Sport | Fußball 14.03.2012

Das Firmengeflecht hinter ZSKA

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Die undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse von Reals Champions-League-Gegner.

Was haben Dietrich Mateschitz, Roman Abramowitsch und Jewgeni Giner gemeinsam? Sie alle sind mehr oder weniger stolze Besitzer eines Fußballklubs.

Red Bull, der Konzern von Mateschitz, sorgt seit 2005 dafür, dass es bei Salzburg – zumindest finanziell – nie heißt: "Dose leer". Dank der russischen Millionen von Abramowitsch, der seit 2003 mehr als 600 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat, wird der englische Spitzenklub Chelsea gerne auch "Chelski" genannt. Und Giner? Der ist der offizielle Besitzer von ZSKA Moskau. Offiziell, weil die Eigentumsverhältnisse inoffiziell nicht ganz so durchsichtig sind, wie es Giner und die ZSKA-Chefetage gerne darstellen.

Firmengeflecht

Freunde: ZSKA-Moskau-Besitzer Jewgeni Giner (li.) und der Ex-ZSKA-Mitbesitzer Roman Abramowitsch.
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Bei ZSKA stehen laut einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung knapp 75 Prozent in Besitz der britischen Bluecastle Enterprise Limited und ihrer Tochtergesellschaft, der russischen AWO-Kapital.

Chefin bei Bluecastle war zumindest eine Zeit lang Jennifer Elizabeth Westmoreland. Diese scheint viel Zeit zu haben, stößt man doch bei Internetrecherchen auf eine ganze Reihe von Firmen, bei denen sie Chefin ist, beziehungsweise war.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, unterstanden Bluecastle zumindest für eine gewisse Zeit die luxemburgischen Era Intermedia und die niederländische Macasyng Holding. Era Intermedia fungierte als Kreditgeber für Bluecastle. Laut dem Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg bekleidet seit dem Jahr 2010 der Sohn Jewgeni Giners, Wadim, einen Administratorenposten bei Era Intermedia.

Nebulös

Des Weiteren ist das luxemburgische Unternehmen in ein Firmengeflecht eingebettet, an dessen Ende wiederum die niederländische VS Energy International Holding steht. Miteigentümer dieser Firma sind unter anderen Alexander Babakow, Mitglied der russischen Staatsduma, und Jewgeni Giner.

Babakow ist aber auch Miteigentümer eines weiteren Unternehmens – der Off-Shore-Holding Macasyng, der auch Bluecastle Enterprises Limited untersteht. Da wundert es auch nicht mehr, dass Macasyng und VS Enterprises denselben Hauptsitz in der noblen Amsterdamer Innenstadt haben. Homepage oder Email-Adresse scheint es in beiden Fällen nicht zu geben. Laut Guardian könnte Macasyng dazu dienen, die Eigentumsverhältnisse zu verschleiern und so die Steuerbelastung zu reduzieren.

Verschleierungstaktik

Es stellt sich die Frage, warum all diese Firmen zumindest entfernt mit dem offiziellen ZSKA-Eigentümer Jewgeni Giner in Verbindung stehen, warum diese Firmen teilweise denselben Hauptsitz haben, oder überhaupt auf Steuerparadiesen gemeldet sind. Vielleicht sind das alles nur Zufälle. Vielleicht ist es aber einfach eine russische Defensivtaktik, um Steuerfahnder zu verwirren.

Übrigens hat auch Roman Abramowitsch bereits mit ZSKA zu tun gehabt. Sein Mineralölkonzern Sibneft, seit 2005 in den Großkonzern Gazprom eingegliedert, war 2004 bei ZSKA als Sponsor eingestiegen. Abramowitsch hatte jedoch sein Engagement zurückgezogen, da die UEFA eine Teilnahme zweier Vereine, die denselben (Teil-)Eigentümer haben, an Champions League oder Europacup nicht erlaubt.

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Erstellt am 14.03.2012