Die ÖFB-Spieler (im Bild David Alaba) ließen sich nach dem Sieg über Montenegro frenetisch feiern. Angesichts der vielen vergebenen Chancen wollen die Spieler jedoch realistisch bleiben und verweisen auf den langen Weg, der noch vor ihnen steht.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

EM-Qualifikation
10/13/2014

Keine Euphorie bei ÖFB-Teamspielern

Klein: "Mit sieben Punkten hat sich noch niemand für die EM qualifiziert".

Viel besser hätte der Doppeltermin in der EM-Qualifikation für Österreichs Fußball-Nationalmannschaft nicht laufen können. Nach Siegen gegen Moldawien und Montenegro und Patzern der Konkurrenz steht die seit mittlerweile acht Partien ungeschlagene ÖFB-Auswahl in Gruppe G auf Platz eins - es winkt die erstmalige sportliche Qualifikation für ein Großereignis seit der WM 1998.

Bis zur Endrunde in Frankreich sei es aber noch ein weiter Weg, betonten die ÖFB-Internationalen am Sonntag nach dem 1:0 gegen Montenegro unisono. "Wir sollten jetzt nicht in Euphorie verfallen. Mit sieben Punkten hat sich noch nie jemand für eine EM qualifiziert", betonte Florian Klein. Nachsatz: "Aber wenn wir so agieren wie gegen Montenegro, können wir noch viele Punkte holen."

Auch Kapitän Christian Fuchs mahnte: "Wir müssen realistisch bleiben. Wir haben noch viele Partien vor uns", meinte der Schalke-Legionär und hoffte für die kommenden Spiele angesichts der vielen vergebenen Chancen auf "mehr Glück und Genauigkeit im Abschluss".

Das 1:1 Russlands daheim gegen Moldawien nahm Fuchs mit Freude und auch etwas Genugtuung zu Kenntnis. "Jetzt sieht man, was wir dort geleistet haben, und dass unser sogenannter Pflichtsieg in Moldawien kein Pflichtsieg war."

Stand beim 2:1 in Chisinau noch die kämpferische Komponente im Mittelpunkt, so überzeugten die Österreicher gegen Montenegro auch in spielerischer Hinsicht. "Das war eine mannschaftlich ausgezeichnete Leistung. So können wir gegen jeden bestehen", jubelte Fuchs.

Problemfaktor Chancenverwertung

David Alaba sprach ebenfalls die fehlende Kaltschnäuzigkeit an. "Wir haben viele Chancen nicht genützt, das müssen wir in Zukunft besser machen." In der letzten Aktion des Spiels rannte Alaba alleine Richtung Montenegro-Tor, der Schlusspfiff verhinderte jedoch einen Treffer des Bayern-Legionärs. "Aber das ist egal, ich war eh schon hin", schmunzelte der Wiener.

So blieb es Rubin Okotie vorbehalten, das einzige Tor des Abends zu erzielen - dank exzellenter Vorarbeit von Marko Arnautovic. Der Stoke-Legionär glänzte aber nicht nur in dieser Situation, sondern auch in einigen weiteren Szenen und lieferte einen starken Auftritt ab. "Ich kann mich nicht an alle meine 38 Länderspiele erinnern, aber das heute war sicher eines meiner besseren", vermutete Arnautovic und gab sich bescheiden: "Es ist wichtig, dass wir als Mannschaft gut agiert haben. Ich bin kein Spieler, der sagt, er hat so gut gespielt und andere nicht."

Weiter Weg

Die Tabellenführung der Österreicher wollte der Wiener nicht überbewerten. "Es ist egal, ob wir jetzt Erster, Zweiter oder Dritter sind. Wichtig ist, dass wir schon gute Punkte gemacht haben. Wir können stolz sein, aber es ist noch ein weiter Weg", warnte Arnautovic.

Der 25-Jährige musste in der 63. Minute wegen einer Hüftverletzung ausgetauscht werden, nachdem er einen Schlag abbekommen hatte. "Es tut beim Gehen und auch beim Reden weh. Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist", sagte Arnautovic.

