Die Türkei und der Manipulationsskan­dal

Fenerbahçes Meistertitel soll gekauft worden sein.
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Die Liga ist noch immer nicht gestartet, Fenerbahçe wurde aus der Champions League ausgeschlossen.

Vor dem EM-Qualifikationsspiel am Dienstag in Wien leidet der türkische Fußball noch immer unter den Nachwirkungen des Manipulationsskandals. Der Meisterschaftsstart wurde auf kommendes Wochenende verschoben, weil die Ermittlungen rund um angeblich verschobene Partien noch immer im Gange sind.

Vor rund zwei Monaten war der Verdacht aufgetaucht, wonach 19 Spiele der beiden höchsten Ligen manipuliert gewesen sein sollen. Über 30 Verdächtige sitzen in Haft, darunter auch Fenerbahçe-Präsident Aziz Yildirim.

Der reiche Bauunternehmer gilt als zentrale Figur im größten Fußball-Skandal in der Geschichte des Landes, sein Geld soll dem Rekordmeister in der vergangenen Saison die Meisterschaft gesichert haben. So steht die Vermutung im Raum, dass Fenerbahçes entscheidender 4:3-Sieg in der letzten Runde bei Sivasspor gekauft wurde.

Dolchstoß

Als Konsequenz aus der Affäre veranlasste die UEFA den türkischen Verband (TTF), den fix für die Champions League qualifizierten Meister von der Eliteliga auszuschließen, was wütende Proteste von Fenerbahçe zur Folge hatte. Es kam zu Fan-Demonstrationen vor dem UEFA-Hauptquartier in Nyon, der Klub stellte sogar einen - vom Verband später abgelehnten - Antrag auf Abstieg in die zweite Liga, und Medien schrieben von einem "Dolchstoß in den Rücken des türkischen Fußballs".

Der TTF spielt inmitten der Turbulenzen keine ruhmreiche Rolle. Verbandschef Mehmet Ali Aydinlar überlässt die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und will sich nicht mit den großen Klubs anlegen. Allerdings könnte der Präsident spätestens dann gefordert sein, wenn sich Gerüchte von verschobenen Länderspielen bewahrheiten sollten. Für diesen Fall hat Teamchef Guus Hiddink bereits seinen Rücktritt angedroht.

Doch nicht nur Fenerbahçe und das Nationalteam stehen im Fokus der Ermittlungen. Auch beim Cup-Finale zwischen Beşiktaş und Istanbul BB (4:3 im Elferschießen, Ekrem Dag spielte bei den Siegern durch) soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, weswegen Trainer Tayfur Havutcu vor über einem Monat inhaftiert wurde und noch immer hinter Gittern sitzt.

Beşiktaş gab den Pokal bis zum Ende der Untersuchungen zurück und fand mit dieser Aktion Gnade bei der UEFA, die von einem Europacup-Ausschluss wie bei Fenerbahçe absah.

Schock

Österreichs Türkei-Legionäre wollen über den Manipulationsskandal nicht viele Worte verlieren. "Wir dürfen zu dieser Sache nichts sagen", meinte etwas Bursaspor-Kicker Turgay Bahadir. Veli Kavlak und Tanju Kayhan kamen erst im Sommer von Rapid zu Beşiktaş und haben sich nach eigenen Angaben mit der Materie nicht wirklich beschäftigt. "Aber wenn so etwas passiert, sollte der betreffende Verein hart bestraft werden", forderte Kayhan.

Für Kavlak war die Festnahme von Havutcu, der die Verpflichtung des Mittelfeldspielers forciert hatte, "ein Schock". Mittlerweile habe sich die Lage jedoch normalisiert. "Es ist nicht mehr das ganz große Thema, schließlich beginnt am Wochenende die Meisterschaft."

Befürchtungen, wonach die türkische Liga wegen des Skandals unter Zuschauerschwund leiden könnte, dürften sich laut Kavlak nicht bewahrheiten. "Es werden mindestens genauso viele Fans wie bisher kommen. Überall werden neue Stadien gebaut, und das Publikumsinteresse war schon in den Testspielen riesig."

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(apa / jos) Erstellt am
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