Sport | Fußball
05.03.2018

David Alaba: "Ich werde immer ein Kind sein"

Alaba feiert mit James (l.) und Thiago © Bild: AP/Martin Meissner

Der Bayern-Star über seine Entwicklung, die Position im Nationalteam und seine Musik.

Grau in Grau, mit ein paar weißen Dächern, präsentiert sich München. Ganz in grau, gehüllt in einen Jogger seines Ausrüsters, erscheint auch David Alaba zum Termin mit dem KURIER. Gerade sei er noch beim Zahnarzt gewesen. Ob es weh getan hat? "Nein, nein. Nur Hygiene", beruhigt der 25-Jährige, und lässt sich auf den Zahn fühlen.

KURIER: Wie schätzen Sie Ihre aktuelle Form ein?

David Alaba: Ich fühl’ mich gut. Ich bewege mich wieder zu meinen 100 Prozent, auch weil ich mich von meinen Verletzungen erholt habe.

Wann und wieso waren Sie nicht bei 100 Prozent?

Es gibt ein paar Faktoren, aber sicher spielen Verletzungen, die ich im Vorjahr hatte, eine Rolle. Da war eine Muskelverletzung und der Bänderriss im Sprunggelenk, nachdem ich sehr schnell wieder auf dem Platz gestanden bin und vielleicht auch ein bisschen zu früh wieder begonnen habe, zu spielen.

Sie werden heuer 26 Jahre alt.

Wahnsinn, oder? Wir haben ja schon Interviews gemacht, da war ich noch ein Kind.

Sind Sie das nicht immer noch?

Ich werde immer ein Kind sein. Innerlich. Aber ich glaube schon, dass ich reifer geworden bin und Dinge auch etwas anders sehe als noch vor ein paar Jahren.

Sie haben so oft gesagt: "Ich bin noch ein junger Spieler und muss noch so viel lernen." Mit Verlaub: Ein junger Spieler sind Sie jetzt nicht mehr.

Talent bin ich keins mehr, das ist mir bewusst. Aber der älteste Spieler bin ich auch nicht. Ich bin in einem Alter, in dem ich schon viele Erfahrungen sammeln durfte und wo ich jetzt in meiner Karriere den nächsten Schritt machen möchte. Da gehört es auch dazu, bei den Bayern den nächsten Schritt zu machen, in eine Führungsrolle zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Speziell an junge Spieler, die nachkommen. Ich denke, dass es auch der Verein von mir erwartet, dass ich in eine Führungsrolle schlüpfe.

Ist das auch Ihr persönliches Ziel?

Ja, ich möchte mich auch weiterentwickeln. Auf dem Platz aber auch außerhalb davon. Das gehört auf diesem Niveau dazu, wenn man zu den Besten gehören möchte.

Sie stehen noch bis 2021 bei den Bayern unter Vertrag. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Es hat sich nichts daran geändert, dass ich ein Spieler bin, der versucht, sich Ziele in näherer Zukunft zu setzen. Dass ich diese Ziele so schnell wie möglich erreiche und gar nicht so weit in die Zukunft schaue. Natürlich mach’ ich mir Gedanken: Was könnte nach meiner Karriere sein? Aber ich zerbreche mir nicht den Kopf. Wo ich mich in fünf Jahren sehe, ist schwierig zu sagen. Ich weiß ja auch, wie schnell es im Fußball gehen kann.

Dennoch: In ein, zwei Jahren kommt der Punkt, an dem Sie entscheiden müssen, ob sie wie Philipp Lahm bei Bayern in Fußball-Pension gehen oder noch etwas anderes sehen wollen.

Dass diese Entscheidung auf mich zukommen wird, ist mir bewusst. Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl hier, kann mir aber auch vorstellen, einen anderen Weg zu gehen, den nächsten Schritt zu machen oder mir eine neue Herausforderung zu suchen. Aber diese Entscheidung lasse ich noch offen. Ich habe Ziele für diese Saison, die ich erreichen möchte, deshalb ist im Moment kein Platz dafür.

Wir haben schon über Entwicklung gesprochen. Gibt es Punkte, an denen Sie merken: Da geht nichts mehr? Hier kann ich mich nicht mehr weiterentwickeln?

So denke ich nicht. Ich möchte in jedem Bereich besser werden. Im täglichen Leben hat man nie ausgelernt. Und im Fußball ist es genauso. Auch, weil sich der Fußball weiterentwickelt. Dementsprechend muss man sich anpassen.

Was war die größte Entwicklung im Fußball in den letzten acht, neun Jahren, seitdem Sie ein Profi bei Bayern sind?

Ich glaube, dass der Fußball noch einmal schneller geworden ist. Dass das Niveau noch einmal höher und die Qualität noch einmal besser geworden ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich besser geworden bin. Nein, Spaß. Man darf sich immer weniger Fehler erlauben. Es wird auch schneller umgeschaltet.

Haben Sie auch persönliche Ziele, wie etwa 100 Spiele für Österreich zu bestreiten oder eine gewisse Anzahl von Champions-League-Spielen?

Ich durfte in meiner Karriere schon sehr viele Rekorde sammeln und bin auch stolz darüber und dankbar. Das sind aber keine Dinge, die mich sehr beschäftigen.

Themawechsel. Sie hatten Besuch letzte Woche.

Ich hatte ein paar Besuche.

Teamchef Franco Foda war in München. War das Ihr erstes Aufeinandertreffen mit ihm?

Ja, das war das erste Mal, wo wir uns kennenlernen durften und ein längeres Gespräch miteinander geführt hatten.

Und wie war Ihr Eindruck?

Sehr positiv. Wir hatten Gespräche über Fußball, aber auch Dinge außerhalb davon.

