Sport | Fußball 14.03.2014

Salzburg darf weiter vom Aufstieg träumen

Die Salzburger sind es nicht mehr gewohnt, nicht zu gewinnen. © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Remis in Basel: Die Salzburger kommen in der Schweiz nicht zu ihrem gewohnten Spiel.

Irgendwann haben sie ja enden müssen, die beeindruckenden Salzburger Serien. Nach 14 Pflichtspielsiegen in Folge, nach zehn Europa-League-Siegen in Serie und nach 61 Pflichtspielen, in denen immer zumindest ein Tor erzielt worden war, gab es am Donnerstag im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Basel ein 0:0 – und damit aber ein Resultat, mit dem Salzburg weiter vom Aufstieg ins Viertelfinale träumen darf.

Die intensive Saison – für Salzburg war es das 42., für Basel das 41. Pflichtspiel – hat bei beiden Teams ihre Spuren hinterlassen. Österreichs Tabellenführer musste mit Stürmer Alan und Linksverteidiger Ulmer zwei Spieler aus der Stammelf verletzungsbedingt vorgeben.

Notelf

Noch schlimmer hat es den Schweizer Meister erwischt. Sieben Spieler, darunter Stützen wie Kapitän Streller oder die Innenverteidiger Schär und Ivanov, konnten nicht eingesetzt werden. Dazu ist Neuzugang Calla in der Europa League noch nicht spielberechtigt. Angesichts dieser Ausfälle ist es durchaus bemerkenswert, dass die Basler eine Elf aufbieten konnten, die Salzburg lange bremste.

Das Pressing funktionierte in allen Zonen nicht so gut wie etwa im Sechzehntelfinal-Hinspiel in Amsterdam, weil das Doppeln, also das Attackieren mit zwei Spielern, nicht so klappte wie gewohnt. Basel wich in der eigenen Hälfte – so oft es möglich war – den Zweikämpfen aus.

Die Schweizer spielten nicht nur viele lange Bälle, sondern versuchten die Salzburger auch auszuspielen. Dazu erwischten sie sehr viele zweite Balle. Deshalb bekam Salzburg, bei denen sich das Fehlen von Alan und Ulmer – beide waren in den Ajax-Spielen noch dabei – doch bemerkbar machte, lange Zeit keinen Zugriff auf das Spiel.

Erfolgsversprechende Chancen hatte Österreichs Tabellenführer gegen den Schweizer aber trotzdem einige – besonders in den ersten 20 Minuten. Doch die Abschlüsse von Ilsanker (3.), Mane (8.), Leitgeb (13.) und Kampl (17.) waren nicht präzise genug, um Basel-Keeper Sommer, der im Sommer für eine Ablöse von acht Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach wechseln wird, bezwingen zu können.

Rumpelfußball

Je länger das in der ersten Hälfte hektische und von vielen Unsportlichkeiten geprägte, aber keineswegs hochklassige Spiel dauerte, desto mehr Probleme bekamen die Gäste, desto öfter kamen die Basler in die gefährliche Zone.

Und die Schweizer hatten in der letzten Viertelstunde vor der Pause auch zwei gute Möglichkeiten. Ex-Wolfsburg-Legionär Sio setzte einen Kopfball neben das Tor (33.), Kapitän Stocker konnte Salzburg-Keeper Gulacsi nicht bezwingen (42.).

Auch nach dem Wechsel blieb es zunächst eine Partie auf Augenhöhe, die aber weiterhin keineswegs ein Augenschmaus war.

Aber nach 20 Minuten bekamen die Salzburger doch immer mehr Oberwasser in der Stadt am Rhein, konnten sich die Basler nicht mehr so befreien wie in den 65 Spielminuten zuvor.

Immer wieder kamen die Gäste nun ins letzte Spieldrittel. Mehrmals hätte es große Tormöglichkeiten geben können. Doch diese ergaben sich nicht, weil der letzte und damit wichtigste Pass einfach nicht klappen wollte.

Nur einmal musste Sommer seine Klasse zeigen: Kurz vor Schluss parierte der Basel-Keeper einen harten Schuss des eingewechselten Berisha mit Bravour. Es blieb beim torlosen Remis, das große Spannung für das Rückspiel garantiert.

Dieses findet kommenden Donnerstag in der ausverkauften Red-Bull-Arena statt. Beide Teams werden in jedem Fall eine andere Startelf aufbieten müssen. Bei Salzburg ist Innenverteidiger Hinteregger gesperrt, bei Basel mit Serey Die der beste Mann des Hinspiels.

