Alaba: "Wir stehen komplett hinter Marcel Koller"

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Interview
03/06/2017

David Alaba: "Ich verstecke mich nicht"

Österreichs Fußballstar über Kritiker, hohe Erwartungen und seine Social-Media-Auftritte.

von Andreas Heidenreich

Neues Jahr, neues Glück? David Alaba scheint das verpatzte Jahr 2016 verdaut zu haben. Der KURIER traf Österreichs Fußballstar in München, wo er auch erstmals ausführlich über die Enttäuschung bei der EM in Frankreich sprach.

KURIER: Man hat den Eindruck, Sie und die Bayern spielen sich derzeit mit den Gegnern. Warum läuft es so gut?

David Alaba: Ich denke, dass wir die Vorgaben des Trainers jetzt besser umsetzen können. Wir ernten jetzt die Früchte unserer Arbeit, die wir auch schon im Herbst getan haben.

Wie schwierig ist es für einen Spieler, sich immer wieder auf die neuen Ideen neuer Trainer einzustellen?

Wir sind ein Team mit Weltklassespielern, da gehört es dazu, dass man Grundprinzipien verstehen und umsetzen können muss. Aber sicher braucht es seine Zeit, bis man gewisse Dinge automatisiert.

Was hat Carlo Ancelotti, was Pep Guardiola nicht hat?

Vielleicht mehr Erfahrung. Er ist länger im Business. Beide haben unglaublichen Siegeswillen und leben 24 Stunden am Tag für Fußball.

Ancelotti hat ein stoisches Pokerface. Zeigt er intern mehr Emotionen?

Er hat viel Humor, kann Spaß vermitteln, aber auch streng sein. Er kann sich gut in Spieler hineinversetzen, hat aber auch intern seine Momente, wo es zur Sache geht.

Das Zusammenspiel mit Ribéry scheint wie in besten Zeiten zu funktionieren. Macht er Sie zu einem besseren Spieler?

Ja. Wir helfen uns gegenseitig. Wir fahren auf der linken Seite in einem Waggon auf einer Schiene. Nach vorne wie auch nach hinten.

Wie beurteilen Sie Ihre aktuelle Form?

Ich denke, dass ich gut in Form bin und dazu beitrage, dass wir gute Spiele machen. Ich bin fit und fühl’ mich gut.

Und mental?

Stark.

Würden Sie zustimmen, dass Sie im letzten Jahr nicht immer auf Ihrem höchsten Level unterwegs waren?

Ja. Ich kenne meine Ansprüche, weiß was ich kann und bin sehr selbstkritisch. Wenn ich meine hundert Prozent nicht auf den Platz bringe, dann ist mir das bewusst.

Woran könnte das gelegen haben?

Schwer zu erklären. Ich denke, dass solche Phasen zu einer Karriere auf diesem Niveau dazugehören und ich daraus nur lernen kann.

War es mental bedingt? Ist nach so vielen Erfolgen Sättigung eingekehrt?

Satt war ich auf keinen Fall. Ich bin immer hungrig. Ich bin 24 Jahre alt, kein Talent mehr, aber immer noch jung. Nach Titeln und Erfolgen kann man nie satt werden.

Nach der EM haben Sie lang keine Interviews gegeben. Hatten Sie das Gefühl, dass Sie zu hart kritisiert wurden?

Vielleicht. Und vielleicht konnte ich im Endeffekt Positives ziehen aus der harten Kritik. Weil viel von mir erwartet wird und das nicht von ungefähr, sondern weil ich ein guter Spieler bin. Vielleicht war es zu hart. Aber zu sehr habe ich mich nicht damit beschäftigt.

Tatsächlich? Sie wurden doch zuvor in Ihrer Karriere kaum kritisiert. Dazu war jahrelang auch kein Anlass.

Das glauben viele. Ich war aber schon sehr jung in einem Loch, nachdem mir als 17-Jähriger gegen Frankfurt zwei Fehler unterlaufen sind und wir 1:2 verloren haben. Für viele war das kein großes Ding, weil ich so jung war. Für mich schon. Danach hab’ ich nicht mehr oft bei den Profis gespielt und wurde nicht grundlos nach Hoffenheim verliehen. Ich war mit meinem Champions-League-Debüt als 17-Jähriger schnell oben und dann schnell wieder unten. Es war nicht leicht, mich da herauszuziehen. Das waren nicht Wochen oder Monate, das war eine längere Zeit. Im Endeffekt war es entscheidend für meine Karriere. Dadurch bin ich mental sehr stark geworden.

Anders als bei den Bayern, wo sie von Stars umringt sind, gelten Sie im ÖFB-Team als der eine große Star. Hatten Sie vor der EM das Gefühl, dass Außergewöhnliches von Ihnen erwartet wird?

