Sport | Fußball 05.12.2011

Ein Trauma holt Hannover ein

Zwei Jahre nach dem Selbstmord von Robert Enke nimmt sich Goalie Markus Miller eine Auszeit. Er ist mental erschöpft.

Keine zwei Jahre ist es her, dass sich Hannovers Robert Enke das Leben nahm. Am 10. November 2009, nachdem er insgesamt sechs Jahre an Depressionen gelitten hatte, warf sich der Torhüter, der auch zum Stamm des deutschen Nationalteams gehörte, vor einen Zug.

22 Monate später ist Hannover erneut bestürzt. Ersatz-Torwart Markus Miller gab am Montag bekannt, sich wegen einer psychischen Erkrankung in stationäre Behandlung zu begeben. Miller leidet an mentaler Erschöpfung und wandte sich an den Verein. "Natürlich sind wir alle betroffen, doch ich glaube, dass die Mannschaft ihm jede Unterstützung geben wird", sagte Hannover-Trainer Mirko Slomka.

Mut

Klubchef Martin Kind lobte, dass Miller mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen ist: "Dieser Schritt ist ein Zeichen von Mut. Er hat in einem Klub, der ein furchtbares Erlebnis mit einem persönlichen Schicksal durchgemacht hat, bewusst den Gang an die Öffentlichkeit gewählt und klare Fakten geschaffen." Auch Bundestrainer Löw meinte: "Ich glaube, dass es eine gute Entscheidung war von Miller, dass er den Schritt gegangen ist."

Der 29 Jahre alte Torwart sagte in einer Mitteilung des Vereins: "Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Klub, unsere Fans und die Medien über meine Erkrankung zu informieren." Weiter erklärte Miller: "Seit einiger Zeit habe ich immer seltener das Gefühl, dass ich der Mannschaft wirklich helfe oder etwas Wesentliches bewirke. Dabei erlebte ich zunehmenden, großen inneren Druck und Anspannungen, die mich begannen zu blockieren."

Aufstieg

Der Familienvater, der im Sommer 2010 aus Karlsruhe kam, ist bisher die Nummer zwei hinter Ron-Robert Zieler. Er hat für Hannover 96 noch kein Punktspiel absolviert. Durch den Ausfall Millers profitiert ein Österreicher: Samuel Radlinger, zuletzt bei der Unter-20-WM in Kolumbien Österreichs Nummer eins, rückt in Hannover vom dritten Torhüter auf.

"Ich habe ihn informiert, das er nun die Nummer zwei ist", sagte Trainer Slomka, der früh von Miller ins Vertrauen genommen wurde. "Markus hat mich umfassend informiert", sagte der Trainer.

"Oberste Priorität hat für uns alle, dass Markus Miller von seinen Ärzten erfolgreich behandelt werden kann", sagte Hannovers Manager Jörg Schmadtke. "Wir stärken und schützen ihn, weil er sich mit aller Offenheit seinen psychischen Schwierigkeiten stellt, die unverändert in unserer Gesellschaft als Tabu-Thema behandelt werden."

Schmadtke, der zuletzt den Österreicher Daniel Royer unter Vertrag genommen hatte, war bereits im November 2009 Hannovers Manager, als der Suizid von Enke die Sportwelt geschockt hatte. "Bei Markus Miller ist von einer deutlich positiven Behandlungsprognose auszugehen", sagte Martin Braun. Der Psychologe, Arzt und Psychotherapeut betreut Miller bereits längere Zeit.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011