Die Welle der Begeisterung: Das Nationalteam als Lokomotive. Braust der EM-Zug Richtung Frankreich, springt auch die Wirtschaft mit den Konsumenten auf.

© Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber

Wertschöpfung
09/05/2015

ÖFB-Team bringt neben Erfolgen auch viel Geld

Der Fußball in Österreich und die Wirtschaft - eine Ehe, die in Österreich also doch salonfähig ist.

von Alexander Strecha, Bernhard Hanisch

Eigentlich muss Österreichs Fußballnationalmannschaft die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich nur mehr in feste Hände nehmen. Das Team hat bisher sportlich überzeugt und seine Anhängerschar euphorisiert.

Eine Erfolgswelle, die auch Geld in die Kassen spülen wird. Wie viel? "Die UEFA rückt damit noch nicht heraus. Erst im Oktober, wenn alles fix ist", meint ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig. Für das Erreichen der EM-Endrunde gibt es eine Ausstattungsprämie, ein Punkte- und Aufstiegsprämie. "Es ist auch damit zu rechnen, dass die Verhandlungen mit den vorhandenen Partnern um einiges leichter werden, und es sollte auch viel leichter werden, neue Partner zu gewinnen."

Rekordzahlen

Und nebenbei: Die Euphorie schlägt sich schon in Zahlen nieder: Der Verkauf der Fanartikel hat die Erwartungen übertroffen. Um satte 50 Prozent. Der Fußball in Österreich und die Wirtschaft – eine Ehe, die in Österreich also doch salonfähig ist.

Der Doppelpass funktioniert sehr gut, wie eine Studie belegt. Erstellt wurde sie von SportsEconAustria, dem Institut für Sportökonomie, im Auftrag des ÖFB. Das erste Ergebnis wurde 2010 präsentiert, 2015 folgte nun eine Aktualisierung. Und die gab für die Sportart Nummer 1 in Österreich durchaus Positives.

2013 erwirtschaftete das gesamte Wertschöpfungs-Netzwerk Fußball in Österreich nicht weniger als 667 Millionen Euro brutto. Jeder 188. Arbeitsplatz in Österreich ist somit direkt oder indirekt dem Fußball zuzurechnen. Eines wurde durch die Studie noch klar: Ohne ehrenamtliches Engagement würde der Fußball hierzulande nicht funktionieren, ja gar nicht existieren.

Besseres Image

Ehrenamtliche Tätigkeit spart jährlich Personalkosten in Höhe von 154 Millionen ein. Und auch im Gesundheitswesen werden netto bis zu 141 Millionen jährlich vermieden. Der österreichische Fußball ist für 0,23 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. ÖFB-Präsident Leo Windtner zeigte sich ob dieser Zahlen freilich zufrieden. "Es geht um eine Image-Korrektur, nicht um eine Politur." Ganz bewusst will Windtner keinen Vergleich zum Kultur und Kulturbudget anstellen. "Die öffentlichen Mittel darf man im Fußball nicht immer als Subvention sehen, sondern als Investition."

Noch eindrucksvoller ist die Bedeutung des Fußballs für den Arbeitsmarkt. Insgesamt finden in Österreich 21.901 Personen eine Beschäftigung rund um den Fußball. Damit sichert der Kick in etwa so viele Arbeitsplätze wie die Stadt Kapfenberg Einwohner hat.

Anna Kleissner, Stellvertretende Geschäftsführerin von SportsEconAustria: "Der Fußball erfreut sich in Österreich großer Beliebtheit, und dies schlägt sich auch wirtschaftlich nieder. Allerdings wird der Fußball in seiner ökonomischen Bedeutung unterschätzt."

Daher besteht noch die berühmte Luft nach oben, wie Leo Windtner festhält. Wobei eine erfolgreiche österreichische Fußball-Nationalmannschaft als die treibende Kraft bezeichnet werden darf. "Das Potenzial ist gegeben, wie man an den vielen ausverkauften Länderspielen in Wien sieht." Selbst gegen Liechtenstein wollen bis zu 50.000 Fans mit von der Partie sein.

EM als Turbo

Vor allem besagte Teilnahme an der EURO 2016 könnte eine Turbo-Zündung für den Fußball in der Gesellschaft und in der Wirtschaft sein. Und nachhaltig wirken Genaue Zahlen kann Anna Kleissner diesbezüglich noch keine nennen. "Das wäre reine Spekulation. Aber die Heim-EURO 2008 hat sich absolut positiv ausgewirkt. Also kann man davon ausgehen, dass dies auch 2016 so sein wird."