Austria-Trainer Thorsten Fink (li.) und Rapid-Trainer Zoran Barisic

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317. Derby
04/17/2016

Drei Jahre Barisic: Das Jubiläum zum Krisen-Derby

Zoran Barisic ist seit drei Jahren Rapid-Trainer, Thorsten Fink ist sein sechster violetter Konkurrent.

von Alexander Huber, Alexander Strecha

Dieses Derby steht für Druck. Fünf Spiele ohne Sieg auf der grünen Seite und vier Partien ohne Erfolg in der violetten Hälfte haben Spuren hinterlassen. Es wird vor dem 317. Wiener Duell (16.30 Uhr /live ORFeins, Sky) mehr über Stimmung, Frust und Reaktionen der Fans gesprochen als über die Chance auf ein perfektes Saisonfinish.

Exakt drei Jahre vor dem Krisen-Derby wurde Zoran Barisic Rapid-Cheftrainer. Im ersten Spiel gab es gegen die meisterliche Austria von Peter Stöger ein 2:2. Thorsten Fink ist mittlerweile schon sein sechster violetter Derby-Konkurrent. Ausgerechnet der besonders erfolglose Fink-Vorgänger Gerald Baumgartner kann als einziger auf eine positive Derby-Bilanz gegen Barisic verweisen (siehe unten).

Der Rapid-Coach hält vor seinem Jubiläum bei einem (im Vergleich zu den Vorgängern) starken Punkteschnitt von 1,74 Zählern pro Pflichtspiel. Neben der Krise verbindet ihn auch dieser Wert mit Fink: Der Deutsche brachte es bei der Austria bisher ebenfalls auf exakt 1,74 Punkte pro Partie.

Der gute Mensch von Hütteldorf

Vor genau drei Jahren, am 17. April 2013, sprach Zoran Barisic erstmals als offizieller Cheftrainer zu den Rapid-Spielern. In einer emotionalen Rede forderte der Schöttel-Nachfolger stets vollen Einsatz und versprach dafür, die Spieler nach außen hin immer zu schützen.

Drei Jahre und 142 Spiele später hält das Barisic-Versprechen immer noch. Nie rechnet der 45-Jährige öffentlich ab, nie stellt er Spieler bloß. Auch nach fünf sieglosen Spielen in Folge nicht.

Einen wachsenden Teil der Anhänger, Funktionäre und Meinungsbildner (also fast durchwegs Fans) stört das. Mit Sportdirektor Andreas Müller gab es zuletzt Grundsatzdiskussionen. „Zoki ist ein hervorragender Spieler-Entwickler. Ich freue mich auch, dass er so ein guter Mensch ist. Aber er muss härter werden“, wünscht sich Müller. „Sicher kein Tyrann, aber härter zu den Spielern.“

Dafür bekommt Barisic auch einen breiteren Kader zur Verfügung gestellt. Damit im neuen Stadion schwächere Leistungen auch einmal mit einem Tribünenplatz geahndet werden können. Oder zu auffälliges „Verkauft-werden-wollen“ mit einem Platz auf der neuen Ersatzbank.

Trotzdem wird es Barisic nicht leicht fallen, den Harten zu geben: Für ihn zählt immer das Menschliche. Dafür geht er auch schwierigere Wege. So beim Schützen seiner Spieler oder einem heftig diskutierten Interview mit dem Magazin Datum. Ganz bewusst hat sich das Gastarbeiter-Kind im Jänner, als die Stimmung in Österreich schon in Richtung der Zäune-Aufsteller gekippt war, gegen eine Obergrenze beim Einlass der Flüchtlinge ausgesprochen.

