Sport | Fußball
18.07.2017

Ruttensteiner lobt den Teamgeist der ÖFB-Damen

"Die Damen bilden hier eine ganz besondere Gruppe", sagt der ÖFB-Sportdirektor vor dem EM-Auftakt.

KURIER: 2008 haben wir Sie als Sportdirektor vor der Herren-EM noch bei der Spielbeobachtung der Gegner angetroffen. Nun wachen Sie über einen Stab von 15 Betreuern.

Willibald Ruttensteiner: Bei der Spielbeobachtung und -analyse hat sich enorm viel getan. Aber es stimmt, dass auch meine Funktion eine andere ist. Damals war ich Mitarbeiter für das A-Team. Danach haben wir das Umfeld professionalisiert, und der ÖFB hat Strukturen geschaffen, in denen der Teamchef optimal arbeiten kann. Das war 2010, Marcel Koller kam 2011.

Mit dem professionellen Umfeld und dem großen Stab gab es mit den Männern letztes Jahr überschaubare EM-Ergebnisse.

Ich lasse mir aber nicht nehmen, dass die EM in Frankreich gut vorbereitet war. Manche Spieler hatten Probleme mit der Situation bei ihren Vereinen, mit Verletzungen. Hier hatten wir nur eine Verletzte, wären es mehr gewesen, wäre auch die Vorbereitung bei den Frauen schwieriger gewesen.

Wenn Frauen bei einer EM hervorstechen, können sie bei einem besseren Klub ein paar tausend Euro im Jahr mehr verdienen. Wenn Männer bei einer EM aufzeigen, kann ihnen das Millionen bringen. Fördert das die Ich-AGs?

Kann sein. Aber der Teamgeist passt bei uns. Im Männer-Team und im Frauen-Team. Natürlich ist es aber ein Unterschied, wenn jemand mit den Belastungen einer Champions-League-Teilnahme zur EM-Vorbereitung kommt. Die Frauen haben auch in der deutschen Bundesliga keine so großen Belastungen. Das ist mit ein Grund, warum man Männer- und Frauenfußball nicht 1:1 vergleichen kann.

Dennoch wirkt es so, dass die Frauen hier in den Niederlanden eine verschworenere Einheit darstellen als manch andere Teams. Täuscht das?

Es stimmt schon, dass die Damen eine ganz besondere Gruppe hier bilden. Ein Beispiel: Wir sind am Samstag mit dem Team gemeinsam Essen gegangen. Danach hat sich die Kapitänin herzlich und lautstark für das Abendessen bedankt. Das war beeindruckend, denn solche Dinge werden sehr oft selbstverständlich genommen.

Also bereuen Sie es nicht, hier in den Niederlanden zu sein?

Wir machen punkto Umfeld keinen Unterschied zwischen der Frauen-EM und der Männer-EM vor einem Jahr. Dort war ich vom ersten Tag an, deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, es hier auch zu tun. Ich will mir viele Spiele anschauen, um die internationale Spitze im Frauenfußball zu analysieren.

Wie weit von der Spitze sind die Österreicherinnen entfernt?

Alles andere als kein Punkt wäre eine Sensation. Wir sind zum ersten Mal dabei und Außenseiter. Wir werden sehen, wie unbekümmert wir spielen werden.