Kooperationsspieler: Benno Schmitz wechselte von Bayern zu Salzburg und spielte für Liefering.

© Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber

Kooperationsverein
07/22/2014

Warum Liefering Salzburgs Amateurteam sein kann

Dank einer ÖFB-Bestimmung können momentan fünf Salzburger Profis vom Erste-Liga-Klub eingesetzt werden.

von Stephan Blumenschein

Noch Mitte April war Benno Schmitz von Bayern-Trainer Pep Guardiola in den Kader der Münchner Profis für das Bundesligaspiel in Braunschweig geholt worden. Am Freitag spielte der deutsche Nachwuchsteamspieler für den FC Liefering in Österreichs zweiter Liga in Hartberg.

Der 19-Jährige ist neben dem kolportierte 1,5 Millionen Euro teuren Naby Keita, Torhüter Fabian Bredlow, Torjäger Nils Quaschner und Verteidiger Asger Sørensen einer von derzeit fünf Kooperationsspieler von Red Bull Salzburg beim FC Liefering.

Es könnten aber noch mehr werden: Bis zum 1. September dürfen die Salzburger bei der Bundesliga Kooperationsspieler nennen, diese müssen nur für die U 22 spielberechtigt sein, also nach dem 1. Jänner 1993 geboren sein. Ein Kandidat ist Valentino Lazaro, immerhin österreichischer Teamspieler.

2010 waren die Amateurteams der Bundesligisten aus Österreichs zweithöchster Spielklasse eliminiert worden. Zu unattraktiv seien diese, sie würden andere Klubs aus der Bundesliga drängen. Und außerdem würden sie den Wettbewerb verzerren, weil immer wieder eine unterschiedliche Zahl an Spielern aus dem Profikader eingesetzt worden war.

Nun spielt mit Liefering schon die zweite Saison ein Verein in Österreichs zweithöchster Liga, der praktisch nichts anderes als ein Amateurteam eines Bundesligisten ist. Zwar betont Red Bull die Eigenständigkeit der beiden Vereine, aber außer die Vereinsadresse trennt Salzburg und Liefering wenig.

Der Geldgeber und die Homepage sind ident, die Heimstätte und die Dressen ebenfalls. Und der Lieferinger Pressesprecher vertritt jenen von Salzburg, wenn dieser einmal im Urlaub ist.

Auch sportlich ist Liefering wie ein Amateurteam. Zum Saisonauftakt in Hartberg wurden neben Schmitz, Bredlow, Quaschner und Sörensen vier Salzburger Kaderspieler eingesetzt. Ob es am Freitag gegen den FAC ebenso viele sein werden, ist offen.

Ermöglicht wird diese „Mogelpackung“ auch durch die „Bestimmungen über Kooperationsverträge“ des ÖFB. Da die Anzahl an Kooperationsspielern zwischen Bundesliga-Klubs nicht beschränkt ist, kann Red Bull x-beliebig viele Unter-22-Spieler zwischen Salzburg und Liefering hin- und herschieben.

Die Aufregung der anderen Erste-Liga-Klubs hält sich trotzdem in Grenzen – auch die jener Funktionäre, die einst besonders laut gegen die Amateurteams gewettert hatten. Vielleicht deshalb: Der FC Liefering hat nicht nur kein Stimmrecht in den Bundesliga-Sitzungen, sondern erhält auch kein Geld aus dem Österreicher-Topf. Der Klub setzt nämlich mehr Legionäre ein als erlaubt sind, den anderen neun Klubs bleibt mehr übrig.

ÖFB-Bestimmungen: Was ist ein Kooperationsspieler?

In den "Bestimmungen über Kooperationsverträge" regelt der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB), wie eine Kooperation zwischen zwei Fußballvereinen ablaufen darf. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Modelle – je nach Ligazugehörigkeit:

Kooperation zwischen Klubs der 1. und 2. Leistungsstufe

Die Kooperationsspieler müssen für die Unter-22 spielberechtigt sein und während der Transferzeit benannt werden. Sie dürfen pro Runde nur einmal zum Einsatz kommen – bei ihrem Stamm- oder beim Kooperationsklub. Für sie darf keine Entschädigung verlangt werden, ihre Anzahl ist unbegrenzt.

