Sport | Fußball
07.10.2017

Auf neuen ÖFB-Sportdirektor Schöttel wartet viel Arbeit

Erst wurde der Teamchef gekündigt, dann der Sportchef. Jetzt hat man einen neuen Sportchef, der bis November einen Teamchef finden muss. Das Theater um Peter Schöttel im Führungsvakuum des ÖFB.

Wer wird kommen? Wichtiger, was werden sie sagen? Noch präziser ist allerdings die Erwartung, wie sie sich rechtfertigen werden. Also: Wer wird drauf sein auf dem Gruppenbild der Verantwortlichen des österreichischen Fußballs, das sich so wirr, verschwommen und konturenlos dargestellt hat in den letzten Wochen?

Österreichs Fußball-Bund lädt zur Pressekonferenz, will klarstellen, gibt personelle Veränderungen bekannt und äußert sich zur aktuellen Krise, in der eine gewaltige Aufbruchstimmung in den letzten Monaten Stück für Stück abgesoffen ist.

Ein Rätsel war schnell gelöst: In der Tür erscheint Peter Schöttel. Der neue Sportdirektor, der Willi Ruttensteiner ablösen und dessen 18-jährige Funktion beenden wird. Jene Rochade also, die schon Tage zuvor in bewährt österreichischer Manier aus dem bekannt porösen Entscheidungsgremium getropft ist. 13 Personen, ÖFB-Präsident Leo Windtner, neun Landespräsidenten und drei Vertreter der Bundesliga haben abgestimmt. Sich nach intensivem Hearing für den amtierenden U-19-Teamchef Schöttel entschieden. Weil die Kommunikation mit Ruttensteiner zum irreparablen Störfall geworden sei. Weil jede ausländische Alternative zu teuer gewesen sei. "Mindestens doppelt so teuer", wie ein Mitglied des inneren Zirkels meint. Ruttensteiners Konzept und die Analyse des EM-Desasters seien brillant gewesen. "Aber sie kam sehr spät", sagt Windtner. Zu spät. Sicherlich. Ein Argument, das sich gut als offizieller Trennungsgrund eignet.

Und der Hinweis auf eine eigentlich logische "professionelle, sowie von nüchterner Analyse bestimmte" Suche der Taskforce nach dem geeigneten Kandidaten muss herhalten, um jenen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die der Mehrheit der Landespräsidenten die Kompetenz absprechen, Fragen von höchster sportlicher Wichtigkeit zu beantworten. Ziemlich eigenwillig klingt die Erklärung des Präsidenten: "Das ist keine Frage der Kompetenz, sondern des gesetzten Rechts. Über die Kompetenz maße ich mir kein Urteil an."

Keine Details

Ob er will, oder nicht, Windtner befindet sich im Dilemma der Abhängigkeit, verkündet den "Neustart" auf gemeinsamer Basis. Einer, der für Peter Schöttel ein Bumerang werden könnte. Die Zeit habe ihm gefehlt, ein detailliertes Konzept vorzulegen, gibt er zu. Verständlich. Aber wie es trotz des Fehlens dieses wichtigen Bewertungskriteriums zu seiner eilig durchgeführten Bestellung kommen konnte? Schöttel bleibt im Moment nichts anderes übrig, als auf seine reichhaltige Erfahrung zu pochen, der Präsident sagt einfach, man traue ihm zu, "den Fußball wieder nach vorne zu bringen". Ohne Schöttels Qualitäten in irgendeiner Weise in Abrede zu stellen, man wird sich daran erinnern, sollte es in Zukunft nicht rund laufen im österreichischen Nationalteam. Da nützt es auch nichts, dass der neue Sportdirektor in der Hierarchie künftig nur "neben" und nicht mehr "über" dem noch zu suchenden Teamchef stehen wird. Es gebe sowieso viel zu tun, weiß Schöttel, im Nachwuchsbereich, im Frauen-Fußball, im Breitensport, in der Trainerausbildung ...

