Sport | Fußball
08.03.2018

Ex-FIFA-Boss Blatter "ist ein glücklicher Mann"

In der Untersuchung gegen den früheren FIFA-Präsidenten tut sich nichts - Sepp Blatter wertet das als gutes Zeichen.

Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hofft auf eine Wende im Fall seiner Sechs-Jahres-Sperre wegen ethischer Verfehlungen. Dass sich bei den Untersuchungen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen ungetreuer Geschäftsführung seit zweieinhalb Jahren nichts tut, wertet er als gutes Zeichen. "Ich bin ein glücklicher Mann", gab er am Donnerstag zu Protokoll.

Zwei Tage vor seinem 82. Geburtstag lud Blatter im Restaurant Sonnenberg in Zürich zu einer Gesprächsrunde im kleinen Kreis mit internationalen Nachrichtenagenturen. Er habe ein paar gesundheitliche Probleme gehabt, doch die seien überstanden. "Der Motor war immer in gutem Zustand. Jetzt stimmt es auch mit der Karosserie wieder", meinte er.

Dass es ihm gut geht, hat auch mit der offenbar größer gewordenen Hoffnung zu tun, dass er in der Welt des Sports bald rehabilitiert sein könnte. Die Untersuchung der Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen ungetreuer Geschäftsführung und Veruntreuung scheint auf Eis gelegt. "Der Fall ist noch offen, aber es bewegt sich seit zweieinhalb Jahren nichts."

"Wir waren Banker"

Es wird schnell klar, dass Blatter weiter um die Aufhebung seiner noch bis 2021 laufenden Suspendierung kämpfen will. Es gebe Gerüchte, dass jemand aus der FIFA sich an die Behörden gewandt habe, sagte er - ohne näher ins Detail zu gehen. Ebenso erwähnte er, dass ein zentrales Dokument aus seiner Sicht gefälscht sei. "Wenn die Schweizer Behörden nicht weiterkommen, müsste auch die FIFA-Ethikkommission über meinen Fall neu urteilen", erklärte er.

In Bezug auf die Affäre um die WM 2006 in Deutschland gab Blatter an, keine Kenntnis darüber zu haben, warum der frühere FIFA-Vizepräsident Mohamed Bin Hammam 6,7 Millionen Euro erhalten habe. "Ich weiß nur, dass wir in der FIFA Banker waren, das Geld bekommen haben und an Robert Louis-Dreyfus zurückgeleitet haben", sagte der 81-Jährige. "Wer es nachher bekommen hat - ich weiß jetzt, dass es Bin Hammam ist. Aber warum er es bekommen hat, weiß ich nicht."

Auf seinen Nachfolger Gianni Infantino ist Blatter nicht gut zu sprechen. Sein Walliser Landsmann habe ihm nach der Wahl im Februar 2016 gesagt: "Sepp, schreibe alles auf, und ich sorge nach dem Kongress (im Mai 2016/Anm.) dafür, dass du die Sachen wieder bekommst." Gemeint waren Urkunden, Briefe oder diverse Geschenke in seinem früheren Büro in der FIFA-Zentrale. Nun wartet Blatter seit zwei Jahren auf ein Zeichen von Infantino. "Von ihm hörte ich nichts mehr. Ich hatte nur noch Kontakt mit seinen Anwälten."

Besuch in Russland

Im Rennen um die WM 2026 sprach er sich für Marokko aus und damit gegen die favorisierte Dreier-Bewerbung der USA mit Kanada und Mexiko. "Ich stelle fest, dass die drei großen Länder im Moment doch etwas kalte Füße bekommen wegen diesem kleinen Marokko", sagte er. Der Ausrichter wird am 13. Juni durch den FIFA-Kongress in Moskau und damit nicht mehr von der Exekutive bestimmt. "Eine Prognose ist nicht so einfach, denn es gibt die Argumente aus Afrika oder Europa, die näher dran sind, oder das Argument, dass man die WM nicht so gerne in die USA gibt."

Nach der Vergabe werde er gerne der Einladung von Russlands Präsident Wladimir Putin zur WM folgen. Auch wenn er derzeit keine aktive Rolle im Fußball spielen darf, werde sein Wort noch gerne gehört. Stolz berichtete er von seinen 2,5 Millionen Followern bei Twitter. "Letztens hat mir dort einer geantwortet: Ich dachte, du wärest im Gefängnis."