Sport | Fußball
08.10.2017

Nationalteam: Ein Jungbrunnen zum Abschied

Kollers letztes Prater-Team war im Schnitt 25 Jahre alt. In Moldawien fehlen zwei weitere "Alte".

Die Liste der Ausfälle beim letzten Spiel der WM-Qualifikation wird immer länger: Prödl wurde für die Partien gegen Serbien und in Moldawien wegen seiner Verletzung gar nicht in den Kader berufen; von den Einberufenen sagten später Alaba, Harnik, Sabitzer und Hinteregger ab, ebenfalls wegen Verletzungen oder Zahnschmerzen. Nun kommen noch zwei dazu. Aleksandar Dragovic (26 Jahre) fehlt wegen einer Gelbsperre, Stefan Ilsanker (28) zog sich eine Zehenprellung zu. Für Dragovic wurde Dominik Wydra nachnominiert, der in der zweiten deutschen Bundesliga bei Aue spielt, für Ilsanker fliegt heute kein Vertreter nach Chisinau mit.

Aber schon gegen Serbien hat sich Österreichs neuformierte Mannschaft sehr gut geschlagen. Der 25-jährige gebürtige Schweizer Moritz Bauer absolvierte sein zweites Länderspiel für Österreich. "Vielleicht war es für euch eine Überraschung, für uns nicht. Denn wir haben im Training gut gearbeitet", sagte er. Das 3:2 war ein Lebenszeichen einer verjüngten Truppe. Mit 25,5 Jahren ließ Marcel Koller die jüngste Startelf in allen neun Spielen der WM-Qualifikation am Freitag auflaufen. Nach den Einwechslungen von Schaub, Gregoritsch und Lazaro lag der Altersschnitt am Ende gar nur bei 24,8 Jahren.

"Schön für Jose"

Die zahlreichen Talentproben blieben auch kundigen Augen nicht verborgen. José Mourinho war der berühmteste Beobachter im Stadion, angeblich war er im Prater, um sich Dusan Tadic, Linksaußen von Southampton, anzuschauen. Marko Arnautovic kennt er ja schon aus einem gemeinsamen Jahr bei Inter Mailand.

Österreichs Teamspieler wurde gefragt, was er denn dazu sage, dass sein Ex-Chef ihm in Wien auf die Beine geschaut hat. "Schön für den José", antwortete er. José hat momentan einen Job bei Manchester United. Marcel Koller hingegen kann sich nach dem Spiel in Chisinau um einen neuen Arbeitgeber umschauen. "Er wird schon seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher", sagte der 28-jährige Arnautovic über den bald 57-jährigen Koller.

Der Spieler lobte seinen Coach: "Er war hundertprozentig motiviert und hat auch uns motiviert." Er nahm sich kein Blatt vor den Mund und kritisierte das Rundherum im ÖFB: "Es gab in dieser Woche viel Kritik, es ist nicht um die Mannschaft gegangen. Das hat mir nicht gepasst. Keiner hat mehr über Fußball geredet, das Sportliche war komplett im Schatten. Keiner hat mehr über uns geredet."

Nur Rang vier

Für Österreich endete die Qualifikation auf Rang vier, so schlecht wie erst einmal in der Geschichte. Egal, wie das Spiel in der Republik Moldau ausgeht. Aleksandar Dragovic nahm seinen Teamchef in Schutz, der noch vor zwei Jahren an selber Stelle als Held gefeiert wurde. "Koller arbeitet bis zum Schluss mit hundert Prozent. Es war nicht er, der die Spiele verloren hat, das waren wir Spieler."

Bauer hingegen hält bei einem Remis und einem Sieg. Und er sagt für Montag: "Jetzt wollen wir noch nachlegen."