Der Stoff, der die Öffentlichkeit in Diskussionen verwickeln wird, bleibt aber die Nachfolge von Marcel Koller. Bis am 30. Oktober soll sie feststehen. Wieder wird zuvor die Taskforce auf den Plan treten. Allerdings fällt Schöttel die repräsentative Aufgabe zu, zehn Kandidaten aufzulisten.

Gefunden werden soll eine Persönlichkeit mit positiver Außendarstellung, ein Mann, der Klartext mit deutscher Sprachkenntnis redet, einer, der Erfolge vorzuweisen hat. Erfolge, die auch als Weiterentwicklung von Spielern definiert sein können. In- oder Ausländer lässt Offenheit in allen Richtungen vermuten. Der letzte Vorschlag in der Teamcheffahndung bleibt Leo Windtner vorbehalten. Doch klar ist bereits jetzt die Tendenz zur österreichischen Lösung.

Andreas Herzog, stets unter Verdacht, die typisch österreichische Lösung zu sein? Für Schöttel natürlich ein Kandidat, wie er erwartungsgemäß betont. Wohl wissend, damit die nächste Diskussion auszulösen. Seine wie immer auch gefällte Entscheidung zu erklären, wird jedenfalls Schöttels erste und vielleicht wichtigste Bewährungsprobe.

Peter SCHÖTTEL & Willibald RUTTENSTEINER

Peter Schöttel (50)

Geboren: 26. März 1967 in Wien

Erfolge als Spieler:
3 x Meister mit Rapid (1987, 1988, 1996)
2 x ÖFB-Cupsieger mit Rapid (1987, 1995)
2 x ÖFB-Supercupsieger mit Rapid (1987, 1988)
Finalist im Europacup der Cupsieger mit Rapid (1995/96)
Liga-Spiele/-Tore: 436/4
Cup-Spiele/-Tore: 39/0
Europacup-Spiele/-Tore: 49/2

Rapid-Kapitän (1997 bis 2001)
Rapid-Team des Jahrhunderts (1999)
Länderspiele: 63 (1988 bis 2002)
WM-Teilnahmen: 2 (1990, 1998)

Stationen als Trainer bzw. Funktionär:
Trainer Rapid Amateure (2001 bis 2002)
Sportdirektor Rapid-Profis (2003 bis 2006/Meister und Champions-League-Teilnahme 2005)
Trainer Wr. Sportklub (2007/08 - Ostliga)
Sportdirektor Vienna (2009 - Ostliga)
Trainer, Sportdirektor SC Wr. Neustadt (Dezember 2009 bis Mai 2011)
Trainer Rapid (Juni 2011 bis April 2013)
Trainer SV Grödig (Juni 2015 bis Mai 2016)
Trainer ÖFB-U19-Team und Leiter LAZ Ost (1. Juni 2017 bis 9. Oktober 2017)
ÖFB-Sportdirektor (ab 10. Oktober 2017)

Willibald RUTTENSTEINER (54 Jahre):

Geboren: 12. November 1962 in Steyr

Laufbahn als Trainer bzw. Funktionär:
1995 - 1996: U18-Trainer im BNZ FC Linz (österreichischer Meister)
1996 - November 1996: Co-Trainer FC Linz
November 1996 - Mai 1997: Cheftrainer FC Linz
1997 - 1999: Sportlicher Leiter BNZ OÖ LASK Linz und Nachwuchskoordinator des OÖFV
1999 - 2001: ÖFB-Sportkoordinator
1999 - Jänner 2006: U21-Teamchef (48 Länderspiele)
1. Juli 2001 - 7. Oktober 2017: ÖFB-Sportdirektor (Interims-Teamchef A-Nationalmannschaft für Spiele gegen England/0:1 und Nordirland/2:0 im Oktober 2005 und gegen Aserbaidschan/4:1 und Kasachstan/0:0 im Oktober 2011)

Stationen als Spieler:
Union Wolfern, Amateure Steyr, Union Vöcklamarkt, Union Wels