Wie lange hat es gedauert?

Weiß ich gar nicht, die Zeit ist verflogen. Aber es war kein kurzes Treffen.

Hat er Ihnen seine Fußballphilosophie näher gebracht?

Auch, obwohl ich nicht zu viel über Inhalte sprechen möchte. Aber wir haben darüber gesprochen, wie er den Fußball sieht. Und darüber, wie er den Weg mit uns als Mannschaft gehen möchte.

Hat er Ihnen gesagt, auf welcher Position Sie dem Team am meisten helfen?

Nein. Ich glaube, dass er sich da auch nicht festlegen wird, so wie ich das mitbekommen habe. Mehr hat er konkret nicht gesagt.

Verstehen Sie, dass dieses Thema die Öffentlichkeit und die Fans in Österreich beschäftigt?

Ja. Aber ich beschäftige mich nicht damit.

Wie sehen Sie es denn selbst? Auf welcher Position können Sie am ehesten helfen?

Da hat sich nicht viel geändert. Es ist kein Geheimnis, dass ich glaube, der Mannschaft im Mittelfeld sehr viel helfen zu können. Aber am Ende ist es die Entscheidung des Trainers.

Und wenn er Sie links hinten aufstellt?

Ich werde der Mannschaft helfen, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann. Es ist die Entscheidung des Trainers, und ich werde mein Bestes geben.

Sie haben früher ganz offen gesagt, dass Sie sich mittelfristig im zentralen Mittelfeld sehen. Jetzt ist es aber so, dass die Bayern jedes Jahr Spieler für diese Position holen. 2017 Tolisso und Rudy, 2016 Renato Sanches, davor Vidal und Thiago. Gibt es den Plan noch, dass Sie sich mittelfristig im zentralen Mittelfeld sehen?

Es ist auch noch immer kein Geheimnis, dass ich mich da sehr wohl fühle. Wir wissen aber alle, dass es hier bei Bayern München auf der linken Seite mit Ribéry oder Coman sehr gut funktioniert und ich auf dieser Position vielleicht auch zu den Besten auf der Welt gehöre.

ABD0104_20170602 - STEGERSBACH - ÖSTERREICH: Aleksandar Dragovic (L.) und David Alaba während des Trainings des ÖFB-Teams am Fre… © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Welche Ziele haben Sie 2018 mit dem Nationalteam?

Wir müssen versuchen, Fodas Philosophie so schnell wie möglich anzunehmen und umzusetzen. Dann müssen wir an einem Strang ziehen und versuchen, dahin zu kommen, wo wir schon vor ein paar Jahren waren.

Was braucht es, um sich wieder für ein großes Turnier zu qualifizieren?

Hundertprozentigen Fokus. Dass wir uns nur darauf fokussieren, was in der Mannschaft ist und uns nicht von dem ganzen Drumherum ablenken lassen. Von den ganzen Erwartungshaltungen und von dem Druck, den wir von außen bekommen. Das ist etwas, was uns vielleicht auch irgendwo von unserem Weg abgebracht hat. Der Glaube an uns selbst wird auch sehr wichtig sein.

Was halten Sie davon, dass das Team künftig offenbar kaum noch in Wien spielt?

Das ist einerseits schade, weil ich da aufgewachsen bin und die Atmosphäre in einigen Spielen unglaublich war. Andererseits haben wir noch andere schöne Stadien, wo wir auch erfolgreich sein können.

Gerade in Klagenfurt ist der Funke aber nicht immer übergesprungen.

Es liegt aber sicher auch irgendwo an uns, dass wir die Unterstützung auch außerhalb Wiens bekommen.

Sie haben Musik aufgenommen. Wie kam es dazu?

Musik gehört zu meinen größten Leidenschaften, Musik ist in unserer Familie ein sehr, sehr großes Thema. Immer schon gewesen, und es wird auch immer so sein. Es macht Spaß und ist für mich persönlich ein guter Ausgleich zum Fußball. Es gibt Spieler, die spielen Golf. Es gibt Spieler, die fischen gern. Es gibt Spieler, die haben Pferde. Und es gibt Spieler, die gerne Musik machen.

Ein Ausgleich, ohne den Hintergedanken, für die Karriere nach dem Fußball vorzubauen?

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Im Moment ist es echt nur ein Hobby, das mir unheimlichen Spaß macht, wo ich gut abschalten kann und mich sehr wohl fühle.

Sie könnten ja auch einmal mit Ihrer Schwester Rose-May auf der Bühne stehen.

Ich könnte es mir vorstellen, aber da ist nichts geplant. Meine Schwester macht das sehr, sehr gut, das wäre sicher lustig.

Football Soccer - VFL Wolfsburg v Bayern Munich - Bundesliga - Volkswagen Arena, Wolfsburg, Germany - 29/4/17 Bayern Munich's Da… © Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach

Wo kann man denn Ihre Aufnahmen hören?

Auf meiner Playlist auf meinem Handy.

Und wo können es Ihre Fans hören?

Bis jetzt habe ich das wirklich nur für mich gemacht. Das zu veröffentlichen, ist bis jetzt nicht geplant.

Erzählen Sie aus ihrem Privatleben. Gibt es eine Frau an Ihrer Seite?

Sie haben es ja schon angesprochen. Es heißt Privatleben und ist ein Thema, über das ich nicht viel rede.

Vielleicht ein paar Eckdaten.

Meiner Familie geht es sehr gut, sie unterstützt mich überall. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe auch ein sehr gutes Umfeld mit meinen Freunden, die ich seit meiner Kindheit habe.

Dass Sie ein Familienmensch sind, betonen Sie oft. Wollen Sie eine eigene gründen?

Sicher will ich das irgendwann.