Dass Martin Hinteregger Salzburg verlassen will, ist ein offenes Geheimnis.

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Red Bull Salzburg
12/02/2015

Martin Hinteregger steht bei Salzburg im Abseits

Der ÖFB-Teamspieler wurde bereits zum zweiten Mal aus dem Kader des Meisters gestrichen.

von Stephan Blumenschein

Martin Hinteregger, die Zweite: Wie schon Anfang November beim 1:1 bei der Wiener Austria fehlte der Innenverteidiger auch am Dienstag beim enttäuschenden 1:1-Heimremis von Meister Salzburg gegen Nachzügler WAC.

Erneut hatte ihn Trainer Peter Zeidler aus dem Kader gestrichen. Und wieder war Hintereggers Trainingseinstellung Grund für die Disziplinarmaßnahme: "Martin hat die Regenerationseinheit nach dem Spiel gegen Grödig nicht professionell und zur Zufriedenheit des Trainerteams absolviert", erklärte der Deutsche.

Nach seiner ersten Suspendierung hatte Hinteregger nicht nur trotzdem mit dem Nationalteam ins Trainingslager nach Spanien fliegen dürfen, sondern auch öffentlich erklärt, bis zur Winterpause alles zu geben. Das dürfte allerdings am vergangenen Sonntag nun nicht so gewesen sein.

Wiederholungstäter

Es ist nicht das erste Mal, dass Hinteregger auffällig wurde. Zeidler ist auch nicht der erste Trainer, der mit dem Kärntner seine Probleme hat. Auch Ricardo Moniz stellte ihn zwei Mal aus dem Kader. Im April 2012 war er drei Spiele nicht dabei, weil Hinteregger lieber die Jagdprüfung machte als zu trainieren. Elf Monate später soll er nach einer Heimniederlage gegen Mattersburg die Nacht zum Tag gemacht haben. Moniz entzog ihm darauf auch die Kapitänsschleife, die er dem damals 19-Jährigen erst kurz zuvor aufgebürdet hatte.

Problemlos gestaltete sich Hintereggers Zusammenarbeit hingegen mit Roger Schmidt. Das überrascht wenig. Der Deutsche ließ die Zügel ziemlich locker, sah vieles nicht so eng, was andere Trainer eng sehen. Die Spieler nützten die Freiräume durchaus, brachten aber Leistung auf dem Platz. Und es wurde schlussendlich die sportlich erfolgreichste Zeit der bisherigen Ära Red Bull.

Nur einmal war es zu viel. Nach der Erringung der Meisterschaft im März 2014 übertrieben einige Spieler das Feiern so sehr, dass nicht wirklich oder sogar gar nicht trainiert werden konnte. Am Mittwoch danach torkelte Salzburg dann auch in eine 0:3-Pleite bei der Wiener Austria – der höchsten Niederlage der Ära Schmidt.

Dessen Nachfolger, Adi Hütter, musste bald erkennen, dass viele der Salzburg-Stars nicht gerade Trainingsweltmeister sind. Bei Sadio Mane kam es sogar zu einer Eskalation. Der Senegalese wurde im August 2014 aus dem Kader geschmissen und schlussendlich nach Southampton verkauft – um trotzdem 15 Millionen Euro.

Vom Verein bekam Zeidler jedenfalls erneut Rückendeckung. "Die Trainingsleistung war nicht in Ordnung, deshalb war er nicht im Kader. Das war die Entscheidung des Trainers, wir stehen dahinter", sagte Christoph Freund, Salzburgs Sportlicher Leiter.

Trainingsgast

Hinteregger wurde aber nur für das Spiel aus dem Kader gestrichen, am Trainingsbetrieb darf er weiterhin ganz normal teilnehmen. "Ich erwarte von Martin Hinteregger ein professionelles Auftreten, alles andere wäre nicht zu akzeptieren", erklärte Freund außerdem.

Trotzdem: Der Graben zwischen Zeidler und Hinteregger scheint ein tiefer zu sein. Wie es weitergeht, ist völlig offen und wird sich erst in der Winterpause zeigen. Dass der Teamverteidiger Salzburg verlassen will, ist ein offenes Geheimnis. Dass er wegen seines noch bis 2019 ohne Ausstiesgklausel laufenden Vertrages für potenzielle Interessen extrem teuer ist, ist jedem klar – auch Hinteregger. Der erklärte erst vor kurzem, dass für ihn aufgrund der hohen Ablöseforderung der Salzburger ein Wechsel wohl nur in die Premier League möglich sei.

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