Sport | Fußball
19.07.2017

Frauen-EM: Traumstart für Österreichs Damen

Im Lager der ÖFB-Frauen herrscht nach dem Überraschungssieg gegen die Schweiz Hochstimmung. Sie wollen aber nicht verglichen werden.

Dienstagvormittag auf dem Fußballplatz nahe des Teamhotels des österreichischen Frauennationalteams. Nicht nur die Sonne lacht beim Training, die Spielerinnen strahlen um die Wette. Sie haben Großartiges vollbracht, haben das erste EM-Spiel der Geschichte gewonnen. Und Sarah Puntigam verrät: "Wir haben ein neues Lied: ,Nina Burger Superstar‘." So wurde die Schützin des Goldtreffers auf der rund einstündigen Busfahrt vom Stadion ins Hotel gefeiert. Auch von Puntigam, die zur besten Spielerin der Partie gewählt worden ist. "Das hätte sich aber jede von uns verdient", sagte sie.

Nach dem Essen im Hotel saßen die Spielerinnen noch etwas zusammen, angesichts der Spiele gegen Frankreich (Samstag) und Island (Mittwoch) aber nicht ausschweifend. Burger: "Aber geschlafen haben die meisten nicht viel, weil jeder so viel durch den Kopf gegangen ist. Auch mir. Ich bin um Mitternacht ins Bett und erst irgendwann spät eingeschlafen."

Nur einer war nicht nach Feier zumute: Sara Zadrazil war überknöchelt, zog sich einen Einriss der vorderen Syndesmose zu und ist gegen Frankreich fraglich. Wegen der Untersuchung war sie im Bus nicht dabei. Ihr galt daher nicht der gestrige Hinweis, dass man aufpassen soll, was man in die sozialen Netze stellt. Ein Radiosender spielte das Posting einer Spielerin, darauf war nicht nur "I’m from Austria" zu hören, sondern auch die umgetextete Malle-Hymne: "Scheiß drauf, Holland ist nur einmal im Jahr."

Österreichs Frauen haben Einmaliges geleistet, was auch einzigartig ist. Sie wollen daher auch nicht verglichen werden. Der erste Sieg bei einer Erwachsenen-EM, der erste ÖFB-Erfolg bei einem Großereignis seit der WM 1990. "Watschen für Alaba & Co.: Thalhammer besser als Koller", schrieb ein Blogger.

"Das ist unser Turnier, das sind unsere Spiele", sagte Nina Burger fast trotzig. Die Spielerinnen wollen nicht dafür herangezogen werden, dass man mit den Männern noch ein letztes mediales Hühnchen rupft. "Wir sind eine Mannschaft. Und die Männer sind eine Mannschaft", sagte Puntigam. Aus. Ende. Das sind zwei Paar Fußballschuhe.

Punkto Betreuer und Umfeld braucht der ÖFB aber keine Vergleiche zwischen Männern und Frauen scheuen. "Ich lasse mir aber nicht nehmen, dass die EM in Frankreich gut vorbereitet war", hat Sportdirektor Willi Ruttensteiner im KURIER-Interview am Dienstag zur Männer-EM 2016 gesagt. Diesen Vorwurf wird es punkto Niederlande nicht geben. Ruttensteiner gestern: "Wenn der Erfolg passt, hat alles gepasst." Punkto Fitness hat man die Zeit seit Ende der deutschen Meisterschaft (21. Mai) genutzt, die Spielerinnen sind absolut top. Und taktisch ordnet sich jede Einzelne dem Ziel unter.

Team hinter dem Team

Die Spielerinnen konnten am Mittwoch Nachmittag tun, was sie wollen. Schlafen, spazieren gehen, Familie oder Freunde empfangen – sie sollten den Kopf frei bekommen für die kommenden Aufgaben. Dem Betreuerteam war kaum eine Pause gegönnt. Teamchef Dominik Thalhammer: "Wir wollen uns nicht ausrasten. Unser Analystenteam Markus Hackl und Christian Heidenreich hat schon ein paar Punkte herausgefiltert, die wir gegen Frankreich verbessern müssen."