Sport | Fußball
05.12.2011

Der Team-Rückzug vor dem Angriff

Das Nationalteam übt hinter geschlossenen Türen und gibt sich einen Horrorfilm auf DVD: Das Deutschland-Spiel.

Auf den Parkbankerln im Wiener Stadtpark sitzen gerne Pensionisten oder Liebespaare. Oder es rasten sich dort Touristen aus. Am Sonntag strahlte der Himmel über dieser Idylle blau, die Spaziergänger suchten den Schatten.

Mittendrin marschierten zwei junge Männer im roten Poloshirt mit dem Bundesadler auf der Brust. Julian Baumgartlinger und Martin Harnik schnappten frische Luft bei einem Verdauungsspaziergang nach dem Mittagessen im Hotel Intercontinental.

Die beiden nutzten die Freizeit vor dem Nachmittagstraining zur Entspannung. Am Sonntag stand um 16 Uhr das zweite Training nach der Schlappe gegen Deutschland auf dem Programm. Und es fand wie schon am Samstag hinter verschlossenen Türen statt. Teamchef Dietmar Constantini macht dicht.

Horrorstreifen

"Das Deutschland-Spiel sollte man sich ja fast noch einmal anschauen", sagte Paul Scharner. Der war in Gelsenkirchen nicht dabei, weil er eine Gelbsperre absitzen musste. Offensichtlich hat der Teamchef den Horrorstreifen seinen Spielern bislang vorenthalten. Fix ist zumindest, dass der ÖFB von der Firma "Master Coach" die kompletten Amisco-Pro-Analyseergebnisse bestellt hat.

Die interessieren sicherlich auch den neuen Interims-Co-Trainer. "Ich habe Willi Ruttensteiner dazu genommen, und er hat seine Sache gleich sehr gut gemacht", erklärte Constantini nach dem Training am Sonntag. Willi Ruttensteiner, im Brotberuf Sportdirektor des ÖFB, nimmt diese Nebenrolle als Assistent ein, weil Manfred Zsak mit Durchblutungsstörungen im Bereich der Wirbelsäule im Krankenhaus liegt.

Déjà-vu

Ein weiterer Patient ist Marc Janko, der nach dem Abschlusstraining in Gelsenkirchen mit Schmerzen im Adduktorenbereich vom Feld gehumpelt ist. Der Stürmer trainierte am Sonntag mit und hofft am Dienstag fit zu sein. Sicherheitshalber wurde Salzburgs neuer Angreifer Stefan Maierhofer als 24. Mann nach Wien bestellt.

Scharner wird gegen die Türkei sicher dabei sein, ob im Mittelfeld oder in der Innenverteidigung ist noch offen. Er gibt sich recht wortkarg: "Ich habe vor dem Spiel in Istanbul den Mund ziemlich voll genommen", begründet er. Und das folgende 0:2 sei so etwas wie eine Retourkutsche gewesen.

Auf jeden Fall ist die Situation ähnlich wie vor einem halben Jahr. Damals war man nach einer 0:2-Schlappe im Heimspiel gegen Belgien in die Türkei gereist. Vor dem Rückspiel kassierte man das 2:6 in Deutschland. Scharner: "Das Schöne am Fußball ist ja, dass man schnell wieder die Chance bekommt, so etwas wiedergutzumachen."

Bei den Türken fehlen wichtige Spieler: Sahin, Hamit Altintop und Emre sind verletzt, Selcuk Inan ist gesperrt. "Aber es ist egal, wer spielt. Die Türkei hat einen sehr guten Kader, da werden diese Ausfälle nicht viel machen", meinte Dag und warnte vor allem vor Arda Turan. "Er spielt sei ein paar Monaten in Hochform."

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