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Sport Fußball
07/06/2012

FIFA erlaubt Chip-Ball und Torkamera

Die oberste Regelbehörde der FIFA beschließt ab sofort technische Hilfe zur Unterstützung der Schiedsrichter.

von Stephan Blumenschein

Es wird seit Jahren darüber diskutiert. Und eigentlich hatte schon niemand daran geglaubt. Nun scheint der Weltsport Nummer eins doch im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Das International Football Association Board, in dem die Regelhüter des Fußballs sitzen, trafen gestern bei einer Sitzung in Zürich eine bahnbrechende Entscheidung.

Strittige Torszenen im Fußball dürfen künftig durch technische Hilfsmittel geklärt werden. Das Regelkomitee gab grünes Licht für die Einführung technischer Systeme, die dem Schiedsrichter anzeigen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder doch nicht.

Zwei Systeme

Dabei werden sowohl das bereits beim Tennis erprobte Hawk-Eye-System zur Überwachung der Linie (Torkamera) als auch das GoalRef-System (Magnetfeld im Ball und im Tor)  zum Einsatz kommen dürfen. Diese beiden Systeme hatten sich nach monatelangen Tests als die geeignetsten für die Anforderungen  im Fußball gezeigt.

Eine  Einschränkung gibt es aber doch. Die Systeme werden vorerst fix nur bei der jährlich stattfindenden Klub-WM, beim ConfedCup 2013 und bei der WM 2014 zum Einsatz kommen – also bei Turnieren, die von der FIFA veranstaltet werden.

Genehmigt wurde übrigens auch der weitere Einsatz von zwei zusätzlich als Torrichter eingesetzten Schiedsrichter-Assistenten. UEFA-Boss Michel Platini hatte am Wochenende angekündigt, dass in UEFA-Bewerben (Champions League, Europa League, EM) weiterhin auf das menschliche Auge gesetzt wird. Die nationalen Verbände und Ligen können den Zeitpunkt für die Einführung selbst bestimmen, müssen aber auch die beträchtlichen Kosten dafür selbst tragen.

Zwei Sieger

Im Machtkampf zwischen Platini, der zuletzt als der größte Gegner der technischen Hilfsmittel  aufgetreten war, und FIFA-Präsident Sepp Blatter, der seit dem nichtgegebenen Tor der Engländer im Achtelfinale bei der WM 2010 gegen Deutschland, der größte Technik-Fan war,   dürfen sich beide als Sieger fühlen. "Wenn man Hilfe hat, muss man die auch einsetzen. Für uns als FIFA war klar, was 2010 passiert ist, darf sich nicht wiederholen", sagte Blatter gestern Abend.

Nichts ändern wird sich, dass nur der Schiedsrichter die Entscheidungsgewalt hat. Er muss sich, wenn er es anders wahrgenommen hat, nicht an die technischen Hilfsmittel halten. Der Schiedsrichter wird auch der einzige sein, der mit den Systemen verbunden sein wird. Die technischen Beweise werden weder im Stadion noch im TV gezeigt.

IFAB: Die Hüter der Fußballregeln

Seit 1886 wachen die Mitglieder des International Football Association Boards (IFAB) über die Regeln des Fußballs. Dem Gremium gehören vier Mitglieder der FIFA sowie je ein Gesandter der nationalen Verbände Englands, Schottlands, Nordirlands und aus Wales an. Zweimal im Jahr kommt das IFAB zu einem Treffen zusammen und berät sowie beschließt Regeländerungen.

Diese können nur bei Zustimmung durch 75 Prozent der Gesandten erzielt werden. Die FIFA-Mitglieder stimmen nach einem ungeschriebenen Gesetz einheitlich ab.

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