Sport | Fußball 08.02.2012

Er brachte die Spanier nach Österreich

© Bild: Alexander Huber

Nicolas Oliva ist der Mann hinter dem Importboom aus Spanien.

Die Suche nach einem Fischrestaurant kann Leben verändern. Und den Fußball in Österreich. 1995 kam ein junger Spanier auf Urlaub nach Oberösterreich und wollte guten Fisch essen. "Ich habe nirgendwo ein passendes Lokal gefunden. Also musste ich selbst eines eröffnen. Benannt wurde es nach meiner Heimat `Gran Canaria`", erzählt Nicolas Oliva über sein Restaurant in Sierning.

Heute ist Nicolas Oliva 43 Jahre alt, mit seiner rumänischen Frau Bogdana in Oberösterreich bestens integriert und der Grund dafür, warum in den beiden Profiligen mittlerweile 13 Spanier spielen. Nur Deutschland stellt mit 15 Kickern mehr Legionäre in Österreich.

"Losgegangen ist es 2007, als ich Andreas Heraf und Gerhard Schweitzer geholfen habe, in Valencia hospitieren zu dürfen", erinnert sich Oliva. Mit auf den Weg bekamen der damalige Schwanenstadt-Trainer und der Assistent von Ried-Coach Gludovatz Olivas Tipp, rund um Valencia Spiele der dritten und vierten Liga zu besuchen.

"Schweitzer war total überrascht, wie hoch die Qualität der in Spanien nur dritt- oder viertklassigen Spieler ist", sagt Ried-Manager Stefan Reiter, der als Erster den Mut aufbrachte, zuzugreifen. Nacho kam 2008 aus Lanzarote und schlug ein. Aus Ried wurde in nur vier Jahren ein spanisches Dorf.

Oliva erkannte, "dass da eine Tür für mich aufgeht" - und gründete mit seinem Partner Mame die Spieleragentur "Cantera Sport". Mame scoutet und kontaktiert die Spieler in Spanien, Oliva verhandelt mit den Vereinen und betreut die Kicker vor Ort. Mittlerweile beschäftigen auch deutsche, rumänische und türkische Vereine die insgesamt 56 Legionäre der Agentur.

Am Montag brachte Oliva Innenverteidiger Solano, der vor drei Jahren noch Kapitän bei Barcelona B war, als bislang letzten Spanier zu Zweitligist WAC/St. Andrä. Lediglich Salzburgs Reservist Chema Anton wurde nicht vom vierfachen Familienvater vermittelt.

Betreuung

Rieds spanisches Trio: Ivan Carril-Regueiro, Ignacio "Nacho" Rodriguez-Ortiz und Guillem Marti-Misut (vo. li. n. re.).
© Bild: APA/RUBRA

Oliva warnt aber davor, spanische Legionäre trotz hochklassiger Ausbildung und (wegen der Wirtschaftskrise) guten Preis-Leistungs-Verhältnisses als Allheilmittel zu betrachten: "Spanier sind auf dem Feld diszipliniert, abseits davon brauchen sie aber einen Papa, der für sie da ist."

Während Legionäre anderer Nationen mit einer Gehaltsaufbesserung glücklich werden, zählt für Spanier vor allem das private Umfeld: "Wenn es im Kopf nicht passt, werden sie gefährlich und die Leistung sackt ab." Diese Erfahrung machte zuletzt Wacker mit Inaki Bea, der 2010 noch ausgezeichnet verteidigt hatte.

Deshalb tingelt Oliva als persönlicher Betreuer unaufhörlich von einem Kicker zum nächsten. "Spanier haben eine eigene Mentalität. Sie sind stolz und sprechen nicht mit Teamkollegen über private Sorgen, selbst wenn es ein Landsmann ist. Ich bin dafür ihr Papa, der auf die Fußballer-Familie schaut." St.-Pölten-Trainer Martin Scherb bestätigt Olivas Arbeitsweise: "Er ist jede zweite Woche in St. Pölten, lässt sich über alle Details informieren und verbringt viel Zeit mit unserem Goalgetter Segovia."

Integration

Um den Vereinen die Integration zu erleichtern, bekommen die Spanier von Oliva Verhaltensregeln: "Sie dürfen in der Kabine nicht neben anderen Spaniern sitzen und sollen sich auch für die Übungen beim Training Österreicher als Partner aussuchen."

Derzeit verhandelt die Austria mit Marti Riverola von Barcelona B, und ein Ende des Importbooms aus dem Land des Welt- und Europameisters ist nicht in Sicht. "Nur drei Spieler, die 2007 in Österreich U-19-Europameister wurden, haben es in die Primera Division geschafft", weiß Oliva. Der Rest wäre bereit, an die Stätte des Triumphes zurückzukehren.

Sein Restaurant " Gran Canaria" hat der Fischliebhaber übrigens verkauft.

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Erstellt am 08.02.2012