APA12641242-2 - 07052013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT SI - ÖFB-Cup-Halbfinalspiel zwischen Red Bull Salzburg und FC Pasching am Dienstag, 07. Mai 2013, in Salzburg: Im Bild jubeln FC Pasching-Spieler über den 1:2-Sieg. APA-FOTO: KRUGFOTO

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Schreckgespenst
08/21/2013

In Pasching hat die Sensation Tradition

Der Dorfklub gastiert im Europacup in Portugal. Erinnerung an glorreiche Zeiten.

von Bernhard Hanisch

Fast genau zehn Jahre ist es her: Man unterstrich den 30. Juli 2003 rot im Geschichtsbuch des österreichischen Fußballs. Pasching, ein Dorf am Rande von Linz, blamierte an diesem Tag die als Übermacht angetretenen Bremer bis auf die Knochen. Im Halbfinale des UI-Cups, die vorletzte Runde in der Qualifikation für den Europacup.

Pasching 4, Werder 0, so die auf ewig in Zahlen gegossene Sensation. Aus Pasching wurde Fasching und damit rollte der verbale Spielball zur wochenlang anhaltenden Schadenfreude. Beim Rückspiel in Bremen (1:1) unterhielt Fritz Böhm, damals kabarettreifer Bürgermeister von 7000 Paschingern, im Radio die norddeutsche Zuhörerschaft. Es folgten internationale Auftritte in der Schalke-Arena und in St. Petersburg und weitere Überraschungseffekte in der heimischen Bundesliga.
Vergangenheit. Was seither geschah? Das Fußballdorf hatte 2007 seinen Zenit erreicht, der gesamte Klub wurde transferiert, tauchte als SK Austria Kärnten am Rande des Wörthersees wieder auf, um später endgültig abzusaufen. „Der Herr Haider hat ein Stadion gehabt, aber keinen Bundesliga-Verein. Und zu uns ins Waldstadion sind die Leute nur noch gekommen, um einen Zirkus zu erleben, aber nicht, um Fußball zu sehen“, erinnert sich Franz Grad, als Spediteur und Klubchef Vater des aufsehenerregenden Paschinger Fußball-Intermezzos.

Das Ende vom Lied? Mitnichten. Der FC Pasching lebt wieder, hat zwar mit dem früheren Konstrukt nichts mehr zu tun, schreibt aber als aktueller Regionalligist seine eigene Erfolgsgeschichte. Rapid, Salzburg und die Austria, also die großen drei der Bundesliga, wurden auf dem Weg zum österreichischen Cupsieg aus dem Bewerb geschubst. Die Belohnung: Pasching bemüht sich am Donnerstag im portugiesischen Estoril im Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation um den Aufstieg in die Gruppenphase.

Einfach zum Schämen

Franz Grad, einst als Bundesliga-Klubchef als lauter Kritiker bekannt, hat sich längst in die Niederungen des Fußballs zurückgezogen und unterstützt zwei Vereine in der oberösterreichischen 1. Klasse. Ein Armutszeugnis für den gesamten heimischen Fußball sei die Entwicklung im Land. „Und Rapid ist es ja schon wieder passiert, die sind gegen den LASK aus dem Cup gesegelt. Ich würde mich zu Tode schämen.“ Aber „wenn Österreich international schon durch einen Kleinen vertreten ist, dann soll er wenigstens Pasching heißen. Auch wenn die Mannschaft so gut wie keine Chance haben wird“, sagt Grad.

Stolz auf seine Mannschaft ist Gerald Baumgartner, Trainer und damit Mitverursacher einiger erstklassigen Blamagen. Der 48-Jährige schöpft daraus die Hoffnung, dass auch die Reise nach Portugal „kein Ausflug“ sein wird. Estoril werde Pasching aber nicht derartig unterschätzen wie dies Österreichs Topklubs getan haben, denn es sei schon sehr viel Geld im Spiel.

„Ich erwarte einen richtig couragierten Auftritt meiner Burschen“, fordert Baumgartner. So wie damals, vor zehn Jahren, als in Pasching der Fasching ausbrach.

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