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28.03.2017

1:1 - Österreich enttäuscht gegen Finnland

Mehr Verwirrung als Aufschlüsse: Österreichs Team überzeugte in Innsbruck nicht.

Der Schiedsrichter aus Tschechien hatte natürlich den pflichtgemäßen Plan, in Innsbruck ein Testspiel zu leiten. Eines zwischen Österreich und Finnland. Solch in aller Freundschaft ausgetragenen Partien sind meist kein Problem für Unparteiische, weil vordergründig probiert und auf Hinterhältigkeiten verzichtet wird.

Was Herr Zelinkas erster Pfiff tatsächlich auslöste? Die Verwirrung in einer österreichischen Nationalmannschaft, die nicht so richtig wusste, was sie mit den personellen und systematischen Ideen des Teamchefs eigentlich anfangen sollte.

Österreich - Finnland: Der Live-Ticker zum Nachlesen

Wenig überraschend begann Marcel Koller wie schon im WM-Qualifikationsspiel gegen Moldau mit der Dreierkette in der Abwehr. Im Mittelfeld durchlief das Personal ein gründliches Mischverfahren. Ein Mittelfeld mit Lazaro und Suttner an den Seiten, einem David Alaba, der sich im Gegensatz zum letzten Mal meist auf der rechten Seite blicken ließ. Davor das Duo Sabitzer und Schöpf unmittelbar hinter der Spitze Harnik. Neues Spiel, neues Glück, neue Zusammensetzung, neue Laufwege, wieder eine neue Gewöhnungsphase. Ein anfängliches Getümmel war die logische Folge.

KURIER-Noten für die Teamspieler:

KURIER-Noten für die Teamspieler

1/16

Heinz Lindner: Zugegeben, der Tivoli-Rasen ist ein Acker, aber wer die neue Nr. 1 im Nationalteam sein will, der kann so einen Weitschuss wie beim 1:1 auch schon einmal halten. KURIER-Note: 4

Aleksandar Dragovic: Der 26-Jährige hat in der Vergangenheit schon einmal mehr Sicherheit und Ruhe ausgestrahlt. Vor der Pause leistete er sich zwei Unachtsamkeiten, die Gegenspieler mit mehr Klasse vermutlich bestraft hätten. KURIER-Note: 4

Sebastian Prödl: Der Innenverteidiger war bei gleich beiden Toren der Assistgeber. Vor Arnautovic’ 1:0 gewann er das Kopfballduell, vor dem Ausgleich attackierte er aber den Finnen Jensen viel zu halbherzig. KURIER-Note: 4

Martin Hinteregger: Der Augsburg-Legionär war einmal mehr das stärkste Glied der Abwehrkette. Konnte sich nach der Pause sogar auf der für ihn ungewohnten Außenverteidigerposition in Szene setzen. KURIER-Note: 2

Valentino Lazaro: Offensiv agiler als zuletzt gegen Moldau, aber im Defensivverhalten hat der Salzburger noch Nachholbedarf. KURIER-Note: 4

Zlatko Junuzovic: Legte wie eh und je ein enormes Laufpensum hin, aber sonst lief beim 29-Jährigen wenig zusammen. KURIER-Note: 4

David Alaba: Der Kapitän hatte Mühe, sich in den ersten Minuten auf das Spiel zu konzentrieren, weil ihm der Teamchef pausenlos neue Anweisungen gab. Alaba leitete kurz vor der geplanten Auswechslung zur Pause die gefährlichste Aktion der ersten 45 Minuten ein. KURIER-Note: 3

Markus Suttner: Der Vergleich macht sicher: A & A (Alaba & Arnautovic) harmonieren links besser als S & S (Suttner & Schöpf). Blieb nach der Pause draußen, als Koller auf eine Viererkette umstellte. KURIER-Note: 3

Marcel Sabitzer: Das war nicht sein Länderspiel. Seine auffälligste Aktion war, als er einmal Lazaro die Leviten las. KURIER-Note: 4

Alessandro Schöpf: Der Ötztaler spielte das erste Mal überhaupt in seinem Leben im Tivolistadion. Vielleicht fremdelte der Lokalmatador deshalb. KURIER-Note: 4

Martin Harnik: Der 29-Jährige stand als zentrale Solo-Spitze völlig im Abseits. Zum einen, weil er auf dieser Position seine größte Stärke, die Schnelligkeit, nicht ausspielen kann. Zum anderen, weil er keine brauchbaren Bälle erhielt. KURIER-Note: 4

Marc Janko: Erzeugte deutlich mehr Torgefahr als Vorgänger Harnik, der für ihn Platz machen musste. Ließ im Finish die Chance zum 2:1 aus. KURIER-Note: 3

Marko Arnautovic: Der Publikumsliebling erhielt schon beim Aufwärmen den meisten Applaus. Seine Einwechslung belebte das Offensivspiel der Österreicher immens. Seinen Esprit und Elan wird das Team in Irland schmerzhaft vermissen. KURIER-Note: 2

Stefan Lainer: Ein solides Teamdebüt auf der Außenverteidigerposition. KURIER-Note: 3

Florian Grillitsch: Ein braver Auftritt – mehr kann man von einem Debütanten nicht erwarten. KURIER-Note: 3

Zu kurz eingesetzt: Michael Gregoritsch, Stefan Ilsanker.

