Louis Schaub vor dem Abflug: "Wir sind nicht für Urlaubsfotos in Spanien."

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Europa League
09/29/2016

Wenn Schaub trifft, biegt Rapid auf die Siegerstraße

Louis Schaub ist in Bilbao der Hoffnungsträger.

von Alexander Huber

Louis Schaub ist ein höflicher, zurückhaltender und bodenständiger Mann. So laufen auch Gespräche mit dem 21-Jährigen ab. Der beste Rapidler dieser Saison hat etwas zu sagen, will aber auch nicht zu viel verraten. Ob er jemals unvernünftig war? "Ein paar Momente gab es. Aber sonst bin ich normal."

Auf dem Flughafen in Bilbao, beim KURIER-Gespräch vor dem Gruppenspiel gegen Athletic, betont Schaub, "dass wir etwas mitnehmen wollen. Wir sind nicht für Urlaubsfotos in Spanien." Aber dann passiert ihm doch so ein Moment, wo er nicht gleich weiter weiß. Es geht um eine außergewöhnliche Statistik: Schaub spielte in 15 Partien, nur im Cup gegen Leobendorf war er krank. Immer wenn der Mittelfeldspieler ein Tor vorbereitet oder geschossen hat, gab es am Ende einen Rapid-Sieg. Nämlich acht (siehe Grafik).

Und wenn nicht – dann nicht. In nur sieben Spielen hat der Linksfuß nicht gescort. Die magere Rapid-Bilanz: fünf Remis, zwei Pleiten. "Von dieser Statistik hör’ ich zum ersten Mal", sagt der Niederösterreicher und denkt nach, wie er am besten reagiert. "Dann hoffe ich, dass ich gegen Bilbao ein Tor auflege oder selbst schieße. Dann schaut es gut für uns aus." Charmante Lösung – mit Zusatz: "Ich würde nicht sagen, dass ich der wichtigste Spieler bin. Jeder ist in einer langen Saison mit vielen Spielen wichtig."

Solche Zusätze sind dem Teamspieler (noch ohne Einsatz) wichtig. Genauso, wenn er über Trainer Mike Büskens spricht. "Jeder Trainer hat seine eigene Art. Für mich war es nicht schlecht, dass er gekommen ist." Kurze Pause. "Das soll aber nicht respektlos gegenüber Zoki Barisic klingen." Mit dem langjährigen Förderer verbindet Schaub eine besonders innige Beziehung, die auch nach dem Trainerwechsel anhält.

Fit zum Tor-Rekord

Geändert hat sich aber doch einiges. Etwa die Fitness. "Louis hat körperlich zugelegt", sagt Stefan Schwab, der es als Modellathlet wissen muss. "Ich konnte endlich eine Vorbereitung voll mitmachen. Das war extrem wichtig", sagt Schaub, der Büskens "von Tag eins an überzeugte."

Zweite Änderung: die Torausbeute. Die vier Europacup-Treffer sind fast Standard, aber die fünf Tore in der Liga schon der Top-Wert. "Ich trainiere täglich am Abschluss. Ich habe meine Chancen bis aufs letzte Spiel in St. Pölten gut genutzt." Nach jedem Treffer blickt Schaub in den Himmel, dankt Gott und denkt an seinen Vater Fred.

Der Ex-Admira-Stürmer hatte Frankfurt 1980 zum Europacup-Sieg geschossen, lernte Louis das Kicken und verstarb 2003 bei einem Autounfall. Am Rücksitz saß der Sohn. Louis überlebte. Die Mutter kämpfte weiter darum, dass der Hochbegabte Fußballer werden konnte.

Diese Familiengeschichte erklärt, wie Schaub über seinen Beruf spricht: "Wir können uns alle glücklich schätzen, dass wir diesen Job ausüben und gesund sind. Deswegen bin ich hier jeden Tag glücklich und stolz. Deswegen hab’ ich immer ein Lächeln im Gesicht."

Vertrag mit Klausel

Ungewöhnlich im modernen Fußball war auch die Verlängerung des auslaufenden Vertrages bis 2020. Schaubs Management bestand lediglich darauf, dass die Ausstiegsklausel erhalten bleibt. Sie ist jetzt komplizierter gestaltet und höher angesetzt. "Am Ende können wir mit den Interessenten auch noch verhandeln", verrät Sportdirektor Andreas Müller. Und natürlich, Schaub zählt jetzt zu den Top-Verdienern. Aber das hätte er mittels Handgeld bei einem ablösefreien Transfer 2017 auch lukriert.

"Ich wollte nicht umsonst gehen. Und das wäre auch nicht in Ordnung gewesen von mir", betont Schaub. "Rapid hat ja auch viel für mich gemacht."