Sport | Fußball
15.04.2012

Die vier Legenden rund um das Derby

Es ist völlig unklar, wer diesen viel verwendeten Begriff erfunden hat.

Kein Wochenende vergeht, an dem nicht irgendwo auf der Fußball-Welt ein solches ausgetragen wird. Am Sonntag (16 Uhr) ist es in Wien wieder einmal so weit. Austria und Rapid spielen gegeneinander – zum bereits 301. Mal.

Doch woher kommt der Begriff Derby überhaupt? Geklärt ist das nicht wirklich. Vier Legenden ranken sich um die Ursprünge des im Fußball so häufig verwendeten Begriffs.

Der KURIER begibt sich auf Spurensuche ...

Legende 1 Der Begriff Derby geht auf ein gleichnamiges Pferderennen, das seit 1780 auf der Rennbahn Epsom Downs in der Grafschaft Surrey im Süden Englands ausgetragen wird. Es verdankt seinen Namen Edward Smith-Stanley, dem 12. Earl of Derby. Dieser hatte bei einem Münzwurf, mit dem Namensgebung des Rennens entschieden wurde, mehr Glück als Sir Charles Bunbury. Wäre es umgekehrt gewesen, würde heute vielleicht ein Wiener Bunbury gespielt werden.

Legende 2 Der Begriff Derby leitet sich von der Stadt in den englischen East Midlands ab. In dieser wurden jahrhundertelang Shrovetide-Spiele ausgetragen. Bei dieser Urform des Fußballs jagten bis zu 1000 Spieler durch die Gassen der Stadt einem Ball nach. Noch heute findet alljährlich am Faschingsdienstag und am Aschermittwoch ein Shrovetide-Spiel in Ashbourne in der Nähe von Derby statt. Das Spielfeld ist mit einer Länge von fünf Kilometern der größte Fußballplatz der Welt. Als Tore dienen zwei Steinpyramiden, früher waren es Mühlsteine. Die Spielzeit beträgt acht Stunden pro Tag (14 bis 22 Uhr).

Legende 3 Der Begriff Derby hat seinen Ursprung in der fußballbegeisterten Stadt Liverpool. Die Stadien der Lokalrivalen FC Everton und FC Liverpool sind nur ein paar Hundert Meter voneinander entfernt. Zwischen dem Goodison Park, seit 1892 das Stadion von Everton, und Anfield, seit 1892 das Stadion von Liverpool, liegt der Stanley Park. Dieser verdankt seinem Namen Frederick Arthur Stanley. Er war der 16. Earl of Derby. Am Samstag fand das "Merseyside-Derby" zwischen Everton und Liverpool übrigens zum 218. Mal statt – im FA-Cup-Semifinale im Londoner Wembley.

Legende 4 Der Begriff Derby war ursprünglich ein Synonym für ein Fußballspiel mit großer Zuschauermenge. Das gleichnamige Pferderennen war nämlich in den Anfängen des Profi-Fußballs in der der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts die englische Sportveranstaltung mit der größten Zuschauerzahl. Bis zu 500.000 Menschen sollen am Tag des Rennens auf der Rennbahn Epsom Downs gewesen sein. Da sich in den ersten Jahren der bereits 1888 gegründeten englischen Profiliga die zum Großteil aus der Arbeiterschaft stammenden Fans keine Reisen zu Auswärtsspielen leisten konnten, hatten immer die Spiele zweier Klubs aus einer Stadt die höchsten Zuschauerzahlen. Englische Zeitungen sollen den Begriff Derby für solche Spiele wegen der Parallele zu den Zuschauermassen beim Epsom Derby verwendet haben.

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