Sport | Fußball 18.03.2012

Deutschland hat Abwehrsorgen

Teamchef Joachim Löw bangt vor der EURO 2012 um Routinier Per Mertesacker.

82 Tage vor dem EM-Start muss sich der deutsche Teamchef Joachim Löw mit neuen Entwicklungen in der Problemzone Defensive beschäftigen. Der drohende Ausfall von Arsenal-Innenverteidiger Per Mertesacker bis zum Saisonende der englischen Premier League erschwert die Planungen von Löw auf einer der Schlüsselposition.

Die Genesung von Mertesacker nach der Operation am rechten Sprunggelenk wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Der 27 Jahre alte Abwehrchef muss nach dem Eingriff im Februar wohl ohne Spielpraxis in die EM-Vorbereitung einsteigen, die am 11. Mai mit einem Trainingslager in Sardinien beginnt. "Ich glaube, dass Per bis zum Saisonende ausfällt", sagte Arsenal-Coach Arsène Wenger englischen Medien am Freitag.

Skepsis

"Es sind nur noch sechs Wochen bis zum Ende, also glaube ich, dass er noch nicht spritzig genug sein wird, um zu spielen. Er müsste trainieren und erst einmal seine volle Fitness zurückerlangen", erläuterte Wenger die Problematik.

Löw hatte die Hoffnung geäußert, dass es Mertesacker schaffen werde, für die EM rechtzeitig "wieder in Form zu sein". Man müsse die Entwicklung erst abwarten, hatte der deutsche Teamchef eingeschränkt: "Es ist immer schwierig, nach einer Operation eine Prognose zu geben."

Löw weiß aus der Vergangenheit um das Risiko, bei einem Turnier auf einen lange verletzten Spieler zu setzen. Christoph Metzelder lief nach einer Fußverletzung bei der EM 2008 an der Seite von Mertesacker nie zur Hochform auf. Mertesacker steht beim Bundestrainer allerdings hoch im Kurs: Bei der WM 2006, der EM 2008 und der WM 2010 war er jeweils Stammspieler.

Hoffnung

Mertesacker hatte noch in der vergangenen Woche gesagt, dass er hoffe, Arsenal im Saisonendspurt helfen zu können. Löw will seinen Kader Anfang Mai nominieren und wird dabei wohl zunächst mehr als 23 Spieler berufen. Mertesacker wird dann um seinen Platz im Abwehrzentrum kämpfen müssen. Die Konkurrenz ist groß – neben ihm streiten Holger Badstuber, Jérôme Boateng (beide Bayern), Mats Hummels (Dortmund) und Benedikt Höwedes (Schalke) um zwei Plätze in der Innenverteidigung.

Nach dem 1:2 vor zwei Wochen im Testspiel gegen Frankreich hatte Löw die Abwehr als größte Problemzone bezeichnet: "Ich denke, dass wir gerade in der Defensive einiges tun müssen."

Das Hin und Her von Außenverteidiger Lahm beim FC Bayern will der Bundestrainer dabei nicht schon wieder mitmachen. "Für die EM darf es uns erstmal nicht beeinflussen, was die Bayern planen. Da wird das keine Rolle spielen", sagte Löw der Süddeutschen Zeitung.

Positionswechsel

Nachdenklich: Joachim Löw plagen in der Abwehr Personalsorgen.
© Bild: EPA

In der Vergangenheit hatte der Bundestrainer die Seitenwechsel von Lahm im Verein stets auf das DFB-Team übertragen. Doch knapp drei Monate vor dem EM-Beginn ist zumindest in München plötzlich wieder alles anders: Bei den letzten zwei Siegen in der Bundesliga gegen Hoffenheim (7:1) und in der Champions League gegen den FC Basel (7:0) verteidigte Lahm wieder rechts. "So, wie es aussieht, wird das so bleiben", erklärte der Kapitän.

Löw ist skeptischer: "Ob das bei Bayern eine Dauerlösung ist mit Lahm rechts und Alaba links, muss man ja erstmal abwarten." Der Chefcoach sieht "zunächst keine Veranlassung, etwas zu ändern".

Bei großen Turnieren hat der 85-malige Nationalspieler Lahm schon auf beiden Seiten gespielt. Bei der EM 2008 begann Lahm sogar rechts und wechselte im Turnier zurück nach links. Löws Problem für die aktuelle EM: Für die rechte Seite fehlt noch eine überzeugende Lösung.

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( Kurier ) Erstellt am 18.03.2012