsumsatz ausgewiesen worden sein. Die Buchhalterin zum ermittelnden Staatsanwalt: "Der GAK sollte besser dargestellt werden, um eine bessere Dotierung des Vertrages zu erhalten." (siehe Faksimile)

In der Trickkiste

7,74 statt 5,3 Millionen Euro - eine Budget-Trickserei, die sich sehen lassen könnte. Und die bei Honorarkonsul Rudi Roth mittlerweile Erklärungsbedarf erzeugt. Denn laut der damaligen Buchhalterin wurde im Zuge des IMG-Deals, mit dem Roth wenige Wochen später die Bühne der Fußball-Eitelkeiten wieder verlassen sollte, auch der Vermögensstatus seines Vereines realitätsfern dargestellt: Statt einer Überschuldung von 3,104 Millionen Euro sollte plötzlich - Abrakadabra! - ein Plus von 348.000 Euro in den Büchern stehen. Die ehemalige Angestellte über den Grund dieser wundersamen Vermögensvermehrung: "Es war dies über ausdrücklichen Wunsch von Mag. Rudolf Roth."

Rudi Roth ließ über seinen Sprecher "alle Vorwürfe" entschieden zurückweisen. Es gäbe keine bewusst falsche Darstellung - bei den sieben Millionen Euro Sponsorumsatz habe es sich lediglich um eine Prognose-Rechnung gehandelt. Roth habe, ehe er das Präsidentenamt niederlegte, alle Konten auf null gestellt.

Offen bleibt allerdings, warum Roths designierter Nachfolger trotz dieser Behauptung und trotz des laut Roth so formidablen IMG-Deals kurzfristig abgesprungen ist: Der Industrielle Hans Christof, Chef der Christof Group, soll es laut dem Vernehmungsprotokoll der GAK-Buchhalterin abgelehnt haben, Klubboss zu werden, weil er Roths Aussagen über den wirtschaftlichen Zustand des Klubs nicht traute.

Schlusswort der Buchhalterin zum Staatsanwalt: "Als Hans Christof mich zur wahren Lage des GAK fragte, sagte ich zu ihm, wenn ich ihm die Wahrheit sage, dann `frisst mich Mag. Roth`, und wenn ich ihn (also Hans Christof, Anm.) `anlüge`, dann wird er mich `fressen`, sollte er aufgrund dieser Falschinformation die Präsidentschaft des Vereins übernehmen."

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( Kurier ) Erstellt am 10.12.2011