Klar. Ich hab’ ein Handy und Leute um mich. Ich krieg das mit. Aber so ist es jedes Wochenende, nicht nur bei der EM. Ich spiele alle drei Tage auf höchstem Niveau und das nicht erst seit einem Jahr. An der Erwartungshaltung wird sich nichts ändern. Das ist aber auch mein Anspruch. Ich verstecke mich nicht. Ich habe auch mitbekommen, was nach dem Serbien-Spiel im Herbst über mich geschrieben wurde, was teilweise ins Persönliche gegangen ist. Aber ehrlich? Das ist mir pari. Ablenken lass’ ich mich davon nicht.

Die Kunst im Sport ist es, was Ihnen und dem Team bei der EM nicht gelungen ist: Auf den Punkt genau da zu sein. Marcel Hirscher ist das bei der Ski-WM eindrucksvoll geglückt. Sie kennen Ihn. Tauschen Sie sich aus?

Es ist bewundernswert, was er geschafft hat. Nicht nur bei dieser WM. Sicher spricht man über solche Situationen. Mit Marcel noch nicht. Aber ich hab’ bei den Bayern Legenden wie Lahm, Ribéry oder Xabi Alonso, der alles gewonnen hat, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Da kann ich mich anhalten.

Es gab eine Meldung, wonach die Bayern-Bosse Ihre intensiven Social-Media-Auftritte kritisieren würden.

Intern hab’ ich nichts davon mitbekommen.

Es gibt Tage, an denen Sie fünf Videos posten. Etwa wie Sie einen Song nachrappen. Warum tun Sie das?

In erster Linie macht es Spaß und ich will Fans, die mir folgen und mich unterstützen, was zurückgeben. Ich denke, dass es heutzutage dazugehört und dass ich mich auch zu einer Marke entwickelt habe.

Können Sie Kritik nachvollziehen, wenn Sie am Tag nach einem weniger guten Spiel Videos posten?

Wenn es wen stört, soll er mir nicht folgen. Ich bin ein Typ, der immer fröhlich und dankbar ist. Ich liebe die Musik und zeig gern, was ich höre und was mir gefällt. Das interessiert viele. Und ich beschäftige mich nicht mit Leuten, die nach Möglichkeiten suchen, mich zu kritisieren.

Themawechsel. Was können Sie als Führungsspieler beitragen, dass das ÖFB-Team die nächsten Spiele gewinnt?

Ich will der Mannschaft helfen. Mehr Verantwortung übernehmen. Konkret ist es schwer zu erklären, weil der Trainer uns Vorgaben mitgibt, die wir umsetzen müssen.

Was kann das Trainerteam dazu beitragen, dass es wieder aufwärts geht?

Sie machen zu hundert Prozent ihre Arbeit. Wir stehen komplett hinter Marcel Koller. Dass er Großartiges leistet, hat er oft bewiesen. Es liegt an uns Spielern, die hundert Prozent ebenso abzurufen. Jeder einzelne muss sich hinterfragen.

Julian Baumgartlinger hat in einem Standard-Interview gemeint, es wäre zum Zeitpunkt des Erfolgs verabsäumt worden, die nächsten Schritte zu setzen. Hat er Recht?

Wenn ich wüsste, was er meint.

Ich interpretiere es so, dass es nach der starken EM-Qualifikation verabsäumt wurde, eine alternative Spielweise einzustudieren.

In erster Linie waren wir Spieler es nicht gewohnt, nach einer langen Saison noch so ein Turnier zu spielen. Es war nicht einfach, unser Pressing wie gewohnt durchzuziehen. Vielleicht stimme ich irgendwo zu, dass wir dann nichts anderes auf den Platz bringen konnten und diesen nächsten Schritt nicht gemacht haben.

Es sind aber auch die Ungarn und Isländer zum ersten Mal zur EM gefahren.

Ich denke aber, dass wir mehr Spieler haben, die während der Saison auf einem höheren Niveau mehr Spiele absolviert haben.

Was kann man tun, um die Gegner wieder zu überraschen? Auf das Angriffspressing scheinen viele mit hohen Bällen eine Antwort gefunden zu haben.

Es ist Aufgabe des Trainers, einen Plan zu finden. Ich denke, er hat schon einen. Wir sind schon variabler und spielen anders als früher. Wir müssen uns das nötige Glück erarbeiten und die Kleinigkeiten wieder dahin bekommen, wo wir sie schon hatten. Etwa, dass wir in Pressing-Situationen nicht zu spät kommen, oder wie gegen Wales ein Tor aus einem Einwurf bekommen, wo doch jeder weiß, wie weit Gareth Bale einwerfen kann.

Schafft Österreich noch die Qualifikation für die WM 2018?

Wir werden alles dafür tun.

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