Sport | Fußball 05.12.2011

Die Ladenhüter: Arbeitslose Kicker

© Bild: apa

Immer mehr Profis finden keinen Klub. In Österreich hat es mit Andreas Dober auch einen Ex-Teamspieler erwischt.

Andreas Dober hatte Tränen der Rührung in den Augen, als er vor Anpfiff des Derbys nach 17 Jahren bei Rapid in allen Ehren verabschiedet wurde. 30 Minuten später stürmten Rapid-Fans das Spielfeld im Hanappi-Stadion.

Der 22. Mai sollte nicht nur für den Herzensklub des Wieners aus dem "Austria-Bezirk" Favoriten zum einschneidenden Datum werden. Der rechte Verteidiger ist seither auf Vereinssuche: "In den nächsten Tagen sollte etwas passieren."

Zuletzt spielte der 25-Jährige bei Cottbus vor. So wie der ebenfalls arbeitslose Ex-Salzburger Laszlo Bodnar. Dem deutschen Zweitligisten wurden übrigens 40 rechte Verteidiger angeboten. Dober erzählt im KURIER-Gespräch: "Trainer Wollitz war zufrieden mit mir. Er hat gemeint, dass es nächstes Jahr mit dem Transfer klappen kann. Wenn ich fitter bin - mir fehlen ja zwei Vorbereitungen."

Absturz

Im Jänner hatte Dober einen Innenbandeinriss im Knie und schaffte es bei Rapid nicht mehr zurück. Die Vorbereitung für diese Saison wollte der dreifache Teamspieler eigentlich bei einem neuen Klub bestreiten. Geworden sind es pro Woche zwei Ausdauerläufe und zwei Einheiten beim Unterhausklub SC Triester. "Dort ist mein Onkel Trainer. Das hat mich sportlich am Leben gehalten."

Zu wenig für die Anforderungen im härter werdenden Fußball-Business. Jedes Jahr spuken die Akademien frisches Spielermaterial aus. Wer wie Dober nicht mehr als Talent durchgeht und ein höheres Gehaltsniveau gewöhnt ist, kann übrig bleiben. Zumindest dürfen Arbeitslose auch nach Ende der Transferzeit am 31. August noch wechseln.

"Aber leichter wird es nicht mehr. In Deutschland gibt es schon 400 arbeitslose Kicker. Für Profis ist es am Wichtigsten, im Rhythmus zu bleiben. Dieses Handicap wird für Andi immer größer", meint Rapid-Tormanntrainer Raimund Hedl, der Dober als väterlicher Freund jeden Tag zu den Trainings chauffiert hatte.

Dober denkt bereits daran, "zur Not für ein Jahr" in eine Amateurliga zu wechseln. "Aber ich vertraue voll auf meinen Manager Georg Stangassinger."

Mit jedem Tag wird die Frohnatur nachdenklicher: "So viel Zeit für meine Frau und unseren Sohn zu haben, ist schön. Aber durch das Warten wird die Situation schon belastend. Ich stehe jetzt bei Null."

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Erstellt am 05.12.2011