Sport | Fußball
09.11.2015

Die Jankos: Wie die Mutter, so der Sohn

Wo Teamstürmer Marc Janko seine sportlichen Wurzeln hat.

Sie hatte 1968 in Mexiko die olympische Bronzemedaille im Speerwurf erobert. Als Eva Janko heuer im August auf der Wiener Ringstraße Opfer eines Handtaschenräubers zu werden drohte, erwies sie sich immer noch als topfit und unerschrocken: Letztlich zog der Kriminelle den Kürzeren. Lächelnd streckt die Jung-Siebzigerin den gebrochen gewesenen, immer noch deformierten Finger, den sie beim wilden Handgemenge erlitt, in die Höhe.

In Australien, dort, wo ihr Sohn im Vorjahr zum Spieler der Liga gewählt worden war, würde man sie eine "Tough Woman" nennen. Eine Frau, die hart im Nehmen ist. Doch wenn Marc Janko, der 50-fache österreichische Nationalspieler, im Stadion einläuft, dann beginnt sie zu zittern. Dann, gesteht Mama Janko, sei sie ungleich nervöser als zur Zeit ihrer großen Leichtathletik-Karriere, wenn es galt, den Speer auf Rekordweiten zu schleudern.

Der kleine Marc nahm den Speer nur ein Mal in die Hand. Er erzielte zwar gleich Schulrekord seiner Altersklasse. Nur war er schon als Knirps lieber am Ball. Im Leistungszentrum Südstadt musste er sich zwischen Tennis und Fußball entscheiden. Er wählte den Teamsport. "Er wollte schon immer gemeinsam siegen – und wenn’s sein musste, auch lieber gemeinsam verlieren", sagt die Mama, die anfangs gar nichts mit Kicken anfangen konnte.

In der Leichtathletik-Szene blickte man eher geringschätzig auf die Fußballer herab. Allen voran Gunnar Prokop, der gnadenlose Trainergatte der Mehrkampf-Weltrekordlerin und späteren Innenministerin Liese Prokop. Er hielt Fußballer für eine faule Bande und warf ihnen Steinzeitmethoden im Training vor.

Kein Vergleich

Ein bissel hatte der streitbare Prokop sogar recht. "Aber der Fußball von heute ist mit dem von früher nicht vergleichbar", meint Eva Janko, die als Kicker-Mutti auch unbequem kritisch sein konnte. Die aber auf Ersuchen eines Admira-Nachwuchstrainers jahrelang mit den Buam in Extraschichten koordinative Übungen forcierte und hatscherte Balltalente im wahrsten Sinne des Wortes das Laufen lehrte. Darüber hinaus arbeitete Eva Janko bei der Admira als Sekretärin.
Eine Funktion, in der sie heute noch der Vereinigung der Sporttherapeuten hilft. Und die sie zum Jahreswechsel 2012/2013 zu einem vierseitigen Interview mit Marcel Kollerfür das VÖSM-Fachmagazin veranlasste. "Für Marc war Marcel ein Segen", sagt die zweifache Mama, überzeugt davon, dass es ihr jüngerer Sohn (der heute mit Basel gegen Kollers Stammverein Grasshoppers spielt) ohne den Schweizer nicht auf 25 Teamtore und Österreich es nie zur Nummer 10 der Fußballwelt gebracht hätte. Zweifellos hat der 1,96 Meter große Janko, der als Admira-Bub einer der Kleinsten und dessen PapaHerbert JankoHochspringer war, auch von den Genen profitiert. So wie viele andere erfolgreiche Spitzensportler-Kinder, deren Liste immer länger wird. Doch mehr noch kommt’s auf Erziehung und Umfeld an.

Kinder, denen ihre Eltern die Freud’ am Sport vorleben, werden später viel eher etwas bewegen. Auch ohne olympisches Erbgut.