Sport | Fußball
11.05.2017

FIFA-Präsident auf den Spuren von Donald Trump

FIFA-Kongress: Gianni Infantino kritisiert seine Kritiker und spricht von Fake News, 2018 erwartet der Verband einen Geldregen.

"Die neue FIFA ist eine Demokratie, keine Diktatur." Es sagt schon einiges über die Wahrnehmung des Fußball-Weltverbandes aus, dass Präsident Gianni Infantino sich bemüßigt fühlte, bei seiner Rede beim FIFA-Kongress in Manama (Bahrain) darauf explizit hinzuweisen.

Aber immerhin war der 47-Jährige zuletzt immer öfter mit seinem ballmächtigen Vorgänger Joseph S. Blatter verglichen worden. "Eine Kopie seines Vorgängers" wurde Infantino bereits genannt, der Tagesanzeiger sieht in ihm gar den "Totengräber der FIFA-Reformen", nachdem diese Woche mit Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert das Führungsduo der FIFA-Ethikkommission abgesetzt worden war. Die beiden Juristen hatten mit ihren internen Ermittlungen Sepp Blatter und UEFA-Boss Michel Platini stürzen lassen und zuletzt auch schon die Amtsgeschäfte von Infantino unter die Lupe genommen.

Neue Ethiker

Die Vorwürfe nach der Absetzung der beiden FIFA-Ethiker Borbély und Eckert, die Kritik an seiner Person – all das wischte Infantino in Manama weg wie eine lästige Fliege. "Wir sollten da jetzt kein Drama draus machen", sprach da der Präsident. Und überhaupt: Es gebe "viele Fake News und alternative Fakten" rund um die FIFA, "gerade in gewissen Ländern ist dieses FIFA-Bashing zum Volkssport geworden", sagte Infantino und dabei hörte er sich wie US-Präsident Donald Trump an.

Das überwältigende Votum der FIFA-Vollversammlung bestätigte Gianni Infantino wohl nur in seiner (Selbst)-Einschätzung. Mit 97 Prozent wurden die Kolumbianerin María Claudia Rojas (Chefermittlerin) und der Grieche Vassilios Skouris (Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer) als Nachfolger von Borbély und Eckert gewählt.

Immerhin wagte mit dem deutschen Verbandschef ein wichtiger FIFA-Funktionär Kritik an der Vorgehensweise. "Ich will deutlich sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass der Prozess der Neubildung der einzelnen Kommissionen transparenter gewesen wäre", erklärte Reinhard Grindel.

Gras von gestern. Bei der FIFA blickt man bereits in die Zukunft: Für das Jahr 2018 erwartet der Weltverband dank der Weltmeisterschaft in Russland einen Gewinn von 1,05 Milliarden US-Dollar. Der Geldregen tut der FIFA gut, nachdem die Vorjahresbilanz noch ein Minus von 396 Millionen Dollar aufgewiesen hatte.