Von Salzburg-Kapitän Soriano war am Mittwochabend wenig zu sehen.

© APA/EPA/HELMUT FOHRINGER

Champions League
08/28/2014

Salzburg: Watschenmänner aus der Wohlfühloase

Sportchef Ralf Rangnick und Coach Adi Hütter üben keine Selbstkritik, die Spieler sind schuld.

von Stephan Blumenschein

Es ist ein Symbol der Großmannssucht: Der Salzburger Teambus war 1300 Kilometer leer quer durch Europa nach Malmö gefahren, obwohl das Teamhotel gerade sechs Fahrminuten vom Swedbank-Stadion entfernt war. Dort leistet sich Österreich Meister mit dem blamablen Champions-League-Play-off-Ausscheiden einen Selbstfaller der besonderen Art gegen Schwedens Champion.Salzburg ist natürlich nicht ausgeschieden, weil die Spieler auch in Malmö die Annehmlichkeiten des Luxusbuses genießen konnten, sondern obwohl sie diese genießen konnten.

"Es kann nicht sein, dass wir die schönsten Bedingungen haben, die schönsten Autos fahren, die schönsten Anzüge tragen, aber den schlechtesten Fußball spielen!" Das sagte 2007 der damalige Sportchef Heinz Hochhauser nach einem ebenso blamablen 0:3 im UEFA-Cup bei AEK Athen.

Bittere Erkenntnisse

Geändert hat sich an der Salzburger Wohlfühloase nichts. Im Gegenteil: Es ist alles noch professioneller und durchgeplanter, aber auch noch luxuriöser und protziger geworden. Das Umfeld, das dank der Red-Bull-Millionen den Spielern geboten wird, ist Champions-League-tauglich, die Leistung der Mannschaft war dies neuerlich nicht. Zum siebenten Mal ist man in der Ära Red Bull in der Qualifikation gescheitert, zum sechsten Mal kassierte man im Rückspiel drei Gegentore, zum dritten Mal setzte es ein 0:3.

"Die totale Entschlossenheit und der letzte Punch haben gefehlt." Alleine wegen dieser Aussage von Sportchef Ralf Rangnick müsste bei Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz die innere Alarmglocke läuten. Vielleicht wäre auch in Salzburg einmal weniger mehr. Vielleicht braucht es nicht jährlich 60 Millionen Euro, um schon im August zur Erkenntnis zu kommen, dass im selbst hochstilisierten "Spiel des Jahres" die Grundtugenden des Fußballs gefehlt haben.

Denn auch Adi Hütter wusste eben keine anderen Erklärungen für das 0:3 gegen Schwedens Meister, der sich erstmals überhaupt für die Champions League qualifizieren konnte: "Wir haben den Kampf nicht so angenommen wie es sein sollte", meinte Salzburgs Coach.

Hütter hat das Trainerduell gegen Age Hareide klar verloren. Der Norweger demonstrierte mit einem einfachen taktischen Mittel, wie Salzburgs Offensive zu neutralisieren ist. "Das ist mir beim Hinspiel eingefallen", meinte Malmös Trainer, der erstmals eine Fünferkette aufgeboten hatte, die trotzdem perfekt funktionierte und die erste Salzburger Chance erst in der 90. Minute zuließ.

Späte Korrektur

Auch Hütter hatte experimentiert – mit Umstellungen in der Abwehr ohne Not. Zur Pause korrigierte er diese, da stand es aber schon 0:2. „Es ist leider nicht aufgegangen. Es war aber nicht der Grund, warum wir das Spiel verloren haben.“ Dem 45-Jährigen kam kein Wort Selbstkritik über die Lippen. Kritisiert wurde nur die Mannschaft und da besonders die Offensive: "Wir hatten überhaupt keine Durchschlagskraft."

Aber nicht nur Hütter war einer der Verlierer von Malmö, sondern auch dessen Chef: Ralf Rangnicks Offensivpressing wurde mit einer soliden Ordnung, mit langen Bällen und hohem Einsatz völlig matt gesetzt. Malmö führte nur dort fort, wo Basel im Frühjahr aufgehört hatte.

Die Blamage war aber auch eine Watschn’ für viele Bundesliga-Trainer, die – wie etwa Altach-Coach Damir Canadi – schon zufrieden sind, wenn sie gegen Salzburg nur 0:5 verlieren, während Hareide nur bestätigt wurde: "Wenn der Dritte einer Liga gegen Salzburg 0:8 verliert, dann hat diese ein Problem", hatte der Norweger vor dem Hinspiel gesagt. Und Recht hat er.

Red Bull? Pah - Pah, ein Traum verleiht den Gedanken Flügel

Aftonbladet: Aschenbrödel-Märchen können nicht besser sein: 14 Jahre lang ist eine Mauer zwischen Schweden und Europa gestanden, 14 Jahre haben wir darauf gewartet, dass jemand dorthin segelt. Red Bull? Pah - Pah, ein Traum verleiht den Gedanken Flügel. Als Malmö FF abhob, war die Mauer gefallen."

Sydsvenskan: "Nichts konnte Malmö stoppen - Die Salzburger haben vielleicht Koffein in den Beinen und Zucker im Blut. Aber Markus Rosenberg wandert unter einem ewig blauen Himmel. Mit sich hat er eine Mannschaft und eine Stadt, die nun nach Europa unterwegs sind."

Expressen/Kvällsposten: "Magischer FF - Zlatans Gruß an seinen Ex-Verein: Der nächste Traum ist, dass Malmö jetzt PSG zugelost bekommt, schrieb er in seinem App."

Göteborgs Posten: "Es ist zu billig, sich in historischen Vergleiche zu ergehen, von wegen '14 Jahre lang schaffte es kein schwedischer Verein in der Qualifikation zur Champions League.' Ich schlage vor, wir blicken in die Zukunft: Was für ein Herbst steht uns bevor! Danke Malmö FF! Danke Markus Rosenberg!

Helsingborgs Dagblad: "Malmö verließ die Bank in dieser Augustnacht mit einem Geldsack, wie wir ihn nicht seit der großen Zeit von IFK Göteborg gesehen haben. (...) In den letzten Wochen wurde heiß diskutiert, ob ein Weiterkommen von Malmö FF in die Champions League gut oder schlecht für den schwedischen Fußball wäre. Malmö hat jetzt einen wirtschaftlichen Vorsprung. Für immer? Vermutlich nicht. Fragt IFK Göteborg, FC Kopenhagen. Oder warum nicht Red Bull Salzburg."

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