Lindner: "Hoppla, da entwickelt sich was"

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Foto: APA/EPA/ARNE DEDERT Heinz Lindner (re.) freut sich auf die Bundesliga.

Teamgoalie Heinz Lindner spricht über seine ersten Eindrücke beim neuen Verein Frankfurt.

Kaum war Heinz Lindner bei der Eintracht, da ging’s für ihn auch bereits um die Wurst. Nona, möchte man sagen. Wenn schon wieder einmal ein Österreicher beim Traditionsverein aus Frankfurt anheuert, dann müssen zwangsläufig viele ihren Senf dazugeben. Dass die Frankfurter Würstchen in Frankfurt eben Wiener heißen und die Wiener Würstchen in Wien Frankfurter – das bekam der Österreicher an den ersten Tagen nicht nur einmal zu hören.

Lindner beendete das erste Trainingscamp mit einem 6:0 gegen Schwaz, wobei er die ersten 74 Minuten spielte. Das Hotel in Neustift ist ein besonderes Fleckchen. Im Milderer Hof logierten im Juni 2008 die spanischen Stars, als sie den EM-Titel holten. Noch heute stehen die Stubaier im engen Kontakt mit den prominenten Gästen von damals. "Diese Woche waren die Eltern von Iker Casillas bei uns zu Besuch", erklärt Hotelchef Herbert Hofer.

KURIER: Herr Lindner, haben Sie sich denn gut eingelebt?

Heinz Lindner: Es war am Ende alles halb so wild. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang schon etwas unruhig war, für mich ist das doch der erste Wechsel zu einem neuen Verein. Aber es hat in der Mannschaft überhaupt keine Probleme gegeben, das sind tolle Typen, die mich positiv aufgenommen haben. Und was ich jetzt schon sagen kann: Frankfurt als Stadt gefällt mir irrsinnig. Ich war mit meiner Freundin extra schon drei Tage vor dem Trainingsstart dort und ich habe sofort gemerkt: Da fühle ich mich wohl.

Wie sehr haben Sie sich vor dem Wechsel überhaupt mit Frankfurt und seiner Geschichte beschäftigt?

Ich hatte dafür eigentlich kaum Gelegenheit, weil plötzlich alles recht schnell gegangen ist. Richtig konkret wurde es ja, als wir mit der Nationalmannschaft gerade in Russland waren. Da hatte ich dann auch anderes im Kopf. Danach habe ich mich schon genau umgehört, mich auch mit meinen Kollegen von der Nationalmannschaft unterhalten, die schon in Deutschland spielen. Und ich habe nur Gutes von dem Verein gehört. Außerdem: Wenn man zu einem Traditionsverein wie Eintracht Frankfurt wechselt, dann kann man eigentlich gar nichts falsch machen.

Wann ist Ihr Entschluss gereift, ins Ausland zu wechseln?

Ich habe immer gesagt: "Für einen österreichischen Fußballspieler sollte es das Ziel sein, den Sprung in eine große ausländische Liga zu schaffen." Ich hatte eine hervorragende Zeit bei der Austria, mit dem Meistertitel und der Champions League-Teilnahme. Aber ich habe dann bald einmal gespürt, dass jetzt bei mir der nächste Schritt kommen muss. Und Deutschland als Weltmeisterliga ist natürlich für jeden Fußballer ein Traum.

Und mittlerweile werden in der Bundesliga österreichische Spieler auch nicht mehr als Dösis verspottet.

Man merkt, dass wir Österreicher uns in den letzten Jahren viel Respekt erarbeitet haben. Auch jetzt im Gespräch mit meinen neuen Kollegen bei der Eintracht. Es können alle sehen, dass die Österreicher, die in der Bundesliga spielen, oder auch in der zweiten Liga, keine Mitläufer sind, sondern oft auch entscheidende Dinge machen. Und weil wir natürlich auch mit dem Nationalteam immer wieder Ausrufezeichen setzen, sehen sie im Ausland, dass wir am aufsteigenden Ast sind und merken: "Hoppla, da entwickelt sich was."

Apropos Entwicklung: Was erwartet einen Tormann eigentlich in Deutschland und in welchen Bereichen werden Sie sich umstellen müssen?

Gleich vorweg: Ich glaube, dass in keinem anderen Land die Dichte der richtig guten Torhüter so groß ist wie in Deutschland. Das hat dort einfach Tradition, wobei im Moment gerade sehr viele junge Torhüter spielen. In Deutschland wird von einem Tormann ein sehr modernes Spiel verlangt. Du musst mitspielen, viel antizipieren, die Angriffe einleiten, wobei das Wichtigste in allen Ligen gleich ist: Du musst die Bälle halten, egal wie.

Haben Sie keine Sorge, dass es Ihnen wie Ihrem Kollegen Robert Almer ergehen könnte, der in Hannover nur auf der Bank sitzen durfte?

Ich freue mich jetzt einmal richtig, dass ich diesen Schritt geschafft habe. Jetzt muss ich mich im Training immer bestätigen, mich präsentieren und aufdrängen. Aber eines ist mir auch bewusst: Wenn man von Österreich nach Deutschland kommt, kann man nicht erwarten, sofort die Nummer eins zu sein.

Auf die Gefahr hin, dass Sie Ihr Team-trikot verlieren und die EURO 2016 verpassen?

Klaus Lindenberger (Anm. der Tormanntrainer beim österreichischen Nationalteam) hat mir gut zugeredet und mir auch zu diesem Wechsel geraten. Er hat gesagt, dass er mit meiner Entwicklung zufrieden ist. Aber natürlich wäre es im Hinblick auf die Europameisterschaft in Frankreich wichtig, dass ich mich in Frankfurt etabliere und den nächsten Schritt auf der Karriereleiter mache. Klar ist, ich kann hier jedenfalls sehr viel lernen.

Abschließende Frage: Worauf freuen Sie sich in Deutschland am meisten?

Auf jeden Fall auf die Atmosphäre in den Stadien. Da sind wir in der österreichischen Liga ja nicht unbedingt verwöhnt. In Deutschland spielst du praktisch jede Runde vor ausverkauftem Haus. Das ist schon genial. Und ich freue mich auch auf ein Wiedersehen mit meinen Kollegen aus dem Nationalteam, die hier in Deutschland spielen. Da haben wir fast jede zweite Runde ein Österreicher-Duell.

Heinz Lindner

Goalie bei einem Kultklub

Der gebürtige Linzer (*17.Juli 1990) kam mit 14 Jahren zur Wiener Austria und schaffte 2010 den Sprung in die Kampfmannschaft der Violetten. 2013 gewann Lindner mit der Austria den Meistertitel und  schaffte  mit den  Wienern den Einzug in die Champions League.

Eintracht Frankfurt
Die Frankfurter gehörten 1963 zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Bundesliga. Den einzigen Meistertitel der Vereinsgeschichte gewann die Eintracht 1959, dazu kommen vier Cupsiege. 1980 holte Frankfurt mit Bruno Pezzey den Uefa-Cup. Lindner ist der elfte österreichische Legionär bei der Eintracht.

(kurier) Erstellt am
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