Sport | Fußball
24.04.2017

Youth League: Salzburgs Erfolg ist kein Zufall

Die Jungbullen treffen am Montag (17 Uhr) im Finale der U-19-Champions-League auf Benfica Lissabon.

Es ist ein Mythos der Fußballwelt: der Guttmann-Fluch. 1962 hatten sich Benfica Lissabon und Bela Guttmann im Streit getrennt. Der Erfolgstrainer, der die Portugiesen zwei Mal in Folge zum Sieg im Meistercup geführt hatte, prophezeite daraufhin, dass Benfica "in Europa 100 Jahre keine Titel mehr gewinnen wird".

Die Ankündigung von Guttmann, der am Wiener Zentralfriedhof seine letzte Ruhestätte fand, hat bis heute Bestand. Acht Mal stand Benfica seither in einem Europacup-Finale, alle acht Endspiele wurden verloren.

Finalniederlage

Und nicht nur das: Auch in die UEFA Youth League wurde Benfica vom Fluch des ehemaligen Spielers und Trainers von Hakoah Wien sowie österreichischen Kurzzeit-Teamchefs verfolgt. 2014 wurde das Finale gegen Barcelona mit 0:3 verloren.

Das müsste doch auch ein gutes Omen für die Salzburger Jungbullen sein. Denn sie treffen heute im Finale der Champions League für Unter-19-Mannschaften in Nyon auf die Mannschaft des portugiesischen Rekordmeisters (17 Uhr, live ORF Sport+). Wenn man in einem Endspiel steht, möchte man den letzten Schritt auch noch gehen und es natürlich auch gewinnen", sagte Salzburg-Coach Marco Rose.

Starke Flügel

Gegner Benfica konnte auch von ihm am Freitag in Nyon beobachtet werden. Beim 4:2 im Semifinale gegen Real Madrid fielen drei Spieler besonders auf: die Doppel-Torschützen Joao Felix und Joao Felipe sowie Mittelfeldspieler Diogo Goncalves. Insgesamt präsentierte sich Benfica als körperlich stark, aber im Kollektiv fehlerhaft – wie es im Nachwuchsfußball auch auf höchstem Niveau normal ist.

Da sind die Salzburger schon weiter. Die Erfahrung, die viele Spieler bei den Profis oder bei Liefering im Erwachsenenbereich machen durften, hilft auch gegen die besten Nachwuchsteams Europas. Das sah man schon gegen Manchester City, PSG sowie Atlético Madrid und war auch am Freitag in der starken zweiten Hälfte des Semifinales gegen den FC Barcelona nicht zu übersehen.

Richtige Software

Salzburgs größter Erfolg auf Nachwuchsebene ist kein Zufall, sondern Produkt einer klaren Strategie. "Es ist unsere Kernaufgabe, dass wir uns um unsere Talente kümmern. Der Finaleinzug ist eine Bestätigung unserer Ausrichtung", erklärt Sportchef Christoph Freund, der schon beim Semifinale in Nyon war und auch heute live dabei sein wird.

Red Bull hat mit der Errichtung der rund 40 Millionen Euro teuren Akademie die Hardware zur Verfügung gestellt. Der Verein hat diese mit der richtigen Software (Trainer, Spieler, Betreuer etc.) gefüllt. Der Lohn sind Erfolge wie jener in Nyon.

Professionelle Betreuung

Salzburg ist im Nachwuchsbereich auf einer Ebene mit Europas Großklubs. Wie professionell gearbeitet wird, beweist ein Detail: Der Dolmetscher von Salzburg-Trainer Óscar García war Donnerstag und Freitag in Nyon, um den Brasilianer Igor bei Interviews zu unterstützen. Dann flog er nach Österreich zurück, um bei den Profis in St. Pölten zu sein. Beim Finale wird er wieder in Nyon zur Stelle sein.

Bei Salzburg stimmt aber dazu auch die Durchlässigkeit. "70 bis 80 Prozent unserer Kaderspieler sollen aus der Akademie kommen", wiederholte Freund ein Ziel. Konrad Laimer und Xaver Schlager (der verletzte Kapitän der Youth-League-Elf wird seine Kollegen heute in der Schweiz moralisch unterstützen) sind nur die Spitze des Red-Bull-Projektes.

Nächstes Talent

Dass dieses ein langfristiges ist, beweist auch die Verpflichtung des bis Mai noch 15-jährigen Ulrick Eneme-Ella. Der französische Unter-16-Teamstürmer kommt im Sommer ablösefrei aus dem Nachwuchs vom Zweitligisten AJ Auxerre.