Sport | Fußball
18.06.2017

Geschäft mit Fußball-Camps läuft weiterhin rund

Die Agentur des Ex-Erstliga-Kickers Hannes Empl kümmert sich mit mehr als 100 Mitarbeitern um 80 Trainingslager und rund 200 Teststpiele allein in diesem Sommer.

Irgendwann wenn es die Zeit erlaubt wird Hannes Empl vielleicht doch noch seine Wettschuld einlösen. Und zu Fuß von Leogang im Pinzgau nach Velden am Wörthersee marschieren, 199 Kilometer weit. Das hat er jetzt davon, dass er seinerzeit ein so kühnes Versprechen abgegeben hatte. "Ich hab’ immer gesagt: Wenn ich einmal einen Klub der Top fünf nach Österreich hole, dann gehe ich zu Fuß dorthin, wo sie trainieren," erklärt Empl.

Nicht viel später tauchte Chelsea mit Startrainer Jose Mourinho zur Sommervorbereitung in Velden auf. Diese prominenten Trainingsgäste waren ein emotionales Highlight für jenen Mann, der seit mehr als einem Jahrzehnt die Fußballteams in Scharen nach Österreich bringt. "Ich hätte nie gedacht, dass es einmal solche Dimensionen annehmen würde."

In einem kleinen Büro in Leogang laufen alle Fäden zusammen. Der 47-jährige ehemalige Erstliga-Fußballer braucht längst den Computer, um den Überblick zu behalten. Derzeit reisen praktisch täglich Fußballteams an und ab, daneben organisiert Empl mit seinen Mitarbeitern auch noch Testspiele. In der heißen Phase sind inzwischen deutlich mehr als hundert Leute für den Mister Trainingslager am Ball. Vom Greenkeeper, der die Beschaffenheit der Fußballplätze überprüft bis hin zur Kameracrew. "Wir organisieren über den Sommer knapp 200 Testspiele", erklärt Empl.

Teilweise finden 15 Partien am Tag statt, quer verteilt über ganz Österreich. Die Agentur SFLC garantiert den Teams von jedem Match eine Online-Übertragung, die 50 Partien, die live im internationalen Fernsehen gezeigt werden, werden mit acht Kameras übertragen. "Wir produzieren die Bilder und vermarkten die Spiele auch noch", erzählt Empl.

Die Trainingslager sind längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Früher einmal weigerten sich viele heimische Hotels, in den Sommermonaten ihre Pforten für Fußballer zu öffnen. Mittlerweile haben alle erkannt, welche verlässliche Einnahmequelle die Camps sind. Allein die 80 Teams, die Empl nach Österreich geholt hat, garantieren rund 35.000 Nächtigungen. Die Journalisten und Fans, die vor allem deutsche Teams im Schlepptau haben, sind da noch gar nicht eingerechnet.

Nein zu Istanbul

Manchmal locken die Partien auch ungebetene Gäste an. Es ist schon vorgekommen, dass Hooligans die Testspiele in Österreich störten. Weil Empl auch für die Sicherheit verantwortlich ist, nimmt er inzwischen Abstand von solchen Risikopartien. "Heute musst du sowieso jedes Spiel eine Woche vorher offiziell anmelden, und es wird auch geprüft, ob es Sicherheitsbedenken gibt",erklärt Empl. Aus diesem Grund verzichtete der 47-Jährige heuer auch auf die Traditionsteams aus Istanbul. Die Auflagen und der Aufwand sind auch wegen der politischen Situation in der Türkei mittlerweile so groß, dass Empl lieber die Finger davon lässt. "Das machen wir jetzt nicht mehr."

Stattdessen kümmert er sich um die Wintertrainingslager. Das Organisieren von Teamcamps ist längst zum Ganzjahres-Geschäft geworden. Für viele der Vereine, die im Sommer in Österreich trainieren, kümmert sich Empl auch um die Vorbereitung im Winter. Nachdem die Klubs die einst so beliebte Türkei mittlerweile meiden, bietet Empl jetzt als Alternative Trainingslager in Malta an. "Dort entstehen gerade wieder drei neue Fußballplätze, die wir mitfinanzieren."

