Eurofighter-Lobbyist finanzierte Rapid-Gagen

Fotomontage: Eurofighter schüttet Geld aus.
Foto: reuters, KURIER Grünweißes Wunschbild: Auch im Dezember 2004 wurde über Mittelsmänner versucht, von einem Eurofighter-Lobbyisten einen Vorschuss für das Weihnachtsgeld zu erhalten.

Neue Dokumente erhellen den Deal zwischen Rapid und der EADS: Wie dem Rekordmeister aus der Patsche geholfen wurde. Und was als Gegenleistung erwartet wurde.

Rainer Fleckl Foto: KURIER SPURENSUCHE: Rainer Fleckl

Die Medien berichteten von einem "dramatischen Kampf bis zum Schluss". Rapid oder Austria – wer wird Winterkönig 2004? Am Ende schaffte es der Rekordmeister. Rapid. Mit Müh’ und Not und dank eines Treffers in der Nachspielzeit. "Dass sich das noch ausgegangen ist, grenzt an ein Wunder", notierten die Berichterstatter.

Tatsächlich grenzt es im Rückblick an ein Wunder, dass sich das noch ausgegangen ist. Nicht aus sportlicher, vielmehr aus finanzieller Sicht. Doch wie dramatisch es in diesen Dezembertagen des Jahres 2004 um die Finanzen des populärsten Fußballklubs des Landes stand, das war damals nur einer Handvoll Insider bekannt.

Liquiditätsloch

Rapid spielt heute, am 30. September 2004, das UEFA-Cup-Rueckspiel gegn Sporting Lissabon in Wien. Im Bild Rudolf Edlinger, Heinz Fischer und Alfred Gusenbauer auf der Tribuene. REUTERS/Herwig Prammer REUTERS Foto: reuters Daumendrücker: Edlinger (li.), Fischer, Gusenbauer (vo.).

Rapid Wien hatte in seinem einhundertfünften Bestandsjahr ein massives Liquiditätsproblem. Und jetzt, Mitte Dezember, waren die Weihnachtsgelder für die Profis der Kampfmannschaft fällig. Mehrere hunderttausend Euro. Auf einen Schlag.

KURIER-Recherchen ergaben: Rapid hat damals, als der Verein auf dem schmalen Grat zwischen sportlichem Aufstieg und finanziellem Absturz wandelte, Kontakt zu einem Lobbyisten des Eurofighter-Herstellers EADS gesucht, um dieses Liquiditätsloch zu stopfen und die drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Der Kontakt des Rapid-Managements lief pikanterweise über einen Politstrategen, wie vorliegende Unterlagen zweifelsfrei belegen.

Bettelbrief

In dem Fax dieses Politberaters an den Eurofighter-Lobbyisten S. vom Dezember 2004 wird dieser geradezu flehentlich ersucht, dem klammen Sportverein aus der Patsche zu helfen. Aus "EADS-internen Gründen" sei eine Anweisung der nächsten Sponsorrate an Rapid "frühestens Ende Jänner zu erwarten", schreibt der Stratege. Rapid-Generalmanager Werner Kuhn "muss aber wiederum am Mittwoch bereits die Weihnachtsgehälter anweisen." Unmittelbar danach der Schlüsselsatz des Bettelbriefs aus der Feder des Strategen: Er habe mit Kuhn "vereinbart, Dich zu ersuchen (…), weil Du kommuniziert hast, unter bestimmten Voraussetzungen nochmals in Vorlage zu gehen. Die Voraussetzungen sind aus meiner und Kuhns Sicht gegeben."

"Nochmals in Vorlage zu gehen" – das bedeutet schlichtweg: Rapid hat Mitte Dezember 2004 offensichtlich bereits ein zweites Mal den Versuch unternommen, Gelder von einem ausgewiesenen Eurofighter-Lobbyisten zu lukrieren, um ein Liquiditätsloch zu stopfen und die doppelten Gagen der Profis begleichen zu können. Ein Umstand, der aus mehreren Gründen äußerst bemerkenswert ist.

Tarnmanöver

Aus dem geheimen Projektpapier: SPÖ-Größen sollten am Eurofighter-Deal verhaltenere Kritik üben Foto: KURIER Aus dem geheimen Projektpapier: SPÖ-Größen sollten am Eurofighter-Deal verhaltenere Kritik üben.

