Sport | Fußball
25.10.2012

Deutscher Meister: Rapid 1, Leverkusen 0

Heikle Historie: 1941 gewann Rapid gegen Schalke das Finale um die deutsche Meisterschaft.

Was trennt Leverkusen von Rapid? Ein deutscher Meistertitel. Ein plumper Spruch? Die Wahrheit? Das falsche Thema für Witze? Auf jeden Fall ein spannendes fußball-historisches Ereignis, das erst in den letzten Jahren aufgearbeitet wurde.

Wissenschaftler mit Rapid-Sympathie ärgerten sich 2009 über das ohne historischen Kommentar absolvierte Spiel gegen Schalke 04 im Rahmen der 110-Jahr-Feierlichkeiten. Immerhin wurde gegen Schalke in einem dramatischen 4:3 am 22. Juni 1941 unter bis 2009 ungeklärten Umständen die deutsche Meisterschaft unter dem Nazi-Regime gewonnen. Genau an jenem Tag, an dem die Sowjetunion überfallen wurde. Nach einem Brief an Rapid-Präsident Rudolf Edlinger, der auch dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) vorsteht, gab dieser eine Studie in Auftrag. Herausgekommen ist mit dem Buch "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz" eine in Österreich einzigartige Aufarbeitung des Vereins­lebens unter Hitler. Endlich gibt es Antworten auf eine Zeit, in der keine Fragen gestellt werden durften.

"Zum Thema ‚Rapid als deutscher Meister" gibt es zwei Mythen, die sich gehalten haben", erzählt Jakob Rosenberg, einer der Buch-Autoren und Chefredakteur des Fußball-Magazins Ballesterer. In Österreich wird erzählt, die Rapidler wären für ihren Sieg bestraft worden und mussten danach an die Front. Auf Schalke hört man von Schiebung, damit "einmal die Ostmark Grund zur Freude hat". "Für beide Thesen gibt es aber keinerlei Hinweise", sagt Rosenberg. Es war somit ein "normales" Spiel (soweit das 1941 möglich war), in dem bei 0:3 mit der legendären Wende für Rapid durch die drei Tore von "Bimbo" Binder der "Rapid-Geist" mitbegründet wurde.

Vorurteil

Zu Edlingers Freude wurde auch mit dem Vorurteil aufgeräumt, die Rapidler hätten eine besondere Nähe zur NSDAP gehabt. "Kein Spieler war von 1938 bis 1945 Mitglied der NSDAP. Aber von den Funktionären wollte rund die Hälfte beitreten", erklärt Rosenberg, der an eine jüdische Wurzel erinnert: "Der Name ‚Rapid" geht auf den jüdischen Klubsekretär Wilhelm Goldschmidt zurück, der später im KZ ermordet wurde."

Dürfen Rapidler also stolz sein, im Gegensatz zu Leverkusen auf einen deutschen Meistertitel verweisen zu können? "Sie dürfen stolz auf die Leistung der Mannschaft sein. Man sollte aber immer die politischen Umstände des Ereignisses mitdenken."

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