Sport | Fußball
08.03.2014

Die Rückkehr der großen Nation

Nach drei enttäuschenden Endrunden ist das Nationalteam der "Grande Nation" wieder eine Einheit.

Franck Ribéry gelang in dieser Woche das Comeback und die Abrechnung mit seinem wenig geschätzten ehemaligen Trainer Louis van Gaal. Nach dem 2:0 im Test gegen die Niederlande geriet Frankreich aber vor allem wegen der Leistungen vieler junger Newcomer und des Zusammenhalts im Team in WM-Ekstase.

Lange verteufelt, plötzlich wieder geliebt: Die "Grande Nation" hat die Nationalmannschaft wieder ins Herz geschlossen. Nach dem 2:0 gegen Vize-Weltmeister Niederlande am Mittwoch herrschte gar losgelöste Stimmung rund um das Stade de France. Völlig vergessen schien, dass die Équipe um Bayern-Star Franck Ribéry sich erst im November in den WM-Play-offs nur mühevoll gegen die Ukraine durchgesetzt (0:2, 3:0) hatte. Die Zeitung Le Parisien feierte die "höchst bezaubernden Bleus" auf Seite eins. Das Sportblatt L'Équipe sah "ein Stade de France im siebenten Himmel." Die Fans bedankten sich mit Ovationen und stimmten in den Straßen des Pariser Vororts Saint-Denis Freudengesänge an.

Lebenszeichen

"Man muss bei der WM mit uns rechnen", tönte Mittelfeldmann Blaise Matuidi nach dem Abpfiff grinsend. Vor 80.000 Zuschauern hatten die Gastgeber gegen lustlos wirkende Gegner nicht wirklich Mühe, die niederländische Serie von 17 Spielen ohne Niederlage zu beenden. Karim Benzema (32.) und Matuidi (41.) gelangen sehenswerte Tore.

Besondere Genugtuung hat aber Ribéry verspürt. Nicht nur, weil er in der 63. Minute eingewechselt wurde und einen Monat nach seiner Gesäß-Operation ein Comeback feierte. Mit dem Sieg rechnete der 30-Jährige auch mit seinem wenig geschätzten Münchner Ex-Trainer Louis van Gaal zumindest ein wenig ab.

Beeindruckend war unterdessen weniger der Sieg an sich, sondern der Einsatz, die Konzentration und vor allem die bei der "Équipe tricolore" in den vergangenen Jahren sehr oft vermisste mannschaftliche Geschlossenheit. Kein Wunder, dass so viele nach dem ersten Sieg über die Niederlande seit 1997 das Wort "Kollektiv" in den Mund nahmen. Frankreich sei nun ein echtes Team, stellten zum Beispiel Tormann Hugo Lloris, Nizza-Coach Claude Puel und viele Medien fest. Oder wie Matuidi sagte: "Wir sind eine Gruppe, die zusammenhält."

Nach drei internationalen Turnieren (EM 2008, WM 2010 und EM 2012) mit vielen Pleiten und noch mehr internen Querelen hofft ganz Frankreich auf ein Team mit Charakter und Einheit. Solche Peinlichkeiten wie der berüchtigte Trainingsstreik während der WM in Südafrika sollen nie wieder vorkommen.

Neustart

L'Équipe ist optimistisch: "Vier Jahre danach ist der Wandel enorm." Sicher ein Verdienst von Trainer Didier Deschamps, der einige Unruhestifter aussortierte und junge Spieler einbaute. Gegen die Niederlande zeigten nicht nur die Debütanten Lucas Digne (20) und Antoine Griezmann (22), sondern auch Raphaël Varane (20), Eliaquim Mangala (23) und Paul Pogba (20) vielversprechende Leistungen.

"Das weckt Lust auf Brasilien", schrien die Fans in Saint-Denis in die TV-Kameras. Dass der Sieg gegen eine "Elftal" ohne die angeschlagenen Deutschland-Legionäre Arjen Robben und Rafael van der Vaart sowie andere Stammspieler nicht überbewertet werden darf, wissen viele. Darunter auch van Gaal: "Ich habe heute kein sehr erfahrenes Team aufgeboten. Wir haben im Mittelfeld zu viele Bälle verloren." Daher sah sich Deschamps vor Journalisten auch veranlasst, die Euphorie etwas zu bremsen: "Ihr dürft euch begeistern, aber bitte nicht zu sehr", sagte der 45-Jährige.