Sport | Fußball
05.08.2017

Frauen-EM: Ein starkes Zeichen des Gastgebers

Wie in Österreich herrscht Euphorie, doch im EM-Land sind 150.000 Fußballerinnen registriert.

Die Heim-EM soll für den Frauenfußball in den Niederlanden eine Initialzündung liefern. Tatkräftig unterstützt wurde dieses Vorhaben durch die Leistungen des Teams. Die "orangen Löwinnen", so der Kosename des Nationalteams der Frauen, erreichten das Semifinale und sind auf Rekordkurs.

Auch wenn die Medien da noch nicht ganz mitspielen. Denn bestimmendes Thema der Tageszeitungen waren gestern nicht das Frauen-Semifinale, sondern das Ausscheiden von Ajax Amsterdam in der Champions League durch ein 2:2 daheim gegen Nizza.

21.732 Fans waren beim Eröffnungsspiel in Utrecht im Stadion – das bisher bestbesuchte Frauenfußballspiel in den Niederlanden. Doch die Tendenz geht aufwärts, das Semifinale gegen England war ausverkauft, rund 27.000 Zuschauer fasst das Twente-Stadion in Enschede, wo am Sonntag auch das Endspiel ausgetragen wird.

Nur so nebenbei, auch anderswo boomt der Frauenfußball. In Großbritannien haben sich am Sonntag auf Channel 4 so viele Menschen wie noch nie ein Frauenfußballspiel live angeschaut – 3,3 Millionen sahen das 1:0 gegen Frankreich.

Andere Dimensionen

Aber England und auch die Niederlande gehen von einem ganz anderen Niveau aus als Österreich. In Österreich sind nicht einmal 20.000 Frauen als Fußballerinnen registriert. In England sind es mehr als 100.000, in den Niederlanden gar 150.000. Spitzenreiter bei dieser EM sind Deutschland mit fast 210.000 gemeldeten Spielerinnen und Schweden mit fast 180.000. So betrachtet eine ganz andere Liga, dennoch sind beide Länder schon im Viertelfinale ausgeschieden.

Die Niederlande sind im Gegensatz zu Österreich schon zum dritten Mal bei einer Endrunde. Pierre van Hooijdonk ist Botschafter für diese EM. Der ehemalige Startstürmer will Männer- und Frauenfußball nicht vergleichen. Er sagt: "Sie verdienen diese Aufmerksamkeit. Immerhin haben sie derzeit Erfolg, was bei unseren Männern ja schon länger her ist."

Minke Booij hat 2008 Olympia-Gold im Feldhockey geholt und ist jetzt im Fußballverband für die Frauen zuständig. Sie sagt: "Die Zuschauer wollen nicht nur erfolgreiche Frauen sehen. Sie wollen auch coole Typen sehen, die Spaß an der Sache haben." Und Erfolg hat einen Schneeballeffekt, wie sie vom Hockey her weiß. "Als wir gewonnen haben, waren wir interessant. Die Trainingsbedingungen wurden besser, es wurden Stadien für 8000 Zuschauer gebaut. Das klingt nicht viel, ist aber für Feldhockey enorm."

Auch im Fußball gibt es schon einen Schneeballeffekt. Rund 6000 Zuseher sind durchschnittlich bei den Spielen des Frauen-Nationalteams. Auch auf Klubebene gibt es Fortschritte, mehr als 15.000 Zuschauer waren im Stadion von Enschede, als die Twente-Frauen in der Champions League gegen den FC Barcelona gespielt haben.

Starker Nachwuchs

Coole Typen? Dabei gleichen einander Niederländerinnen und Österreicherinnen, wenn man ihre EM-Vorstellungen betrachtet. Es gibt aber noch eine Parallele. Wie in Österreich genießt auch das Frauenteam die vollste Unterstützung des Verbandes. Sie residieren auf dem Trainingsgelände beim Hauptquartier des KNVB in Zeist in der Nähe von Utrecht. Und wie in Österreich sind die meisten gemeldeten Spielerinnen im Nachwuchsbereich zu finden. "Das durchschnittliche Alter der 150.000 Spielerinnen ist 13 Jahre", sagt Turnierdirektor Bert van Oostveen. Der Generalsekretär des Verbandes gibt auch Fehler zu, zum Beispiel in der Vermarktung.

"Wir haben mit Männern und Frauen die gleichen Sponsoren angesprochen", sagt er. "Aber vor allem bei den Frauen brauchen wir Sponsoren, die nicht auf den kurzfristigen Profit aus sind, sondern mit uns langfristig etwas entwickeln wollen."