Im Endspurt um den zweiten Platz schenkt man sich nichts, fair bleibt man dennoch.

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Bundesliga
05/04/2015

"Dramatik pur" im Kampf um Rang zwei

Rapid befindet sich nach dem Remis in Graz weiter in Poleposition.

Rapid hat es am Sonntag verabsäumt, sich im Kampf um Rang zwei einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Die Wiener waren im Duell mit Sturm Graz über 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft, mussten sich aber mit einem 2:2 begnügen. Damit trennen die beiden Teams weiter zwei Punkte, der Vierte Altach ist punktgleich mit Sturm und hat den Champions-League-Qualifikations-Platz auch im Visier.

"Es ist keine Vorentscheidung gefallen um Platz zwei. Es wird bis am Schluss ganz spannend bleiben", rechnet Rapid-Trainer Zoran Barisic mit einem spannenden Saisonfinish in der Fußball-Bundesliga. Dem konnte Sturms Coach Franco Foda nach dem Schlager der 31. Runde in der UPC-Arena nur zustimmen: "Es wird Dramatik pur bis zum Ende geben. Wir werden bis zum Schluss alles investieren."

Schon am Wochenende folgt der nächste Schlager, ist doch Rapid am Sonntag in Altach zu Gast. "In der Tabelle ist alles sehr eng, jedes Spiel ist ein Endspiel", weiß Rapids Abwehrchef Mario Sonnleitner. Sturm hat die Chance, am Samstag vorzulegen, muss allerdings bei der Wiener Austria bestehen, die zuletzt einen leichten Aufwärtstrend zeigte. Ein bisschen spekulieren mit Platz zwei darf auch noch der Fünfte WAC, der nur drei Punkte hinter Sturm und Altach liegt und aus dem Windschatten heraus zu einem Überholmanöver ansetzen möchte. Die Kärntner gastieren am Samstag in Ried.

Wahres Spitzenspiel

Die Partie in Graz war nicht nur aufgrund der Tabellenplatzierungen ein absolutes Spitzenspiel. Spielerisch und auch kämpferisch wurde den 15.300 Besuchern in der diese Saison erstmals ausverkauften UPC-Arena vieles geboten. "Die Erwartungen wurden erfüllt. Ich muss meiner Mannschaft zur Leistung gratulieren. Einziger Wermutstropfen ist, dass uns das 3:1 nicht gelungen ist, sich die Mannschaft nicht mit einem Sieg belohnt hat", sagte Barisic.

Seine Truppe legte dank Philipp Schobesberger einen Traumstart hin. Der 21-jährige Offensivspieler traf schon nach acht Minuten und damit im sechsten Pflichtspiel in Folge. Seine Formkurve zeigt damit weiter steil nach oben, er ist Rapids großer Trumpf in den ausstehenden fünf Partien. "Er ist ein überragender Spieler, jeder Trainer kann froh sein, so einen Spieler in seinen Reihen zu haben", kamen auch von Sturms Coach Foda lobende Worte für den Oberösterreicher.

Bei den Steirern befindet sich mit Simon Piesinger ebenfalls ein Oberösterreicher in der Form seines Lebens. Nach einer Unachtsamkeit der Rapid-Abwehr konnte der 22-Jährige nach einer Schick-Freistoßflanke zum schnellen Ausgleich (16.) einköpfeln und sich über sein neuntes Saisontor freuen.

Nach dem Seitenwechsel konnten aber wieder die Wiener vorlegen. Sturm-Goalie Christian Gratzei ließ sich in der 54. Minute von einem 40-Meter-Weitschuss mit eigenwilliger Flugkurve von Thanos Petsos überraschen, wehrte den Ball via Latten-Unterkante ins eigene Tor ab. "Christian Gratzei ist nach dem 1:2 sehr gut zurückgekommen, den Rest wird er selbst analysieren", sagte Foda. Tatsächlich hielt Sturms Tormann seine Truppe in der Folge mit guten Paraden im Spiel.

Bei Rapid rächte sich die fehlende Effizienz im Abschluss. Joker Daniel Beichler sorgte nach Schick-Vorarbeit (70.) noch für den wichtigen Punktgewinn. "Beim zweiten Tor haben wir sensationell kombiniert. Aufgrund der Problematik im Vorfeld können wir auch mit dem Punkt leben", war Foda zufrieden. Mit den Ausfällen von Martin Ehrenreich und Christian Klem hatte er seine beiden etatmäßigen Außenverteidiger vorgeben müssen. Nicht einsatzfähig sind zudem die Offensivspieler Bright Edomwonyi und Marko Stankovic.

Dünne Personaldecke

Am Sonntag spitzte sich die Personalsituation noch weiter zu, sahen doch Roman Kienast (87.) und Michael Madl (94.), der schon vor der Pause von Schiedsrichter Dominik Ouschan Rot sehen hätte können, in der Schlussphase noch die Ampelkarte. Damit gab es in den vier direkten Saisonduellen der beiden Teams gleich sechs Ausschlüsse. Anel Hadzic kassierte zudem seine 13. Gelbe Karte und fehlt damit am Samstag genauso. "Die Personaldecke ist extrem dünn", ist sich Foda bewusst.

Solche Probleme haben die Wiener nicht, mit Petsos fehlt gegen Altach aber auch ein Akteur gelbgesperrt. "Erfreulich ist, dass die Mannschaft jetzt auch mit Druck gut umgehen kann", blickte Barisic optimistisch nach vorne. Das tat auch Kapitän Steffen Hofmann trotz zweier "verlorener" Punkte. "Wenn wir unsere Aufgaben gut erledigen, werden wir den zweiten Platz einfahren", sagte der Mittelfeld-Routinier.