Sport | Fußball
01.08.2017

Der Fußball wird von den Frauen auf den Kopf gestellt

Die Frauen haben im TV Vorrang, erhalten Lob von allen Seiten und schreiben Fußball-Geschichte.

Das Sommerloch fällt in diesem Jahr definitiv aus. Das ist schon einmal das erste große Verdienst der österreichischen Fußballerinnen. Obendrein ist es dem Nationalteam gelungen, eine Euphorie auszulösen, wie sie das Sport-Land schon lange nicht mehr erlebt hat. Alles spricht und schwärmt über die Fußball-Frauen, die plötzlich allen ein Begriff sind. Der Einzug ins Semifinale am Donnerstag in Breda gegen Dänemark (18 Uhr) löste eine emotionale Kettenreaktion aus. Auf dem Wiener Rathausplatz wird das Duell mit Dänemark übertragen (siehe Seite 17).

Mit ihrer Lockerheit und Leichtigkeit erinnern die Österreicherinnen ein wenig an die legendären Dänen, die vor 25 Jahren viele Sympathien und sensationell den EM-Titel geholt hatten. Auch Marcel Koller meldete sich zu Wort. "Es ist unglaublich, was ihr da an der EURO abliefert." Österreichs Frauen haben Österreichs Fußball auf den Kopf gestellt.

TV-Verschiebungen

Die Frauen haben Vorrang. Während zuletzt diskutiert wurde, ob Salzburg ausweichen muss, ist jetzt nur noch die Frage, wohin die Herren verschoben werden. Fix ist, dass am Donnerstag nach dem Halbfinale (ab 18 Uhr) das Rückspiel von Altachs Herren gegen Gent (20.30 Uhr) auf ORFeins übertragen wird. Kein Platz ist somit für Fenerbahce – Sturm ab 19.30 Uhr. Die Grazer werden zumindest auf ORF nicht live übertragen werden. Rapid und Austria wissen erst Donnerstag Abend, wann am Sonntag das Derby gespielt wird. Sollten die Frauen ins Finale kommen, wird das Endspiel um 17 Uhr auf ORFeins übertragen.

Laut KURIER-Recherchen findet das Derby in diesem Fall sicher nicht um 16.30 Uhr statt. Da noch mit allen Beteiligten (Bundesliga, Vereine, ORF, Sky) Gespräche geführt werden müssen, ist der exakte Ausweichtermin noch nicht fix. "Es geht in die Richtung, das Spiel nach hinten zu verlegen", erklärt Andreas Felber vom ORF-Sport. Der frühestmögliche Termin wäre 19 Uhr. Da aber eine Final-Verlängerung möglich ist, könnte das Derby zur Prime Time um 20.15 Uhr angepfiffen werden.

TV-Quoten

Knapp mehr als 1,2 Millionen waren beim Elferschießen gegen Spanien zugeschaltet. Noch nie wurde von so vielen Menschen ein Frauen-Fußballspiel angeschaut. Geht der Hype weiter, sind sogar die Männer in Griffweite. Die ORF-Rekordsendung des Jahres 2016 war das EM-Spiel ÖsterreichPortugal mit knapp mehr als 1,8 Millionen Zuschauern.

Einkünfte

Der ÖFB bekam als Antrittsprämie 300.000 Euro, das sind 26,67 Mal weniger als vor einem Jahr für die Männer, da gab es allein für das Antreten acht Millionen Euro. Für das Erreichen des Semifinales gibt es zusätzlich 700.000 Euro.

Fußballgeschichte

Erstmals seit 1954 steht eine österreichische Erwachsenen-Mannschaft bei einem Großereignis unter den letzten Vier. Bei der WM in der Schweiz wurden Österreichs Männer damals Dritte. Das haben die Frauen schon geschafft, denn Platz 3 wird nicht ausgespielt.

Und noch nie vor dem 5:3 gegen Spanien hat ein österreichisches Erwachsenen-Team bei einem Turnier ein Elfmeterschießen bestritten.

Social Media

Diese Frauen begeistern längst nicht mehr nur auf dem Rasen, in den sozialen Netzwerken ist die Juxtruppe auch Entertainer und Liebling. Ein launisches Video von einer Trainings-Session wurde innerhalb weniger Stunden fast eine Million Mal angeklickt. Nach dem Elfmeterschießen bekamen Laura Feiersinger, Manuela Zinsberger & Co. über Nacht Tausende neue Facebook-Freunde.

Gratulanten

Sportminister Hans Peter Doskozil war schon beim Island-Spiel im Stadion, gegen Spanien wurde er von Rudolf Hundstorfer begleitet, dem Präsidenten der Bundessportorganisation BSO. In Österreich wurde wild gepostet und gratuliert. Immerhin stehen Wahlen vor der Tür. Kein Politiker, der nicht von den neuen First Ladies im österreichischen Sport schwärmt.

Auf der Facebook-Seite des Bundeskanzlers findet man ein Bild von Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner, wie sie mit ihren Töchtern das Spiel anschaut und die Daumen drückt. Christian Kern himself schreibt: "Ihr seid der Wahnsinn."

Weiters findet man: "Eine großartige sportliche Leistung" (Bundespräsident Alexander Van der Bellen). "Was für eine Spitzenleistung" (Außenminister Sebastian Kurz). In Tirol verständigte sich die schwarz-grüne Landesregierung sogar auf eine gemeinsame Aussendung für Rot-Weiß-Rot. "Tiroler Fußballerinnen mit großartiger Leistung", frohlocken Landeshauptmann Günther Platter und seine Stellvertreterin Ingrid Felipe. Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer bewies Humor und twitterte: "Zinsberger wird morgen bestimmt von Kurz angerufen". In Anspielung auf Kira Grünberg, Ex-Sportlerin und nun Kurz-Kandidatin.