Erklärungsbedarf

Der Teamchef musste seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen, Handzeichen ohne Unterlass, um Ordnung ins Verkehrschaos zu bringen. Nach zehn Minuten lädt Marcel Koller seinen Kapitän zum Wortwechsel.

Der Teamchef hatte Erklärungsbedarf, wenig später erschien auch Dragovic zur Manöverbesprechung. Das Resultat: Österreichs Testphase ermöglichte den biederen Finnen mit einfachen Mitteln Chancen, die einem Gegner mit mehr Klasse wohl locker zur Führung gereicht hätten. Auffällig, wie wenig Zweikämpfe im Mittelfeld gewonnen wurden, dazu fehlte auch der geeignete Mann. Vermisst wurde das konzentrierte Pressing einer Mannschaft, die eher mit sich selbst , als mit dem Gegner beschäftigt war.

Es dauerte lange, genau bis zur 41. Minute, in der Finnlands Tormann seine erste Prüfung bekam. Alabas Hereingabe von rechts brachte Schöpf in Schussposition. Wenig später sorgte Hinteregger mit einem Weitschuss für Gefahr. Pause. Erkenntnisse, die möglicherweise nur der Teamchef kennt, Ratlosigkeit im Publikum.

Was folgte? Die nächste Umstellung nach dem Wechsel und die Rückkehr zur Viererkette. Und der Auftritt des Marko Arnautovic, der im nächsten Qualifikationsspiel in Irland am 11. Juni gesperrt und deshalb nur Zuschauer sein wird. Er brachte etwas mehr Schwung ins sandige Getriebe.

Endlich war mehr Zug zum finnischen Tor zu erkennen, der Ansatz, den Druck zu erhöhen, der Wille ein Heimspiel gegen die Nummer 99 der Welt zu gewinnen, das dazu dienen sollte, das Selbstvertrauen zu erhöhen. Arnautovic war es auch, dem nach einem Eckball aus der Drehung das 1:0 (62.) gelang. Die Belohnung für eine erneut motivierte Leistung.

Die Finnen ließen sich jedoch nicht abschütteln. Jensen ließ Torhüter Heinz Lindner mit einem übel aufspringenden Ball schlecht aussehen (75.). Schwacher Trost: Österreich blieb auch im elften Spiel am Innsbrucker Tivoli ungeschlagen.

Eine Generalprobe für Irland kann es nicht gewesen sein. Hoffentlich.

Österreich - Finnland 1:1 (0:0)

Innsbruck, Tivoli Stadion, 13.700, SR Zelinka (CZE)

Tore:
1:0 (62.) Arnautovic
1:1 (75.) Jensen

Österreich: Lindner - Dragovic, Prödl, Hinteregger - Lazaro, Alaba (46. Grillitsch), Junuzovic (79. Ilsanker), Suttner (46. Arnautovic) - Sabitzer (46. Janko), Schöpf (69. Gregoritsch) - Harnik (46. Lainer)

Finnland: Hradecky - Toivio, Arajuuri (46. Väisänen), Moisander, Raitala - Saksela (58. Jensen), Lam, Yaghoubi (64. Mattila), Hetemaj, Uronen (46. Arkivuo) - Pukki (58. Pohjanpalo)

Gelbe Karten: Keine bzw. Toivio

Die Besten: Arnautovic, Junuzovic, Hinteregger bzw. Yaghoubi, Jensen

Es gibt nur einen Marko Arnautovic

Marcel Koller: "Die Finnen haben das sehr gut gespielt, wir sind in der ersten Hälfte auf einer Seite zu wenig gelaufen. Wenn man ein neues System spielt, sind da Dinge, die noch nicht so in Fleisch und Blut übergehen. Es hat gar nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind grundsätzlich nicht gut gestanden und haben eine gewisse Zeit gebraucht, bis wir das verstanden haben. In der zweiten Hälfte haben wir versucht, Pressing zu spielen. Die Finnen hatten aber auch Chancen. Dann dieser eine Schuss, da ist der Ball richtig aufgesprungen. Es gibt nur einen Marko Arnautovic, der hat natürlich Power und ist wichtig für uns. Natürlich ist es schwierig, so einen Spieler zu ersetzen. Wir werden dennoch versuchen, in Irland zu punkten."

Marko Arnautovic: "Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, um der Mannschaft zu helfen. Ich habe mich gut gefühlt. Es stimmt, ich habe dem Trainer vorgeschlagen, nach Irland mitzureisen. Ich möchte beim Team sein. Ich bin ja schon einer der Älteren und denke, dass ich mit meiner Erfahrung der Mannschaft helfen kann. Aber prinzipiell ist es natürlich schade, dass ich nicht dabei sein kann. So ist das Leben."

Alessandro Schöpf: "Es war allgemein ein guter Test für uns. In der ersten Hälfte haben wir ein, zwei Chancen zugelassen, aber auch selbst in Führung gehen können, vielleicht müssen. Im Großen und Ganzen geht das Unentschieden in Ordnung. Am Flügel spiele ich bei Schalke auch, aber allgemein fühle ich mich im Zentrum wohler. Super, dass so viele Zuschauer gekommen sind."