Der Flügelspieler wurde schon bei seinem Austausch von den Fans frenetisch gefeiert. Nach dem Schlusspfiff genoss Arnautovic gemeinsam mit seinen Kollegen noch einmal die Ovationen der enthusiasmierten Fans, die einer spektakulären Partie einen würdigen Rahmen verliehen. "So etwas erlebt man nicht oft. Von der Stimmung her war es das beste Spiel, bei dem ich jemals dabei war", sagte der im Finish eingewechselte Valentino Lazaro.

Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller hat am Tag nach dem 1:0-Heimsieg in der EM-Qualifikation gegen Montenegro Realismus eingefordert. Trotz einer über weite Strecken exzellenten Leistung und der Tabellenführung nach drei Runden in Gruppe G sei man noch weit von der Teilnahme an der EURO 2016 in Frankreich entfernt, betonte der Schweizer am Montag.

"Das waren sehr wichtige Punkte und die Tabelle sieht hervorragend aus, aber das ist nur ein Zwischenschritt. Wichtig ist, dass wir auch am Schluss vorne stehen", erklärte Koller.

Seine Mannschaft ist bereits acht Partien ungeschlagen, der Vorsprung auf den ersten Verfolger Russland beträgt zwei Punkte. Sollte auch das Duell mit dem WM-2018-Gastgeber am 15. November in Wien gewonnen werden, wäre das ÖFB-Team wohl nur noch schwer aus den Top-3 zu verdrängen. Mit derlei Gedanken will sich Koller aber nicht beschäftigen. "Wir machen keine Hochrechnungen, das bringt nichts. Wir würden alle gerne nach Frankreich reisen, aber es ist noch zu früh. Es wird ein harter, steiniger Weg für uns", sagte der 53-Jährige.

Bei aller Tiefstapelei war dem Teamchef dennoch die Freude über den gelungenen Auftritt gegen Montenegro anzumerken. "Es hat schon sehr gut ausgesehen, was die Jungs auf den Platz gebracht haben. Sie haben immer wieder umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und unzählige Möglichkeiten herausgespielt."

Einzig beim Verwerten dieser Chancen haperte es. "Leider hat das zweite Tor gefehlt, um Ruhe reinzubringen - egal ob bei mir oder beim Publikum. Bei einem zweiten Tor wären die Montenegriner nicht mehr zurückgekommen. So war immer die Anspannung da, dass noch etwas passieren könnte, und den Montenegrinern wäre ja fast noch unverdientermaßen ein Tor geglückt", meinte Koller.

An der Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor gelte es noch zu arbeiten. "Wir hatten wirklich sehr schöne Spielzüge, doch die Tore haben gefehlt. Bei den Chancen waren wir zu nachlässig, da haben wir noch nicht die Abgebrühtheit." In den wenigen Einheiten beim ÖFB-Team könne man daran wenig ändern, so Koller. "Wir hatten nur zwei Trainings, in denen wirklich alle Spieler auf dem Platz waren."

Fehlende Ruhe

"Es ist wichtig, dass wir am Schluss noch mehr Ruhe reinbringen und den Ball zirkulieren lassen. Das hat gegen Montenegro gefehlt." So konnten sich die Österreicher bei Goalie Robert Almer bedanken, der kurz vor Schluss einen Schuss von Mirko Vucinic entschärfte. "Das war eine Weltklasse-Reaktion und matchentscheidend. Von außen hatte ich das Gefühl, Vucinic war 16 Meter weg, aber es waren nur 7 Meter", erklärte Koller.

Die vier Wochen bis zur nächsten Nationalteam-Zusammenkunft wird Koller mit Beobachtungen seiner Teamspieler und Analysen des kommenden Gegners Russland verbringen. Ob Janko in dieser Partie noch gesperrt ist, entscheidet die UEFA voraussichtlich am 23. Oktober. "Ich gehe davon aus, dass er gegen die Russen noch nicht dabei ist", vermutete Koller.

Für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft sind am Sonntag gegen Montenegro zwei Spieler zu Matchwinnern avanciert, die nicht gerade zu den großen Stars der ÖFB-Auswahl zählen. Goalie Robert Almer steht wegen mangelnder Spielpraxis auf Klubebene seit Jahren in der Kritik, Gold-Torschütze Rubin Okotie schaffte erst vor wenigen Wochen nach mehrjähriger Pause sein Team-Comeback.