Das 0:0 ist ein gutes Ergebnis, aber wir müssen aufpassen

Bei den Salzburgern herrschte nach dem Spiel etwas gedrückte Stimmung. Zumindest einen Torerfolg hatte man sich erwartet, wie Christoph Leitgeb bestätigte. "Wir wollten unbedingt treffen. Aber der letzte Pass hat diesmal nicht geklappt, solche Situationen haben wir schon besser ausgespielt. Vielleicht haben uns da die Konzentration und die Konsequenz gefehlt."

Ebenso sah es Sportdirektor Ralf Rangnick: "Wenn die Spieler enttäuscht sind nach einem 0:0 in Basel, dann spricht das für die Jungs. Wir haben heute nicht ganz so gespielt wie schon in der Vergangenheit, nur phasenweise hat es gepasst."

Die Ausgangsposition für das Rückspiel ist gut, dennoch ist das 0:0 ein gefährliches Ergebnis, wie Leitgeb meint: "Wir müssen sehr aufpassen." Sadio Mane zückte gleich den Rechenstift: "Es ist ganz einfach, in einer Woche müssen wir gewinnen."

Basel-Trainer Murat Yakin: "Wir mussten heute umstellen und flexibel sein. Zu Beginn hatten wir einige Probleme, dann haben wir uns gut eingestellt auf Salzburg und selbst Chancen vorgefunden. Das 0:0 ist ein positives Ergebnis. Jetzt kommt in Salzburg ein offenes Spiel."

"Basel war ein sehr guter Gegner", meinte Stürmer Robert Zulj, der als Ersatz für den verletzten Alan einen schweren Stand hatte. "Die Gegner stellen sich immer besser auf uns ein. Wir müssen noch dominanter spielen", sagte der 22-Jährige nach einer "sehr kampfbetonten Partie. Sie haben hinten robuste Spieler, waren sehr gut im Zweikampf." Ausrede sei das freilich keine: "Wir haben unsere Chancen gehabt."

"Wir sind es eigentlich nicht mehr gewohnt, nicht zu gewinnen", musste Ilsanker nach dem ersten torlosen Bewerbsspiel des Teams seit 2. Dezember 2012 und nach zehn EL-Siegen en suite gestehen. Auch für seinen Trainer Roger Schmidt war es ein schon lange nicht mehr erlebtes Gefühl. Doch der Deutsche, dessen Team am Sonntag schon vorzeitig den Meistertitel in der Bundesliga fixieren könnte, zeigte sich angesichts des bevorstehenden Heim-Rückspiels am kommenden Donnerstag optimistisch, den Einzug ins Viertelfinale zu schaffen. "Wir können damit sehr gut leben und haben alle Chancen aufs Weiterkommen", meinte Schmidt, der schon vor der Partie auf die große internationale Erfahrung des Gegners, der aus der Champions League "umgestiegen" war, verwiesen hatte.

Schmidt war sich sicher: "Wir hätten den Sieg etwas mehr verdient gehabt." Er blicke mit Zuversicht auf den kommenden Donnerstag, wo Salzburg vor ausverkauftem Haus in Wals-Siezenheim antritt. "Nach dem, was meine Mannschaft in den letzten Monaten gezeigt hat, ist das logisch, dass ich optimistisch bin. Wir sind aber sicher nicht überheblich."

"Basler Zeitung": "Der erste Bullenritt endet ohne Abwurf. Mit großen Erwartungen sind der FC Red Bull Salzburg und seine Entourage nach Basel gereist, haben sich nach einer beeindruckenden Eruopa-League-Kampagne ungemein stark gewähnt. Und sind dann in Schach gehalten worden."

"bz Basel": "Sie scharrten, sie schnaubten, sie trampelten - aber zu bejubeln hatten sie nichts. Verwundert rieben sich die mitgereisten Journalisten aus unserem Nachbarland die Augen. Sie waren der festen Überzeugung, eine Partie ohne Treffer ihrer Mannschaft sei in der derzeitigen Verfassung ein Ding der Unmöglichkeit."

"Berner Zeitung": Unter diesem Aspekt (Personalnot bei Basel, Anm.) ist das torlose Remis für Basel als Ergebnis zu werten, das durchaus zu verkraften ist. Zum einen stoppten sie einen aufgeputschten Kontrahenten, [...] andererseits dürfte sich das medizinische Bulletin in den kommenden Tagen mutmaßlich etwas entschärfen. In der Red-Bull-Arena ist zwar mit einem noch intensiveren Salzburger Crescendo zu rechnen, aber die Chance auf einen weiteren Viertelfinalvorstoß hat Basel sicherlich nicht verspielt."

