Bezeichnend: Auf den Trikots (hier Laura Feiersinger) stehen keine Namen.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Fußball
09/21/2016

Freud und Leid der kickenden Damen

Österreichs Frauenteam fährt zur EM - bei der Unterstützung besteht trotzdem noch Nachholbedarf.

von Günther Pavlovics

Österreichs Frauen-Nationalteam hat Historisches erreicht: Ein 0:0 in Wales reichte, um sich als einer der besten sechs Gruppenzweiten erstmals für eine Großveranstaltung zu qualifizieren – in diesem Fall ist es ein Startplatz bei der EM 2017 in den Niederlanden.

Schon im Nachwuchs zeigte das Engagement des ÖFB Früchte. Im Mai 2015 spielte das U-17-Team bei der EM in Bulgarien, ein Jahr später in Aserbaidschan, dort überstand die Auswahl sogar die Vorrunde und verlor erst im Viertelfinale gegen Portugal. Und im Juli dieses Jahres spielte die U 19 erstmals bei einer EM, war eines von acht Teams bei der Endrunde in der Slowakei.

Ausbildungszentrum

Das sind die Früchte des Nationalen Zentrums für Frauenfußball, das im Sommer 2011 eröffnet worden ist. Die Kaderschmiede für rund 50 Mädchen und Frauen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren lässt sich der ÖFB fast 2,5 Millionen Euro im Jahr kosten. Sogar Ex-UEFA-Boss Michel Platini lobte das Zentrum bei einem Lokalaugenschein.

Die Erfolge der nationalen Auswahlen können den Frauenfußball im Liga-Alltag vorantreiben. Die deutschen Frauen holten in Rio Gold, Sport 1 sicherte sich die Rechte für die Allianz Frauen-Bundesliga bis 2018. Bis zu 22 Spiele werden pro Saison live übertragen – von der "Liga der Olympiasiegerinnen", wie der Sportsender für sein Produkt wirbt.

Ziel Deutschland

Im österreichischen Zentrum wird vor allem für die deutsche Bundesliga ausgebildet. Elf der 19 Spielerinnen, die nach Wales gereist sind, spielen dort. In Österreich kommt eine Topspielerin inklusive Fahrtgeld auf rund 1000 Euro im Monat. Beim deutschen Spitzenklub Wolfsburg kann eine Spielerin während der Karriere von ihrem Job leben. Spitzenspielerinnen kommen dort auf 10.000 Euro im Monat. Österreichs Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer sagt: "Das Team lebt von den Legionärinnen. Mit dem Nationalen Zentrum arbeiten wir an der Spitze. Die nächsten Schritte müssen jetzt folgen. In der Breite muss etwas passieren." ÖFB-Präsident Leo Windtner ortet im Frauen-Fußball "Nachholbedarf an der Basis".

In Österreich gibt es über 16.000 gemeldete Spielerinnen und 256 Teams. "Die Anzahl der Spielerinnen und Mannschaften hat stagniert, da müssen wir gegenarbeiten", sagt Windtner. In Niederösterreich spielen 70 Vereine Meisterschaft, in Oberösterreich sind es 50, in Wien 40. Im Burgenland sind es immerhin sieben – der FC Südburgenland mit zwei Teams in der Bundesliga, Mönchhof und Neusiedl in der Wiener Liga, seit Kurzem St. Margarethen, Bad Sauerbrunn und Goberling in der 2. NÖ-Leistungklasse.

In den letzten beiden Jahren hat Spratzern (offizieller Name: SKN St. Pölten Frauen) die Vormachtstellung von Neulengbach übernommen. Die Talente, die es aus der Akademie nicht gleich ins Ausland schaffen, spielen dann bei Spratzern.

Aus dem Supermarkt der Talente bedienen sich nicht die Klubs der Männer-Bundesliga, die meisten lassen die Finger vom Frauenfußball. Nur Sturm Graz und Wacker Innsbruck leisten sich Frauen-Bundesliga-Teams. Thalhammer regt an: "Vielleicht überdenken auch die Bundesligavereine ihre Strategie. Das Duell Rapid gegen Austria hat sicher auch mit Frauenteams seinen Reiz."

Austria kooperiert

Die Austria ist seit Sommer 2015 aktiv und ging mit Landhaus eine Kooperation ein. Die Violetten werben nicht nur auf dem Platz im Norden der Stadt, sondern stellen seit Juli dieses Jahres auch die Trainer. So wurde diesen Sommer Attila Sekerlioglu Trainer der A-Mannschaft.

Wacker Innsbruck installierte vor zehn Jahren als erster Bundesligaverein ein Frauenteam. Gegen heftige Widerstände auch aus den eigenen Reihen, wie sich der damalige Obmann Gerhard Stocker erinnert. Denn mancher Funktionär hätte das Geld lieber in einen weiteren Legionär für das Herren-Team investiert. "Wir waren im Grunde zehn Jahre zu früh, aber mir war damals klar, dass der Damenfußball nicht aufzuhalten ist", sagt Stocker. "Und dass es vor allem gesellschaftspolitisch ein wichtiges Signal ist, wenn man sich dazu bekennt."

Mit seinem revolutionären Vorstoß, eine eigene Damen-Mannschaft für jeden Bundesliga-Klub zum Lizenzkriterium zu machen, konnte er sich nicht durchsetzen. "Die Zeit war noch nicht reif. Aber ich kann mir vorstellen, dass das kommen wird."

Rapid plant mit Frauen

Bei Rapid ist ein Frauen-Team in Planung. Präsidiumsmitglied Petra Gregorits meint: "Wenn, dann müssen wir das gleich professionell und auf gutem Niveau starten." Das ist aufgrund der noch eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten schwierig. Aber sobald das derzeit geplante, große Trainingszentrum für alle Mannschaften an einem Ort Realität ist, sollen auch die Rapid-Frauen dabei sein.