Zum einen hat Rapid nach Bekanntwerden der wohlweislich vertraulich gehaltenen EADS-Connection (2007) bis dato öffentlich abgestritten, dass der angebettelte EADS-Mittelsmann S. überhaupt in den umstrittenen Sponsoringdeal eingebunden war. In den Deal zwischen einem Arbeiterklub und einem Kampfjet-Hersteller, der nach seinem Auffliegen mit politischer Häme kommentiert wurde. Klubmanager Werner Kuhn hatte jedweden engeren Kontakt zu S. sogar als Zeuge unter Wahrheitspflicht im Eurofighter-Untersuchungsausschuss in Abrede gestellt (siehe Hintergrund).

Zum anderen hatte sich auch Rapid-Präsident Rudolf Edlinger 2007 hinter der Position verschanzt, die EADS-Millionen, die zwischen 2003 und 2007 flossen, seien lediglich für die Nachwuchsförderung verwendet worden. Und überhaupt: "Das ist ein seriöses Unternehmen, 90 Prozent seiner Produkte haben nichts mit Waffen zu tun. Warum sollte man mit so einem Partner nicht weiter in Kontakt bleiben?"

Schönfärbung einer Peinlichkeit für Rapid?

Es kann dahingestellt bleiben, wer nun die Weihnachtsgelder der Rapid-Profis im Dezember 2004 finanziert hat – der im Bettelbrief genannte Rapid-Manager Werner Kuhn jedenfalls kann sich an praktisch überhaupt nichts mehr erinnern.

Laut KURIER-Informationen hatte Lobbyist S. dem Traditionsklub nämlich bereits im Februar 2003 aus der Patsche geholfen und vorübergehend einen Liquiditätsengpass beseitigt, da die Rate des offiziell für den Rapid-Nachwuchs bestimmten EADS-Sponsorings noch nicht in Hütteldorf gelandet war.

Rapid-Manager Werner Kuhn fehlt leider dazu in zwei ausführlichen Gesprächen mit dem KURIER jede konkrete Erinnerung: "Es ist möglich, dass wir einen Liquiditätsengpass hatten." Aber er, Kuhn, könne sich, wie er dutzendfach betont, beim besten Willen "nicht mehr daran erinnern", wie bzw. mit wem dies in den Jahren 2003 oder 2004 gelöst worden sei.

Es kommt allerdings noch peinlicher: Dem KURIER liegen des weiteren auch interne Dokumente aus dem Jahr 2003 vor, die Hintergründe und Motivation des Rapid-Eurofighter-Deals erhellen könnten. Unter diesen Unterlagen: Das Grundkonzept des Politstrategen für die EADS, bezeichnender Projekttitel: "Die rote Vier."

Einleitend wird unter dem Punkt "Die Grundlage" ausgeführt: "Die vier einflussreichsten SPÖ-Politiker auf Bundesebene haben eines gemeinsam: Alfred Gusenbauer, Josef Cap, Heinz Fischer und Rudolf Edlinger sind eingefleischte Rapid-Anhänger und -Mitglieder." Nur zur Erinnerung: Die 1,96-Milliarden-Euro-teuren Kampfflugzeuge des Typs Eurofighter Typhoon wurden von der schwarz-blauen Regierung beschafft, die SPÖ befand sich damals in Opposition und übte heftige Kritik.

Die entlarvende Passage des Papiers findet sich unter dem Punkt "Das Projekt". Dort heißt es: "Durch das (…) Sponsoring wird erreicht, dass sich die SPÖ in ihrer Kritik der Abfangjäger auf die Position der Kontrolle im kleinen Untersuchungsausschuss und durch den Rechnungshof sowie eine transparente und begleitende Kontrolle bei den Gegengeschäften zurückzieht. Insbesondere die rote Vier."

Ob das so war, sei dahingestellt. Denn es bleibt ein bemerkenswertes Faktum: Eine Passage in dem Fördervertrag, der kurze Zeit später zwischen Rapid und dem EADS-Konzern geschlossen wurde. Darin wird als Gegenleistung für die Sponsormillionen die "Nutzung des Rapid-Netzwerkes" zugesichert. Von Rapid.

Wie auch immer dieses Netzwerk gesponnen ist – diese "Nutzung" dürfte für den Eurofighter-Lieferanten von hoher Bedeutung gewesen sein.

Die rein werblichen Gegenleistungen waren nämlich höchst vernachlässigbar: Trotz der kolportierten fünf Millionen Euro, die zwischen 2003 und 2007 zu Rapid transferiert wurden, schien die EADS nie auf einem Rapid-Trikot auf.

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(kurier) Erstellt am
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