"Tagesanzeiger": "Das ist allein darum kein schlechtes Ergebnis, weil die Österreicher mit dem Ausweis angereist waren, in den letzten 15 Monaten in 61 Wettbewerbsspielen in Serie immer mindestens einen Treffer erzielt zu haben, alles in allem deren 191. Und das Remis gewinnt unter Berücksichtigung der personellen Basler Notlage zusätzlich an Wert."

"Neue Zürcher Zeitung": "Angesichts dieser schwierigen Personallage lösten die Basler ihre Aufgabe ansprechend, vor allem kassierten sie kein Gegentor."

"20minuten.ch": "Der FCB hatte lediglich in der Startphase einige Schwierigkeiten. Das Resultat ist für den FCB trotz des torlosen Remis durchaus positiv."

Juve zittert um das Endspiel in Turin

Das Europa-League-Finale findet heuer in Turin statt. Ob auch Juventus Turin daran teilnimmt und einen Heimvorteil genießt, steht seit Donnerstagabend in den Sternen. Denn im Heimspiel gegen Fiorentina kam Juventus über ein mageres 1:1 nicht hinaus.

Was nützte es da, dass man früh durch Vidal in Führung ging, das Geschehen über weite Strecken dominierte, Fiorentina nur kaum gefährlich wurde? Und dann wurde bei Fiorentina Stürmer Mario Gomez eingewechselt. Zehn Minuten brauchte der Deutsche, um auf Touren zu kommen und den Ausgleich zu erzielen.

Spitzentänze

Mit dem FC Porto und dem SSC Napoli trafen einander im Stadio do Dragao zwei Teams auf Augenhöhe. Der FC Porto, der in der Champions-League-Gruppe im Herbst noch punktegleich mit der Wiener Austria rangiert hatte, fand in der ersten Hälfte die besseren Chancen vor, allein nützen konnten die Portugiesen diese nicht. Noch nicht.

Napoli kam nach einem Kaltstart zwar immer besser ins Spiel, bot dem FC Porto auch Paroli, den Unterschied machte am Ende ein Stürmerstar aus. Jackson Martinez traf in der 57. Minute zum 1:0 für den FC Porto. Quinteiro testete in der Schlussphase mit einem Schuss das Aluminium des Napoli-Tors.

Benfica Lissabon ist der nächsten Runde einen Schritt näher gekommen. Die Portugiesen gewannen in einer hoch stehenden Partie in London Tottenham Hotspur mit 3:1.

Ein besonderes Derby fand in Sevilla statt. Erstmals standen sich der FC und Betis Sevilla auf internationaler Bühne gegenüber. Betis wird die Premiere in guter Erinnerung behalten, die Gäste gingen als 2:0-Sieger vom Feld des Estadio Sanchez Pizjuan. Der FC bestimmte das Spielgeschehen, vor allem in der zweiten Hälfte. Betis traf dafür und das doppelt.

Europa League

Basel, St. Jakob-Park, 17.027, SR Ovidiu Hategan/ROM

Basel: Sommer - P. Degen, Sauro, Suchy, Ar. Ajeti - Serey Die (90. Embolo), Frei, Stocker, D. Degen - Delgado (71. Elneny), Sio (93. Al. Arjeti)

Salzburg: Gulacsi - Schwegler (46. Klein), Ramalho, Hinteregger, Svento - Kampl (91. Lazaro), C. Leitgeb, Ilsanker, Mane - R. Zulj (85. Berisha), Soriano

Gelbe Karten: Serey Die, Sio, P. Degen bzw. Hinteregger, Mane, Klein
Die Besten: Serey Die, Sommer bzw. Kampl, Leitgeb

Rückspiel am kommenden Donnerstag (20. März, 21.05 Uhr) in Wals-Siezenheim
Viertelfinal-Auslosung am 21. März

Weitere Achtelfinal-Hinspiele vom Donnerstagabend:

FC Basel - Red Bull Salzburg 0:0

FC Porto - SSC Napoli 1:0 (0:0)
Tor: Martinez (57.)

Ludogoretz Rasgrad - FC Valencia 0:3 (0:2)
Tore: Barragan (5.), Cartabia (33.), Senderos (59.)
Rote Karten: Quixada (80.) bzw. Keita (24.)

Erstellt am 14.03.2014