Kooperation zwischen Klubs der Bundes- und Regionalliga

Anders als innerhalb der Bundesliga darf Jeder Bundesligaklub nur je zwei Kooperationsspielerverträge mit einem Regionalligaverein abschießen. Dieser darf pro Saison nur vier Kooperationsspieler einsetzen. Sonst sind die Regelungen sehr ähnlich.

Das vergessene Amateurteam

Jeder Klub der ersten Leistungsstufe ist laut den Bestimmungen des Österreichischen Fußball-Bundes verpflichtet, eine Amateurmannschaft zu stellen. Auch Salzburg hat eine: die FC Red Bull Salzburg Amateure in einer Spielgemeinschaft mit USK Anif. Diese ist allerdings mehr Schein als Sein, zwischen den beiden Vereinen gibt es laut Auskunft des Bundesligisten keinerlei operative Zusammenarbeit. Warum auch. Red Bull hat ja sowieso Liefering in Österreichs zweithöchsten Spielklasse.

Nach zwei Jahren in der Regionalliga West ist die SG FC Red Bull Salzburg Amateure/USK Anif, die praktisch überall nur als USK Anif firmiert, abgestiegen. Weil mit Regionalliga-West-Meister Austria Salzburg ausgerechnet der Red-Bull-Intimfeind in den Bundesliga-Aufstiegsspielen gescheitert ist.

Die Spielgemeinschaft spielt kommende Saison in der Salzburger Liga, also nur mehr in der vierthöchsten Spielklasse. Gleich in der ersten Runde im August kommt es zum Duell mit einer echten zweiten Mannschaft eines Bundesliga-Konkurrenten, mit den Grödig Amateuren

Die Spielgemeinschaft läuft vorerst noch ein Jahr. Ob Salzburg dann weiter eine Amateurmannschaft stellen wird, ist offen. Die Pönale, die laut ÖFB-Bestimmungen fällig werden würde, sollte Red Bull dieser Verpflichtung nicht nachkommen, wäre angesichts eines Jahresbudgets jenseits der 40 Millionen Euro verschmerzbar: Diese beträgt nämlich nur lächerliche 7500 Euro.

Ein neuer Partner für Pasching

Vor einem Jahr vertrat der FC Pasching noch Österreich im Europacup, nachdem die Oberösterreicher im Mai 2013 sensationell Cupsieger geworden waren. Dieser Erfolg war aber nur möglich, weil Red Bull den Verein aus der Regionalliga Mitte finanziell unterstützte.

Pasching war vor zwei Jahren – wie der FC Liefering – ein Kooperationsklub von Salzburg geworden. Einige Spieler wie der Kroate Caleta-Car oder der Nigerianer Otubanjo wurden zur Verfügung gestellt, einige andere Spieler finanziert. Und auch die Trainer Gerald Baumgartner und Martin Hiden kamen aus dem Bullenstall.

Pasching war quasi die Absicherung, falls die Lieferinger den eigentlichen Vereinszweck, den Aufstieg in die Erste Liga, nicht schaffen sollte. Nachdem dieser 2013 gelang, kühlte das Interesse von Red Bull ab. Auf den möglichen Aufstieg in die Bundesliga verzichteten die Paschinger freiwillig: Es wurde kein Lizenzantrag gestellt. Mit Saisonende ging die Zusammenarbeit mit Red Bull dann zu Ende, und die meisten Cupsieger verabschiedeten sich wieder.

Doch es wird trotzdem weiter in der Regionalliga Mitte Fußball gespielt – aber nur, weil die Paschinger einen neuen Partner gefunden haben. Es wurde eine Spielgemeinschaft mit den LASK Juniors eingegangen und damit genau mit jenem Verein, gegen den sie zwei Saisonen um den Titel gekämpft haben – irgendwie typisch für Österreichs Fußball.

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