Xherdan Shaqiri

© REUTERS/DENIS BALIBOUSE

EM-Starter
06/03/2016

Die "Nati" wird zum Spielball der Emotionen

Vor der EURO: Unruhige Zeiten in der Schweiz.

von Christoph Geiler

Waren das Zeiten, als der Schweizer Fußball als Vorbild für gelebte Integration und den Doppelpass der Kulturen galt. Als die "Nati" das Land einte und alle stolz waren auf den bunten Haufen in den roten Schweizer Teamtrikots und die Fußballbegeisterung keine Grenzen kannte.

Mittlerweile scheint die Stimmung eine ganz andere zu sein. Das war deutlich zu hören im Trainingslager des österreichischen Teams in Laax, wo die Einheimischen die Österreicher "um Marcel Koller und die Euphorie im Land" beneideten. Das ist aber auch deutlich zu lesen in den Schweizer Medien.

Von einem "Balkan-Graben" war da bereits die Rede (©Aargauerzeitung), von einem Duell zwischen den Ur-Schweizern und den Secondos, wie die Spieler mit Migrationshintergrund in der Schweiz genannt werden.

Diskussionen

Das Thema ist höchst sensibel und die Diskussionen nehmen mittlerweile bizarre Züge an. Plötzlich wird etwa Kritik laut, weil einige Schweizer Teamspieler beim Abspielen der Nationalhymne schweigen. Auf einmal ist es ein Thema, dass auf den Fußballschuhen von Spielmacher Xherdan Shaqiri, der kosovarische Wurzeln hat, neben der Schweizer Flagge auch noch die Fahnen von Albanien und des Kosovo abgebildet sind.

Dieses Thema erhielt jetzt noch mehr Brisanz, seit der Kosovo als 210. Mitglied bei der FIFA aufgenommen wurde und nun in der Schweiz die Angst umgeht, dass der eine oder andere Spieler kurzerhand das Weite suchen und die Nationalmannschaft wechseln könnte.

Unruhe

In diesen Ambiente der Unruhe und der Vorwürfe ist Teamchef Vladimir Petkovic wahrlich nicht zu beneiden. Zumal der Coach selbst alles andere als unumstritten ist und in der Öffentlichkeit, aber auch bei den Spielern, bei Weitem nicht so hoch im Kurs steht wie sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld.

Vladimir Petkovic nerven die Debatten zusehends, die Kritik an den Secondos kann er nicht nachvollziehen. "Mir fällt auf, dass es in anderen Sportarten kein Problem ist, die Hymne nicht zu singen", sagte er erst dieser Tage in einem Interview.

Brisanz

Es darf allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass in der "Nati" so schnell Ruhe einkehren wird. Ganz im Gegenteil: Dank Albanien, dem Auftaktgegner bei dieser EM-Endrunde (11. Juni) sind die emotionalen Diskussionen schon vorprogrammiert. Im Aufgebot der Albaner stehen immerhin gleich zehn Spieler, die in der Schweiz aufgewachsen sind. Besonders brisant ist das Familien-Duell der Xhakas.

Granit Xhaka ist der Star der Schweizer Nationalmannschaft, sein älterer Bruder Taulant läuft für EM-Neuling Albanien auf.

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