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25.05.2017

Manchester-Stars widmeten EL-Sieg Terroropfern

Mourinho meinte nach dem 2:0-Erfolg, er würde den Pokal nur allzu gerne für die Leben der Opfer eintauschen.

Die Spieler von Manchester United haben ihren Triumph in der Europa League mit bewegenden Worten den Opfern des Terroranschlags in der englischen Stadt gewidmet. "Das ist nur Fußball. Aber was am Montag geschehen ist, ist schrecklich. Wir müssen überall auf der Welt für Frieden und Respekt kämpfen, damit es keine Anschläge mehr gibt", sagte Ander Herrera nach dem Finalsieg gegen Ajax Amsterdam.

Der Bombenanschlag auf ein Popkonzert in Manchester mit 22 Toten und 64 Verletzten hatte am Vorabend des Abflugs des ManUnited-Teams nach Stockholm die Stadt und das Land in tiefe Trauer gestürzt. "Normalerweise ist man vor so einem Spiel glücklich und voller Vorfreude. Aber das ging diesmal nicht", sagte United-Trainer Jose Mourinho. "Diesmal haben wir nur unseren Job gemacht. Die Spieler haben eine Mauer um sich aufgebaut und sich auf das Match konzentriert."

Das sei enorm schwierig gewesen, betonte der Spanier Herrera, der als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde. "Aber der Coach hat uns gesagt, das Einzige, das wir tun könnten, sei, die Trophäe für die Opfer zu gewinnen." Mourinho meinte nach dem 2:0-Erfolg, er würde den Pokal nur allzu gerne für die Leben der Opfer eintauschen.

Manchester United hatte trotz der tragischen Umstände nur wenig Mühe mit dem jungen und unerfahrenen Team des Gegners. Der Franzose Paul Pogba in der 18. Minute und der Armenier Henrich Mkhitaryan (48.) verhalfen dem Favoriten vor 48.000 Zuschauern zum ersten Titel auf europäischer Bühne seit 2008 und damit dem Sechsten der Premier League doch noch zum Startrecht in der Königsklasse 2017/18.

Pogba, der im Sommer für die Rekordsumme von rund 105 Millionen Euro von Juventus zum englischen Rekordmeister gekommen war, wollte die Saison nicht schlechtreden lassen. "Es war das Ziel, die ganze Saison hindurch zu gewinnen. Das haben wir geschafft und wir sind stolz", sagte der Stürmerstar. Noch ohne ihn hatte ManUnited zu Saisonbeginn den englischen Supercup und dann im Februar auch den Liga-Cup gewonnen.

Der Jubel nach dem mit 6,5 Millionen Euro belohnten Erfolg - das Antreten in der Champions-League-Gruppenphase bringt weitere 12,7 Millionen - hielt sich aber in Grenzen. Mit einem Mannschaftsfoto mit dem Pokal schickte das Team eine Botschaft an seine schwer getroffene Stadt: " Manchester - a City United" stand auf einem roten Banner, das die Spieler in den Händen hielten. "Eine Stadt hält zusammen", sollte das unter Verwendung der Namen der rivalisierenden Klubs City und United bedeuten.

Die beiden Klubs werden zur Unterstützung der Terroropfer und deren Hinterbliebenen gemeinsam eine Million Pfund (1,16 Mio. Euro) spenden.

Pokalhamster

ManUnited holte erstmals den Titel in der Europa League - Wayne Rooney nahm als eingewechselter Kapitän den Pokal im Empfang - und Mourinho gestaltete auch sein viertes Europacup-Endspiel als Trainer erfolgreich. "Ich erreiche die Champions League lieber so, als in der Liga Zweiter, Dritter oder Vierter zu werden", meinte der 54-jährige Portugiese, der zweimal die Champions League (mit Porto und Inter Mailand) und zweimal die Europa League (mit Porto und ManU) gewonnen hat.

Mourinho meinte aber auch, es sei schade für Zlatan Ibrahimovic, der seinen ersten Europacup-Titel nach Kreuzbandrissen auf Krücken vom Spielfeldrand verfolgen musste. Ob der Schwede und Rooney in der kommenden Saison noch dabei sein werden, ließen beide Spieler offen.

"Das ist das Ende einer sehr schwierigen, aber sehr, sehr guten Saison", erklärte Mourinho. "Wir haben unser Ziel erreicht." ManUnited hat nun als erst fünfter Verein nach Bayern München, Ajax, Chelsea und Juventus Turin alle drei Europacups inklusive des seit 1999 nicht mehr ausgespielten Cupsieger-Bewerbs gewonnen.

Ajax trotz Niederlage stolz

Bei Ajax war die Enttäuschung groß. "Aber unser Trainer hat nach dem Spiel gute Worte gefunden. Wir können trotzdem stolz auf das sein, was wir geleistet haben, dass wir mit dieser jungen Mannschaft ins Finale gekommen sind", sagte der Deutsche Amin Younes.

"Ich habe nicht das Ajax gesehen, das ich normalerweise sehe", sagte der Trainer Peter Bosz hinterher. Das stimmte in Bezug auf die Leistung, nicht aber hinsichtlich der Klub-Politik.

Denn ganz egal, ob Ajax am Mittwoch in Stockholm in einem Europacup-Finale stand oder 1972 mit Johan Cruyff oder 1995 mit dem nach eigener Auffassung mindestens genauso großen Louis van Gaal: Dieser Verein ist seiner Philosophie immer treu geblieben. Er kauft keine teuren Stars, sondern bildet sie selbst aus. Der 17-jährige Matthijs de Ligt war der jüngste Spieler, der je in einem Europacup-Endspiel stand.

"Für jeden unserer Spieler war dies das erste große Finale", sagte Bosz. "Sie werden daraus eine Menge lernen und daran wachsen. Wenn wir diese Mannschaft zusammenhalten können, werden wir nächste Saison noch stärker werden, da bin ich mir sicher."