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30.01.2012

Die lachenden Vierten aus Gladbach

Borussia Mönchengladbach bleibt das Team der Stunde in der deutschen Liga und hat sogar Chancen auf den großen Coup.

Der Vergleich mit dem FC Barcelona rang Lucien Favre nur ein mildes Lächeln ab. "Aber bitte", sagte Borussia Mönchengladbachs Trainer nach dem souveränen 3:0 (1:0) beim bisherigen Angstgegner VfB Stuttgart. Der katalanische Kult-Klub bleibt für die Rheinländer wohl für immer außer Reichweite.

Aber das direkte, schnelle und präzise Passspiel der Borussen ähnelt doch verblüffend dem schwindelerregenden spanischen Tiki Taka.

Kontertaktik

Favre, der aus dem fast sicheren Absteiger binnen weniger Monate einen Meisterschaftsaspiranten geformt hat, weiß, dass er die Qualität seines Teams nur noch um Nuancen steigern kann. "Es wird schwer, besser zu spielen", sagte der Schweizer "wir können noch ein paar Details verbessern."

Was die individuelle Klasse anbelangt, kann der Tabellenvierte mit den weitaus prominenter bestückten Kadern von Bayern München, Borussia Dortmund und FC Schalke 04 nicht konkurrieren.

Diesen Nachteil gegenüber dem nur einen Punkt vor ihm liegenden Spitzentrio gleicht Gladbach durch beeindruckende Geschlossenheit, spielerische Reife und einen fast schon perfektionierten Konter-Fußball aus.

"Wir spielen als Team überragend, das ist unsere Stärke", erklärt Jungstar Marco Reus, der im Sommer zu Meister Borussia Dortmund wechselt, "jeder kämpft für den anderen." Und mittendrin in diesem Ensemble voller Teamplayer und uneigennütziger Stars ist auch ein Österreicher: Martin Stranzl präsentierte sich auch beim 3:0 in Stuttgart als umsichtiger und unaufgeregter Abwehrchef.

Die deutsche Fachzeitung kicker bedachte den Burgenländer einmal mehr mit guten Noten. Kein anderes Team hat in dieser Saison weniger Gegentore kassiert (12) als die Gladbacher Defensivkünstler.

Im Vorjahr war der Traditionsverein noch in akuter Abstiegsangst, jetzt werden sogar Titelhoffnungen laut. Auch wenn es kaum vorstellbar scheint, sind die Borussen ein ernsthafter Titelkandidat, sofern sie diese Klasse konservieren können.

Defensivstrategie

Für die Mannschaft ist die Meisterschaft indes kein Thema. "Wir schauen sehr gerne auf die Tabelle und sind glücklich, dass wir oben dabei sind. Aber wir wissen auch, wo wir herkommen, und dass wir keine Spitzenmannschaft sind", betonte Stürmer Mike Hanke, "deswegen sind wir realistisch und fangen nicht an, von der Meisterschaft zu träumen."

Der Schweizer Erfolgstrainer Lucien Favre rückt derweil von seiner Marschroute, "von Spiel zu Spiel" zu denken, trotz der guten Ausgangsposition nicht ab. Seine Schützlinge folgen ihm bei dieser verbalen Defensivstrategie sogar wortgleich. "Wir schauen wirklich nur von Spiel zu Spiel", versichert Nationalspieler Reus. "Wir freuen uns über den Sieg, das ändert aber bestimmt nichts an unserer Denkweise."

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