Mit den Trainern, Spielern und Sportdirektoren der Topklubs ist Hannes Empl längst auf du und du. Immer wieder wird er zu internationalen Spitzenspielen eingeladen. "Wenn ein Mourinho sagt, Velden wäre das beste Trainingslager gewesen, in dem er je war, macht uns das alle stolz", sagt Empl, der einen großen Wunsch hat. Einmal ein berühmtes Nationalteam nach Österreich zu bringen. "Vor der WM nächstes Jahr in Russland werden viele nach Österreich kommen. Mit Brasilien stehe ich im Kontakt."

Weniger große Teams, mehr Kooperationen

Bayern München und Borussia Dortmund zum Beispiel gehen im Juli auf Asien-Tour und nehmen unter anderem am International Champions Cup teil. Bayern spielt ihn China und Singapur gegen Arsenal, AC Milan, Chelsea und Inter Mailand. Die Big Player zieht es immer häufiger nach Fernost oder in die Vereinigten Staaten, wo neue Märkte erobert werden können und wo zudem die Millionen locker sitzen.

Die Zeiten, in denen unter den österreichischen Tourismusregionen ein regelrechtes Wettbieten um die klingendsten Fußballvereine geherrscht hatte, sind inzwischen auch hierzulande wieder vorbei. Zumal es mittlerweile illusorisch ist, Teams wie dereinst Real Madrid (Gast in Irdning) nach Österreich zu locken.

Das bedeutet jetzt freilich nicht, dass alle Klubs, die ihre Zelte in Österreich aufschlagen, selbst für die Kosten des Trainingslagers aufkommen. Manche Tourismusverbände haben umfassende Werbepakete mit Vereinen geschnürt und pflegen über die gesamte Saison den Doppelpass. Das Zillertal etwa ist schon seit einigen Jahren ein Partner von Werder Bremen und dem Europa-League-Finalisten Ajax Amsterdam. Als die Niederländer zuletzt das Europe League-Finale erreichten, ließen die findigen Zillertaler in Amsterdam riesige Glückwunschplakate aufhängen.

Die Tiroler haben sich die beiden Vereine ganz bewusst ausgewählt. Deutschland und die Niederlande sind seit jeher touristische Kernmärke des Zillertals. Dass Bremen das Image eines Österreicher-Klubs hat und dort traditionell rot-weiß-rote Legionäre am Ball sind (aktuell Junuzovic, Kainz), ist auch kein Nachteil.

Keine Polarisierer

Aus touristischer Sicht ist die Auswahl der richtigen Partnerschaft gar nicht einmal so unproblematisch. Vereine, die extrem polarisieren, ziehen zwar die Fan-Massen an, im gleichen Zug werden dadurch aber auch andere Anhänger vergrault. Als die Region Kirchberg-Brixental vor Jahren die Kooperation mit Borussia Dortmund einging, war den Verantwortlichen durchaus bewusst, dass es zumindest während der Zeit des Dortmunder Trainingslagers keinen Schalke-Fan in die Region verschlagen würde. Und um den riesigen gelb-schwarzen Fanartikel-Automaten in Westendorf, in dem von der Zahnbürste bis zum Kuscheltier alles vom BVB feilgeboten wird, macht vermutlich jeder Bayern-Sympathisant einen großen Bogen.

Ein Testspiel-Zwölfer

Rapid – Celtic Glasgow (Amstetten, 1. Juli, 17 Uhr)

Ajax AmsterdamBremen (Hippach, 8. Juli).

GAK – 1. FC Köln (Weinzödl, 9. Juli, 17 Uhr)

BremenWolverhampton (Zell/Ziller, 12. Juli)

Sturm GrazFC Kopenhagen (Großklein, 2. Juli, 17 Uhr)

Salzburg – Terek Grozny ( Leogang, 28. Juni, 18.30 Uhr)

AustriaRubin Kasan (Möllbrücke, 28. Juni, 18 Uhr)

WolfsbergUnion Berlin (Wolfsberg, 7. Juli, 19 Uhr)

St. PöltenMonaco (St. Pölten, 7. Juli, 18 Uhr)

Rapid – Monaco (Allianz Stadion, 9. Juli)

LASK – Ujpest Budapest (Bad Wimsbach, 30. Juni, 18 Uhr)

Innsbruck – Dinamo Moskau (Fulpmes, 25. Juni, 18 Uhr)