Sport | Fußball 21.03.2012

Deni Alar, der teure Hoffnungsträger

Vor dem Duell mit Ex-Klub Kapfenberg sucht der Rapidler weiter seine Rolle.

Die Hoffnung war groß, die Ablösesumme ebenfalls. 800.000 Euro ließ sich Rapid Deni Alar vor zehn Monaten kosten. Der 22-Jährige ist damit der teuerste Österreicher seit dem Bosman-Urteil, nur der Kroate Bazina kostete Rapid 2006 noch mehr.

Kapfenberg-Präsident Fuchs reklamierte eine Beteiligung an einem Weiterverkauf in den Vertrag, um später noch einmal mitzuverdienen. Denn der Aufstieg des U-21-Teamstürmers schien nach 14 Saisontoren für den Abstiegskandidaten unaufhaltsam.

Gekommen ist es ganz anders. Alar hält bei nur zwei Treffern für Rapid, gegen seinen Ex-Klub darf er am Mittwoch (20.30/Hanappi-Stadion) erst zum zweiten Mal im Frühjahr von Beginn an spielen. Wird die grüne Nummer 33 gar ein Rohrkrepierer? Ist der schüchterne Steirer vielleicht gehemmt durch die an seine Kosten gebundene Erwartungshaltung?

"Sicher nicht", sagt sein Manager Franz Masser. "Der Deni weiß ja gar nicht, wie viel genau er gekostet hat. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit, und er hat sich immer nur für Fußball interessiert."

Mit Tempo und Zug zum Tor

Seine Rolle hat das Talent aus Zeltweg bei Rapid jedenfalls noch nicht gefunden. Gekommen ist er als Goalgetter, die Solospitze durfte er aber kein einziges Mal mimen. "Weil wir nicht wie Kapfenberg auf Konter spielen können", erklärt Trainer Peter Schöttel, der im Dezember im KURIER verriet, dass der flinke Linksfuß "einmal eine Rolle wie Robben bei den Bayern einnehmen soll".

Also vom rechten Flügel aus, mit Tempo und Zug zum Tor. Alar selbst meint: "Ich trainiere das, es ist ein Lernprozess. Am wohlsten fühle ich mich aber noch als Stürmer im Zentrum."

Werner Gregoritsch, der Alar von Leoben zu Kapfenberg geholt hat, meint: "Bei uns war er der beste Knipser. Wenn er ein paar Spiele nicht getroffen hat, hab` ich ihm weiter das Vertrauen geschenkt. Weil er dann, nach einem Erfolgserlebnis, umso besser war."

Schöttel sieht genau hier den Unterschied zu Rapid: "Wir haben eben nicht die Zeit, einen Stürmer über viele Runden durchzutragen." Der Coach glaubt aber weiter an den Durchbruch, "weil Deni körperlich schon robuster geworden ist und sich im täglichen Training besser durchsetzt."

Spätzünder

Masser sagt: "Mich überrascht der schwierige Start gar nicht. Ich habe Deni schon im Sommer darauf vorbereitet, dass es bei Rapid anfangs hart wird." Gregoritsch glaubt, dass Alar nur Geduld haben muss: "In Kapfenberg hat er auch erst im zweiten Jahr gezündet. So wird es auch bei Rapid sein."

Und wenn es für Alar gegen Kapfenberg wieder nicht klappt, könnte er sich mit einem Blick zu Chelsea trösten: Fernando Torres kostete 58 Millionen Euro, erzielte in 13 Monaten aber nur drei Ligatore. Jeder Torjubel des Welt- und Europameisters hat demnach bisher knapp 20 Millionen gekostet.

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( Kurier ) Erstellt am 21.03.2012