Der Hintergrund ist familiär: Mama Barisic ist serbischer Abstammung, trotzdem hat sie zu Beginn des Jugoslawien-Krieges für mehrere Monate zwei Kroaten aufgenommen. „Es geht jetzt nicht um Kroaten und Serben, sondern um die Menschen in Jugoslawien“, erklärte die Mutter damals, obwohl die Familie selbst kaum etwas hatte. „Das hat mich geprägt.“

Keine Emotionen

Solch emotionale Worte gibt es von Zoran Barisic selten zu hören, weil er seine „öffentlichen Auftritte in eine sachliche, fachliche und eine emotionale Ebene unterteilt“. Sobald eine TV-Kamera oder ein Mikrofon angeht, legt sich im Hirn ein Schalter um. „Ich will öffentlich immer sachlich bleiben und möglichst nie emotional wirken“, sagt Barisic.

„Aber wenigstens sagen, dass Rapid Meister werden will, könnte er doch“, meinen viele. Da hält es der demütige Barisic mit Jürgen Klopp: „Es gibt Menschen, die behaupten, wenn man große Ziele nicht deutlich formuliert, ist man auch nicht richtig ambitioniert. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie man Ziele erreicht“, sagt Klopp. Und spricht damit für den Guardiola-Fan Barisic.

Der Positivist von Wien-Favoriten

Schon im Winter wäre Thorsten Fink der Austria beinahe abhanden gekommen, weil Hannover anklopfte. Auch im kommenden Sommer wird der Deutsche für deutsche Klubs von Interesse sein. Für die Austria wäre sein Abgang ein Verlust.

Weil Fink aus einer Mannschaft, die in der vergangenen Saison nur Siebenter geworden war, ein Team geformt hat, das wieder vorne, wenngleich doch nicht ganz vorne mitspielen kann. Im Dezember 2015 noch wagte man bei der Austria intern einen Seitenblick in Richtung Meistertitel, weil die Violetten wider Erwarten die Tabelle anführten. Die Erwartungshaltung, so sagte Fink später, sei gestiegen, die Moral daher umso mehr gesunken, als man ins Frühjahr nur hineinstolperte.

Ebenso wie Rapid-Trainer Barisic stellt sich auch Fink stets vor seine Spieler, geht mit keinem hart ins Gericht. Zuletzt gesehen nach dem 0:2 gegen Grödig, als ein Holzhauser-Blackout die Niederlage einleitete. Auch Austrias Meistertrainer Peter Stöger hatte nach außen hin stets relativiert und stets positive Ansätze gefunden.

Freilich ist es eine Gratwanderung, dabei nicht die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Österreichs Teamverteidiger Aleksandar Dragovic wechselte einst von der Austria nach Basel, wo er den Trainer Fink kennenlernte. „Ich hatte unter ihm eine sehr erfolgreiche und tolle Zeit bei Basel, daher habe ich ihm sicher eine Menge zu verdanken. Er ist ein Trainer, der alles spielerisch lösen möchte.“

Dragovic attestiert dem Deutschen großes Fachwissen. „Und seine Ehrlichkeit und positive Art zeichnen ihn aus. Auch in Basel war es so, dass er sich immer vor die Spieler gestellt hat. Er hat auch an wenig erfolgreichen Tagen Ruhe und Kompetenz ausgestrahlt und ist seinem Weg einfach treu geblieben. Er hatte immer einen guten Draht zu uns Spielern, so etwas schweißt zusammen.“

Realistisch

Fink weiß um die Qualität seines Kaders, er weiß, dass mit diesem Team ein Europacup-Startplatz möglich ist – aber für höhere Ziele Verstärkungen vonnöten sind. Für ihn, den Realisten, waren die Träumereien der Fans vom Meistertitel zu hoch gegriffen. Bei vielen Gelegenheiten betonte er trotz Tabellenführung, dass Salzburg und Rapid die besseren Kader als die Austria hätten.

In diesen Momenten wirkten die Aussagen gar nicht opportun, am Ende hat Fink jedoch Recht behalten. Der Austria fehlt eben noch das gewisse Etwas auf Salzburg und Rapid. Zumindest im Derby könnten die Veilchen mit einem Sieg unterstreichen, dass sich in dieser Saison die Gastmannschaft in den Wien-Duellen leichter getan hat. Bleibt Fink der Austria erhalten, könnte in der kommenden Saison der nächste Schritt folgen.