Sport | Fußball 20.07.2017

Prödl zum Sieg der ÖFB-Damen: "Ein Ausrufezeichen"

Prödl: 'Der Sport, aber auch die Spielerinnen, haben sich extrem weiter entwickelt.' © Bild: APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Der Steirer ist ein Fan der ÖFB-Fußballerinnen.

Nach dem Testspiel gegen Viktoria Pilsen führte Sebastian Prödl der erste Weg zum Handy. Die historische EM-Premiere der österreichischen Fußballerinnen wollte sich der Teamverteidiger nicht entgehen lassen. Als Cousin von Kapitänin Viktoria Schnaderbeck hat der Watford-Legionär einen besonderen Bezug zum Frauenfußball. "Die letzte halbe Stunde habe ich mir im Bus am Handy angesehen. Das war top", erklärt Prödl beim Besuch des KURIER im Trainingslager im Stanglwirt.

KURIER: Haben Sie Ihrer Cousine denn schon gratuliert?

Sebastian Prödl: Natürlich. Sogar mit einer Smiley-Nachricht: Ich hab’ Viki geschrieben, dass sie jetzt in einem Spiel mehr Punkte gesammelt haben als wir Herren bei zwei EM-Turnieren.

Das ist auch in den Sozialen Netzwerken ein Running Gag. Da war sogar zu lesen, dass Österreichs Frauen mit diesem Sieg Alaba & Co. blamiert hätten.

Ganz ehrlich, das tangiert mich jetzt überhaupt nicht. Ich glaube, ich kann da auch für die gesamte Mannschaft sprechen. Man sollte und man darf diese beiden Geschichten nicht vergleichen. Ich weiß aber, wie dieser Erfolg einzuordnen ist.

Wie ist denn der Erfolg einzuordnen?

Dieser Sieg ist ein Ausrufezeichen für den Frauenfußball. Vielleicht kann man das mit unserer U-20-WM vor zehn Jahren vergleichen: Mit so einem Erfolg kann man schon etwas lostreten und eine kleine Welle der Begeisterung auslösen. Ich würde mir wünschen, dass die Frauen jetzt noch mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit bekommen. Denn in den letzten Jahren waren sie leider ein wenig unter dem Radar der Öffentlichkeit.

Wie intensiv verfolgen Sie den Sport?

Ich hatte leider in den vergangenen Jahren viel zu selten die Zeit, mir Partien live anzusehen. Aber ich war vor einigen Wochen beim Testspiel gegen England, und ich muss ehrlich sagen: Ich war beeindruckt.

Inwiefern?

Der Sport, aber auch die Spielerinnen, haben sich extrem weiter entwickelt. Diszipliniert waren sie ja schon immer, aber was sich da taktisch und technisch getan hat, davon war ich richtig angetan. Man merkt eben, dass viele von uns im Ausland spielen. Das wird vermutlich auch in Zukunft der Weg sein. Ich hoffe, dass diese EM Impulse für den Frauenfußball in Österreich hat. Andererseits glaube ich aber, dass die talentierten Spielerinnen auch in Zukunft ins Ausland gehen müssen, wenn sie von ihrem Sport leben wollen.

( kurier.at ) Erstellt am 20.07.2017