Bergauf

Gegen Montenegro nahm Okotie den Platz des gesperrten Marc Janko ein und schoss die Österreicher mit seinem ersten Treffer im siebenten Länderspiel prompt zu einem wichtigen Sieg. "Es war ein unglaubliches Glücksgefühl", beschrieb der Angreifer seine Emotionen unmittelbar nach dem 1:0.
Noch vor einigen Monaten schien Okoties Profi-Laufbahn langsam zu versanden. Einst als großes Talent gefeiert, warf ihn 2009 bei der Austria ein Knorpelschaden zurück. Danach blieben Engagements bei Nürnberg, St. Truiden, Sturm Graz und wieder Austria ohne durchschlagenden Erfolg. "Es hat schwere Momente in meiner Karriere gegeben, aber ich habe immer daran geglaubt, dass es wieder bergauf geht", erklärte der Wiener.

Der Aufschwung begann im vergangenen Winter nach dem Wechsel von der Austria zu Sönderjyske. In der dänischen Liga traf der U20-WM-Vierte von 2007 auf einmal wie am Fließband - Lohn war der Wechsel zu 1860 München. Beim deutschen Zweitligisten erzielte er in zehn Pflichtspielen bisher acht Tore.

Okotie trifft wie in besten Zeiten - und zwar deshalb, weil er erstmals seit langer Zeit wieder richtig fit ist. Zu verdanken hat er das laut eigenen Angaben Heini Bergmüller, mit dem er seit über einem Jahr zusammenarbeitet. "Davor habe ich immer zu viel trainiert, war dann aber immer übermüdet und platt", meinte Okotie.

Dies änderte sich durch die Kooperation mit "Fitness-Guru" Bergmüller. "Seit ich mit ihm arbeite, fühle ich mich spritziger, und davon profitiere ich auf dem Platz", erzählte Okotie, der vor einem Monat Vater eines Sohnes wurde. "Mir geht es derzeit sportlich und privat sehr gut."

Davon profitierte am Sonntag auch die ÖFB-Auswahl, schließlich bedeutete Okoties Tor Platz eins in Gruppe G nach drei Runden. "Aber das ist nur deine schöne Momentaufnahme. Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen", mahnte der Ex-Austrianer.

Rettungstat in der Schlussphase

Dieser Meinung war auch Almer. "Es ist sehr schön, auf Platz eins zu sein, doch in sieben Spielen kann noch viel passieren." Der ÖFB-Schlussmann rettete in der Schlussphase mit der Abwehr eines Schusses von Mirko Vucinic den ÖFB-Erfolg und strafte damit seine Kritiker wieder einmal Lügen.

Seit dem Amtsantritt von Marcel Koller vor fast drei Jahren ist Almer Österreichs Nummer eins - und seither wird immer wieder die mangelnde Spielpraxis des Steirers auf Klubebene bemängelt. Dabei hat Almer bisher in keinem seiner 18 Länderspiele bei einem Gegentor gepatzt.

Genugtuung nach seiner Rettungstat verspürte der 30-Jährige nach eigenen Angaben nicht. "Ich genieße den Sieg für mich selbst, weiß aber, dass es auch wieder anders ausschauen kann. Die Kritiker wird es sowieso immer geben. Wenn ich einmal an einem Ball vorbeifliegen sollte, werden sie wieder dastehen", prophezeite Almer.

Vor der Vucinic-Chance war der Goalie die meiste Zeit praktisch arbeitslos gewesen. "Es ist sicher einfacher, wenn es mehr Aktionen für einen Tormann gibt, um im Spiel zu bleiben. Aber das Entscheidende ist, in solchen Momenten wie beim Vucinic-Schuss da zu sein", sagte Almer, der bei seinem Klub Hannover 96 nicht an Ron-Robert Zieler vorbeikommt.

Almers Konkurrent zählt immerhin regelmäßig zum Kader von Weltmeister Deutschland. "Und man darf nicht vergessen, dass die deutsche Bundesliga nicht irgendeine Liga ist. Da ist es speziell als Ausländer nicht einfach, als Nummer eins im Tor zu stehen", betonte der frühere Austria-Keeper.

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