Jürgen Klopp wie er leibt und lebt.

© REUTERS/Dylan Martinez

Europa-League-Finale
05/19/2016

Liverpool-Coach Klopp fühlt sich betrogen

Der Deutsche haderte nach der Finalniederlage mit einigen Schiedsrichterentscheidungen.

"Eines Tages wird jeder sagen, dass das Finale in Basel ein entscheidender Moment für die wundervolle Entwicklung des FC Liverpool war", sagte Jürgen Klopp nach der 1:3-Finalniederlage in der Europa League gegen Sevilla.

So besonnen, optimistisch und zukunftsgerichtet waren freilich bei weitem nicht alle seiner Aussagen am Mittwochabend. Zu bitter war die Niederlage. Zu unverständlich. Und zu sehr ärgerte er sich über einige Schiedsrichterentscheidungen.

"Ich glaube, es gab heute vier wegweisende Entscheidungen, vielleicht sogar mehr, die alle gegen uns gepfiffen wurden. In einem Finale, wenn es so eng ist, da brauchst du dann eben auch Glück. Jeder ausländische Journalist hat mir gesagt, dass es zwei klare Hand-Elfmeter in der ersten Halbzeit waren", war Klopp nach Abpfiff zu Recht wütend.

Und haderte: "Es ist bislang so, dass keine Fehlentscheidung in keinem Finale je zu meinen Gunsten war."

Nur auf die Schiedsrichterleistung wollte er die Leistung dann aber doch nicht zurückführen. Bei allem Ärger über die Entscheidungen des Unparteiischen, "Nummer eins aller Maßnahmen nach einem verlorenen Spiel ist Selbstkritik. Und die ist noch nicht abgeschlossen."

Es war die fünfte Final-Niederlage in Folge für Klopp. Zuletzt hatte er 2012 (5:2 im DFB-Pokalfinale mit Dortmund gegen Bayern) den Platz nach einem Endspiel als Sieger verlassen.

Von einem Final-Fluch will Klopp aber nichts wissen: "Ich glaube nicht, dass Gott sich vorgenommen hat, mich ins Finale zu lassen und mir dann jedes Mal einen Schlag zu geben. Manchmal ist der Weg eben etwas schwerer. Heute war ich nicht glücklich, das stimmt. Aber wir machen weiter, ich mache weiter, und es wird ein nächstes Finale kommen."

"No Pott for Klopp"

Im Europacup ist Liverpool kommende Saison allerdings nicht vertreten, hatte es in der Liga doch nur zu Endrang acht gereicht. Dazu ging Ende Februar auch das Ligacup-Finale gegen Manchester City im Elfmeterschießen verloren.

"No Pott für Klopp", titelte dieBild-Zeitung am Donnerstag. Deutsche Medien mutmaßen bereits, dass durch das Verpassen des internationalen Geschäfts für die kommende Saison auch der Transfer von Mario Götze nach Liverpool scheitern könnte. Der deutsche WM-Goldtorschütze von 2014, bei den Bayern nur Reservist, war unter Klopp in Dortmund groß geworden und gilt als dessen Wunschspieler.

Die Finalpleite gegen Sevilla nach 1:0-Pausenführung nahm Klopp auch auf seine Kappe. Ein blitzartiges Tor von Kevin Gameiro 17 Sekunden nach der Pause änderte den Verlauf der Partie. Liverpool reagierte geschockt, warf jegliche Ordnung über Bord. "Es ist meine Aufgabe, den Spielern dabei zu helfen, besser zu reagieren", erinnerte Klopp.

Eine Reaktion blieb aus. Nach einer emotionalen Saison samt Trainerwechsel im Oktober - Klopp war Brendan Rodgers nachgefolgt - steht Liverpool mit leeren Händen da. Die "Reds" können sich in der kommenden Spielzeit auf die Premier League konzentrieren. 2014 hatte Liverpool dort als Zweiter nur um zwei Punkte den Meistertitel verpasst - den ersten seit 1990.

Die Oberhand behielten aber einmal mehr die Spezialisten aus Sevilla. Dreimal in Serie hat noch kein Team die Europa League bzw. den Vorgängerbewerb UEFA-Cup gewonnen. Die Andalusier wurden erneut mit einem Platz in der Champions League belohnt.

Sie unterstrichen auch die spanische Dominanz in Europa. Weil einander am 28. Mai im Champions-League-Finale in Berlin wie 2014 Atletico und Real Madrid gegenüberstehen, gehen zum dritten Mal in Folge beide Europacup-Titel nach Spanien.

Anders als Real Madrid oder der FC Barcelona hat Sevilla aber nicht die Ressourcen, um ganz große Namen einzukaufen. Der Club hat eine Nische besetzt, entwickelt gut ausgebildete Profis weiter und verkauft sie regelmäßig mit großem Gewinn.

Schon am Vorabend des Finales hatte Klopp den spanischen Fußball gelobt. Er verfüge über besseres Scouting, bessere Trainer und über eine bessere Spielerausbildung als seine englischen, deutschen oder italienischen Widerparte.

"Es liegt nicht an uns, das zu beurteilen", meinte der siegreiche Coach Unai Emery. "Ich habe meine eigene Theorie. Vielleicht ist der Standard des spanischen Fußballs gut. Aber es ist auch schon oft bewiesen worden, dass spanische Teams leidenschaftlich auftreten. Sie sind auf höchstem Level konkurrenzfähig, und wir haben es auch schon geschafft, gegen Teams zu gewinnen, die besser sind als wir."

In den vergangenen drei Europa-League-Endspielen behielt Sevilla gegen Benfica Lissabon, Dnipro Dnipropetrowsk und Liverpool die Oberhand. Emery gewann den Bewerb als erst zweiter Trainer nach Giovanni Trapattoni bereits zum dritten Mal - und das in Serie. Dem italienischen "Maestro", von 2006 bis 2008 in Salzburg tätig, war dies im UEFA-Cup 1977 und 1993 mit Juventus Turin sowie 1991 mit Inter Mailand gelungen.

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