Sport | Fußball
05.08.2017

Frauen: Die Frage nach der Zukunft

Was sich die Spielerinnen wünschen. Teamchef Thalhammer lässt seine Zukunft offen

Wer in der Erwartung, Österreichs Fußballerinnen trösten zu müssen, am Freitagnachmittag zum Flughafen Wien-Schwechat gefahren war, der wurde überrascht. Enttäuschung? Tränen? Trauer? Nichts dergleichen.

Stattdessen wurde gefeiert, als wäre man Europameister. Mit leuchtender Discokugel, lauter Musik und Gesang betraten die Spielerinnen keine 24 Stunden nach dem bitteren Ausscheiden im Halbfinale der EM in den Niederlanden die Gepäckhalle.

"Nach dem Spiel waren wir traurig", erzählt Laura Feiersinger. "Aber heute überwiegt die Freude über das, was wir erreicht haben. Wir sind die drittbeste Mannschaft der EM. Das hätte sich keine von uns erträumt."

Ob träumen nun erlaubt ist, von weiteren Erfolgen? "Wir haben noch enormes Potenzial", sagt Carina Wenninger. Schließlich sei man das jüngste EM-Team gewesen. "Und wir haben viele junge Spielerinnen, die sehr gut ausgebildet wurden und vielleicht – so wie wir – den Sprung ins Ausland wagen", sagt Feiersinger.

Teamchef-Frage

Carina Wenninger betont: "Wir haben ein tolles Trainerteam. Es ist noch mehr möglich. Uns muss aber klar sein, dass wir künftig nicht mehr überraschen werden."

Die Zukunft des Teamchefs ist aber offen. "Ich habe 2011 begonnen. Diese EM ist für mich ein Cut. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ist es legitim, dass man sich Gedanken über seine Zukunft macht", sagt Dominik Thalhammer, dessen Vertrag unbefristet ist. "In den nächsten zwei bis drei Wochen werde ich Klarheit haben."

Für den Frauenfußball im Allgemeinen sei es nötig, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. "Ich hoffe, dass gewisse Leute jetzt ein anderes Bild vom Frauenfußball haben", sagt Wenninger. 1,35 Millionen haben das Halbfinale gesehen.

"Ich hoffe, dass wir diese Euphorie aufrechterhalten können", meint Sarah Zadrazil, die junge Mädchen dazu animieren möchte, auch Fußball zu spielen. "Das Wichtigste ist, dass viele Mädchen sehen, dass es okay ist, Fußball zu spielen. Dass es nicht nur ein Männersport ist."

Ziel des ÖFB ist es ohnehin, die Zahl der aktiven Spielerinnen von aktuell 20.000 auf 30.000 zu erhöhen. Auch das Austragen einer Frauen-EM sei ein mögliches Szenario. Ob auch eine zweite Frauen-Akademie neben jener in St. Pölten angedacht ist? Sportdirektor Ruttensteiner: "Dafür wäre es zu früh, weil es an der Qualität fehlt."

Eine starke Breite soll die Qualität in der Spitze sichern. Ob man dazu die Bundesligaklubs in die Pflicht nehmen muss? "Für die Topklubs ist ohnehin deutlich geworden, dass Frauenfußball kein Anhängsel ist", sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner. "Es werden auch die Landesverbände gefordert sein, mehr Frauenteams aufzustellen."

Sportdirektor Ruttensteiner nimmt die Großklubs in die Pflicht: "Rapid, Austria und Salzburg sind die Magneten. Die besten Vereine sollten Mädchen ausbilden."

Tatsächlich stellen in der obersten Spielklasse derzeit nur St. Pölten (Meister) und Sturm (Vize) sowohl Männer- als auch Frauen-Teams. Die Austria hat das Engagement verstärkt und kooperiert in Wien mit USC Landhaus.

Red Bull verzichtet in Salzburg auf Frauenfußball.

Wo sind Rapid-Frauen?

Und was ist mit dem größten Verein des Landes? Diese Frage stellten sich auch Rapid-Fans und fordern mit einer Online-Petition ein eigenes Rapid-Frauenteam.

Doch der Rekordmeister steht auf der Bremse. Notgedrungen, wie Geschäftsführer Christoph Peschek meint: "Langfristig ist ein Frauen-Team für Rapid ein klares Ziel. Auf dem gewünschten hohen Niveau ist das aber erst möglich, wenn wir das geplante Trainingszentrum umgesetzt haben."

Denn die Hütteldorfer haben schon Probleme, genug freie Trainingsplätze für alle Nachwuchsteams zu finden: "Solange wir nicht mehr Plätze haben, könnten wir den Frauen kein ordentliches Training garantieren. Wenn es so weit ist, wollen wir jedenfalls ein Frauen-Team stellen, das in Österreich auch um den Titel mitspielt."