Sport | Fußball
24.02.2015

Fußball-WM 2022 wohl verkürzt und im Winter

Die FIFA-Task-Force hat die Monate November/Dezember für die Austragung empfohlen.

Die Fußball-WM in Katar soll im November und Dezember 2022 stattfinden. Die Task Force des Weltverbandes hat sich auf ihrer Sitzung in Doha am Dienstag für diesen Termin ausgesprochen, der von der FIFA-Exekutive am 19./20. März noch fixiert werden muss. Das Turnier soll um einige Tage verkürzt werden.

Nach einem sechsmonatigen Konsultationsprozess sei der Termin im November/Dezember der „brauchbarste“ gewesen und habe die volle Unterstützung von allen sechs Kontinentalverbänden, teilte die FIFA in einer Stellungnahme mit. Es habe nach all den Diskussionen nur diese Lösung gegeben, sagte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke.

Seit Monaten hatte es großen Streit um den Termin der WM-Endrunde gegeben. Eine Austragung wie üblich in den Sommermonaten ist aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht praktikabel. Zuletzt waren auch noch der Januar/Februar 2022 im Gespräch, allerdings würde dieser Termin mit den Olympischen Winterspielen kollidieren. Das Winter-Spektakel soll vom 4. bis 20. Februar 2022 in Almaty oder Peking stattfinden.

Auch der Alternativ-Vorschlag der europäischen Klubs und Ligen, die WM von Ende April bis Ende Mai auszutragen, erwies sich nicht als Ideallösung. Auch in diesem Zeitraum wäre mit hohen Temperaturen zu rechnen gewesen, außerdem beginnt 2022 der Fastenmonat Ramadan am 2. April.

Premier-League-Boss Richard Scudamore ist "sehr enttäuscht" darüber, dass die Fußball-WM in Katar im November und Dezember 2022 stattfinden soll. Der BBC sagte der Brite am Dienstag in einer ersten Reaktion: "Das ist enttäuschend. Es ist die falsche Entscheidung. Wir sind von der UEFA im Stich gelassen worden."

Gewinner und Verlierer

GEWINNER

Spieler: Den Spielern bleiben - speziell in den Trainingsquartieren - Sommer-Temperaturen um 40 Grad Celsius erspart. Im Winter herrschen stattdessen in Katar moderate Temperaturen von bis zu 25 Grad.

IOC: Als Alternative war auch der Jänner/Februar 2022 im Gespräch. Dann wäre die Fußball-WM mit den Olympischen Winterspielen kollidiert. Das Winterspektakel soll vom 4. bis 20. Februar in Almaty oder Peking ausgetragen werden.

Sommersportverbände: Eine Fußball-WM im Sommer hatte bisher alles überlagert. Sportarten wie der Radsport mit der Tour de France im Juli oder Tennis mit dem legendären Turnier in Wimbledon Ende Juni/Anfang Juli profitieren von einer WM am Jahresende.

VERLIERER

Vereine: Die Top-Klubs müssen in einer Zeit, in der Hochbetrieb im Club-Fußball herrscht, fast zwei Monate ihre Topspieler an die Nationalmannschaften abstellen. Entsprechend fordern die Vereine eine Entschädigung. Eine Winter-WM werde das Vereinsgeschäft beeinflussen, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Diese Kosten können nicht durch die Clubs bezahlt werden."

Europäische Top-Ligen: Sie müssten ihren Spielplan komplett ändern. So müsste etwa die deutsche Bundesliga von Ende Oktober bis in den Jänner hinein pausieren. In England würde beispielsweise der Boxing Day (26. Dezember), einer der lukrativsten Spieltage des Jahres, am zweiten Weihnachtsfeiertag wegfallen.

UEFA: Die Geldmaschine Champions League müsste ihren Spielplan ebenfalls umkrempeln. Im November/Dezember fallen normalerweise die Entscheidungen in der Gruppenphase.

FIFA: FIFA-Chef Joseph Blatter wird die Schatulle für Kompensationszahlungen an die Ligen und Vereine für seinen Terminwunsch öffnen müssen. Dazu kommen die bereits seit Jahren anhaltenden Negativ-Schlagzeilen wegen der Katar-WM.

Wintersportverbände: Im November/Dezember laufen hochkarätige Wintersport-Veranstaltungen bereits auf vollen Touren. Damit wird es zu Interessenskollisionen kommen.

TV-Markt: In den USA ist im November/Dezember American-Football-Time. Das Sommerloch im US-Sport wäre für den übertragenden US-Sender Fox lukrativer. Für die TV-Anstalten in England ist der Boxing Day am 26. Dezember ein wesentlicher Bestandteil.

Fans: Ein Sommermärchen bei Grillwetter wird es nicht geben. Beim Public Viewing sind dann Schal und Handschuhe beim Punschstand gefragt.