Sport | Fußball 07.01.2013

Eine europäische Angelegenheit

Der "Weltfußballer des Jahres" kommt bisher immer aus einer europäischen Liga

Cristiano Ronaldo! Andrés Iniesta!! Lionel Messi!!! An der Nominierung der drei Superstars zur Wahl zum Weltfußballer des Jahres gibt es keine fachlichen Zweifel. Und doch regte sich Unmut vor der FIFA-Wahl am Montagabend. Besonders aus Brasilien kam Kritik: Der eigene Held, Neymar, sei chancenlos.

Brasiliens Zauberfußballer Neymar da Silva Santos Júnior ist bei der jährlichen FIFA-Gala in Zürich gern gesehener Gast. Aber nicht mehr. Zu einer Final-Nominierung für den Hauptpreis hat es für ihn noch nie gereicht. Und das sorgt im Land des Rekordweltmeisters für Ärger.

Der x-te Erbe Pelés habe gar keine Chance auf die renommierte Auszeichnung des Weltverbandes, lautet der Vorwurf. Schlichte Begründung: Neymar spielt beim FC Santos in Brasilien und nicht wie etwa Messi, Ronaldo oder Iniesta bei einem Topverein in einer der stärksten Ligen Europas.

Prominenter Kritiker

"Neymar muss entweder in Europa spielen oder bei der WM 2014 großartige Leistungen zeigen", sagte der dreifache Weltfußballer Ronaldo kürzlich in São Paulo zu den Chancen seines Landsmanns auf die wichtigste persönliche Auszeichnung der Fußball-Welt. Als Ronaldo dies sagte, saß ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter neben ihm. Dieser sah keine andere Möglichkeit, als Ronaldo, dem Weltmeister von 2002, beizupflichten.

Ronaldo übt Kritik
epa03514416 Former soccer players Zinedine Zidane (L) and Ronaldo Luis Nazario de Lima, Ronaldo (R), attend a press conference i… © Bild: APA/NECO VARELLA
Der Weltfußballer wird von den Nationaltrainern und Kapitänen aller FIFA-Mitgliedsländer gewählt. Seit 2010 dürfen auch internationale Journalisten ihr Votum abgeben. Die Gala-Auftritte von Messi und Kollegen sind durch die weltweite Vermarktung des europäischen Fußballs auch weltweit zu sehen. Neymars Wundertaten bleiben dem globalen Publikum oft verborgen. Die spektakulären Tore des 20-Jährigen verbreiten sich am ehesten noch auf der Videoplattform YouTube.

"Er ist der beste Spieler in Brasilien, aber in Europa ist von ihm nur wenig zu sehen", sagte Ronaldo. "Wir kennen sein Potenzial, und er verdient es, auf der Shortlist der besten drei Spieler zu sein, aber die Welt kennt seinen Fußball nicht." Ronaldo selbst gewann seine drei Goldenen Bälle 1996, 1997 und 2002, als er für PSV Eindhoven, FC Barcelona, Inter Mailand und Real Madrid spielte. Eine Lösung für Neymar laut Ronaldo: „"Der kürzeste Weg wäre, für ein großes Team in Europa zu spielen." Doch gerade dagegen hat sich Neymar entschieden, er verlängerte seinen Vertrag bei Santos bis 2014.

Europäische Sache

Der Vorwurf des Eurozentrismus schmeckt der FIFA gar nicht. Doch die Zahlen sind erdrückend: Seit Einführung der Weltfußballer-Wahl im Jahr 1991 spielten die Top Drei alle für einen Verein in Europa. Bei den Siegern sind Spieler des FC Barcelona einsame Spitze.

Cannavaro hat seinen Titel den Leistungen bei der WM zu verdanken
epa02245380 Italy captain Fabio Cannavaro holds the World Cup Trophy before the start of the FIFA World Cup 2010 Final match bet… © Bild: APA/SRDJAN SUKI
Ernsthaft wird niemand an der Berechtigung der Siege von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zwischen 2008 und 2011 zweifeln. Augenscheinlich ist jedoch, dass persönliche Erfolge oder Titel in der Vermarktungsmaschine Champions League mehr wiegen als Leistungen in der Nationalmannschaft.

Der letzte Weltfußballer, der aufgrund seiner Leistungen bei einem großen Turnier gekürt wurde, war Italiens Verteidiger Fabio Cannavaro im WM-Jahr 2006.

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( Kurier ) Erstellt am 07.01.2013